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Festival: Das Bizarre ist tot, es lebe Terremoto!

Knapp 30.000 Besucher waren zum Nachfolger des Bizarre-Festivals nach Weeze an den Flughafen Niederrhein gekommen. Dort erlebten sie drei Tage Rockmusik vom Feinsten.

Die Erde in Weeze hat aufgehört zu beben, das Terremoto-Festival ist vorbei. Drei Tage Musik, drei Tage zelten, drei Tage Dixie-Klos sind Geschichte. Knapp 30.000 Besucher gönnten sich ein paar Tage Urlaub, um sich das Ex-Bizarre-Festival auf dem Flughafen Niederrhein anzusehen und vor allem anzuhören. Und auf die Ohren gab es genug. Von Punk über HipHop bis hin zu feinstem Gitarrenrock hatten die Veranstalter alles mobilisiert – insgesamt über 50 Bands auf drei Bühnen. Viele in Deutschland noch eher unbekannte Combos wurden engagiert, aber auch die breite Rock-Gemeinde kam auf ihre Kosten. Und genau das machte den Charme des Festivals aus.

Rock bis tief in die Nacht

Schon am Freitag drückten die Boxen ihre fetten Bässe auf das Flugfeld. HIM, Placebo und Sum 41 heizten nach einem sehr verregneten und schlammigen Morgen auf den Campingplätzen dem noch nassen Publikum ein. Schnell waren die Strapazen vom morgendlichen Zeltaufbau vergessen, mit dem ersten Gitarren-Riff floss nur noch das Bier in Strömen. Bis ein Uhr nachts harrten die meisten Besucher auf dem Gelände aus, danach ging es für viele noch in die Disco oder zurück zur Plastik-Behausung – dort wurde Petrus gedankt und dem Wettergott erst einmal ein Kotelett oder die Mischung Wodka-Orange geopfert.

The Rasmus erstmals auf großem Festival

Das Samstags-Line-Up ließ kaum noch Wünsche offen. Die finnischen Newcomer The Rasmus überraschten durch einen Energie geladenen Auftritt und einer überzeugenden Live-Performance. Zum ersten Mal spielte die Band auf einem großen Festival. Die Foo Fighters mit Ex-Nirvana-Mann Dave Grohl an der Gitarre brachten die Menge zum Kochen und den Wellenbrecher vor der Bühne fast zum Zusammenbruch – passiert ist dabei allerdings niemandem etwas. Schon während die vier Amerikaner auf der Bühne standen, wurden an der Seite große aufblasbare und gefesselte Gummipuppen angebracht: Die Vorboten für den eigentlichen Hauptact des Tages.

Ärzte werden ihrem Ruf gerecht

Die "beste Band der Welt", so die Ärzte über die Ärzte, haben ihren Ruf als geniale Live-Gruppe verteidigt. Schon beim ersten Lied, der "Monsterparty", sang der ganze Pulk vor der Bühne laut mit. Für viele war die Band aus Berlin der eigentliche Headliner des ganzen Festivals – fast die einzigen deutschen Rockstars überhaupt. Und die Ärzte spielten ein wirklich gutes Konzert. Evergreens wie "Westerland" oder "Zu spät" wechselten sich ab mit neueren Stücken. Auch die in den nächsten Wochen erscheinende Single "Unrockbar" testeten die Drei zum ersten Mal an einem großen Live-Publikum. Und der Song kam an. Mit der längsten Zugabe ihrer Karriere, fast eine halbe Stunde, verabschiedeten sich die Ärzte für eine längere Zeit. Erst im Dezember sind sie wieder auf Deutschlandtour – und die Konzerte sind fast alle schon jetzt ausverkauft.

Am Sonntag dominierten die harten Klänge

Das Sonntagsprogramm hat neben den Campern auch noch eine große Menge an Tagesbesuchern nach Weeze gelockt. Monster Magnet, Linkin Park, Limp Bizkit, Beck, Pennywise und die Fantastischen Vier – die Namen sprechen für sich. Vor allem die amerikanischen Bands zogen die Massen in Scharen vor die Bühne. Nach der Absage von Linkin Park und Limp Bizkit bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" haben sich die Fans auf das Terremoto-Festival vertrösten müssen. Und das hat sich gelohnt.

Die Fantastischen Vier haben in Deutschland den Sprechgesang salonfähig gemacht und sind eigentlich immer einen Konzertbesuch wert. Mit dem "Unplugged"-Programm aber wagten sich die Rapper auf bisher unbekanntes Terrain. Noch nie ist jemand nach dem MTV-Auftritt mit genau diesem System auf Tour gegangen. Dem Publikum jedenfalls gefiel der Auftritt mit Orchester und Kettensäge. Wie überhaupt das ganze Terremoto-Festival für Besucher und Organisatoren ein voller Erfolg war.

Tobias Dupke
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