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Hurricane, Wacken und Co.: Klimasünde Festival? Wie die großen Veranstalter dem Müll den Kampf ansagen

Ob Hurricane, Wacken oder Lollapalooza – unsere Autorin liebt Festivals, besucht jedes Jahr rund acht von ihnen und war in der Vergangenheit immer wieder überrascht, wie viel Krempel am Ende doch liegen bleibt. Doch den Müll-Bergen wollen die Veranstalter nun den Kampf ansagen. 

Von Eileen Primus

Müllberge beim Glastonbury Festival 2019

Müllberge wie hier beim Glastonbury Festival 2019 waren bis vor ein Jahren auch in Deutschland noch Standard – doch das Blatt scheint sich zu wenden

Getty Images

Laute Musik, kaltes Bier, rumknutschen und den Alltag gegen ein buntes Stoffbändchen am Arm eintauschen: Festivals sind für viele Fans die schönste Zeit des Jahres. In Sommer-Sonne-Festivallaune schlagen wir unsere Zelte auf, plumpsen mit Dosenbier bemannt in den Campingstuhl und tauchen ein in eine Parallelwelt voll glücklicher Glitzer-Gesichter und Konfetti-Straßen. Aber so cool die Festival-Saison auch ist, so dreckig ist sie. Ich gehe seit über zehn Jahren auf diese Reise, besuche rund acht Festivals pro Jahr, zelte stets und habe meine 20er ein Stück weit zwischen Musik und Müll verbracht. Denn Festivals waren (und sind noch immer) eine krasse Umwelt-Sünde. Da müssen wir uns alle ans eigene Festivalsonnenbrand-Näschen packen.

Mein erstes Festival, "Rock am Ring", sah 2008 noch so aus: Müllberge auf den Campingplätzen, vor allem bei der Abreise am Montagmorgen wurde ein Schlachtfeld hinterlassen. Kaputte Zelte, Schlafsäcke, Luftmatratzen, Pavillons, tonnenweise Essensreste. Wer nicht aufpasste, rutschte beim Gang zum Auto auf glitschigen Marinade-Grillverpackungen oder gleich einem rohen Nackenkotelett im Gras aus, patschte mit seiner Hand in Knoblauchsoße oder lief zwischen ausgekippten Ravioli-Resten Slalom. Als ich meinen Eltern Zuhause Fotos zeigte, meinten sie leicht panisch: "Habt ihr da im Müll gehaust?" Ja. Irgendwie schon.

Festivalbesucher sind leider bequem, denn wir können an diesen wenigen Tagen in einer sorglosen Parallelwelt leben. Alles, was nicht vom Campingstuhl aus mit ausgestrecktem Arm erreicht wird, ist oft zu viel Aufwand. Verpackungen, Plastikbesteck, Abschminktücher etc. werden oft achtlos auf den Boden neben sich gepfeffert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Spaß, Konzerte und Saufen sind wichtiger.

Aber manchmal ist dieses Erwachsenwerden ja zu etwas gut. Ich persönlich hinterlasse mein Festival-Plätzchen heutzutage deutlich grüner und möchte aktiv etwas verändern. Das bedeutet, darüber zu sprechen und mindestens einmal am Tag aufräumen – der Müll wird getrennt und in dicke Säcke gepackt, Pfand kommt separat in einen Beutel und wird wieder mit nach Hause genommen, kein Equipment wird stehen gelassen. Ich habe heute richtiges Besteck mit, Emaille-Schüsseln und Tellern, benutze Becher von vergangenen Konzerten, kaufte mir eine Spülwanne fürs unkomplizierte Spülen am Zeltplatz und stieg auf Öko-Glitzer und Öko-Konfetti um. Denn gerade plastikhaltiges Konfetti ist eine richtig fiese Müll-Sünde.

"Die neue Generation der Festivalgäste ist mehr denn je am Thema Nachhaltigkeit interessiert"

Und es sieht ganz so aus, als wäre ich mit meinem Sinneswandel nicht alleine. Zwar glänzen Festivals noch lange nicht so blitzeblank wie die Stirn von Meister Proper, im Schmuddel-Schmutz wollen viele Fans aber nicht mehr hausen. "Green Camping" wird immer beliebter, Aufräumen ist nun cool – und das ganz ohne Marie Kondos magische Falttechniken: "Die neue Generation der Gäste ist mehr denn je am Thema Nachhaltigkeit interessiert und wird uns immer weiter dazu auffordern weitere Schritte einzuleiten, wozu wir selbstverständlich mehr als bereit sind", so "Hurricane"-Veranstalter FKP Scorpio zu NEON. "Nach dem 'Hurricane' gab es diesmal erheblich weniger zerbrochenes Plastikbesteck auf dem Boden und auch weniger umweltunverträgliches Plastikkonfetti. Unsere Gäste sind offensichtlich bereit, auf Alternativen zurückzugreifen."

Auch Veranstalter Goodlive ("Full Force", "splash!", "Melt" in Ferropolis und "Lollapalooza" in Berlin) erkennt den Aufräum-Trend: "Fridays For Future, Kohleausstieg, Grüne Energie – es gibt unzählige Themen, mit denen sich unsere Besucherinnen und Besucher beschäftigen und identifizieren. Wir spüren eine größere Bereitschaft, sich auch auf unseren Festivals damit auseinander zu setzen. Eigentlich ist es selbstverständlich, dass man an einem Festival-Wochenende seine Grundsätze nicht über Bord wirft und sich in einer sauberen Umgebung aufhalten möchte."

Auf bisher drei Festivals 2019 ("Rock am Ring", "Hurricane", "Full Force") sah ich: Die Campingplätze sind sauberer, "Green Camping"-Bereiche (hier gibt’s strengere Regeln, was grünes Wohnen angeht) werden immer größer und beliebter, Festival-Supermärkte verbannen Plastik-Artikel aus dem Sortiment, Müll wird schon während des Wochenendes aufgeklaubt und entsorgt. Und auch die Veranstalter kommen in die Puschen, denken sich Aktionen aus, um ihre Besucherinnen und Besucher zum Aufräumen zu animieren. So hat das "Kosmonaut"-Festival in Chemnitz eine Müll-Tombola eingeführt und das Metalfestival "Full Force" suchte in diesem Jahr via Social Media das sauberste Camp und prämierte es mit VIP-Tickets fürs kommende Jahr.

Das Grüner Wohnen Camp beim "Hurricane"

Das Grüner Wohnen Camp beim "Hurricane"-Festival NACH der Abreise der Gäste

Die "Wacken"-Fans ehren ihren "Holy Ground" jetzt schon

Ein dicker Pluspunkt beim "Wacken"-Festival (feiert Anfang August 30-Jähriges): Das Gelände im kleinen Örtchen ist für viele Fans heilig! "Der "Holy Ground" erfährt eine emotionale Aufladung als "schützenswert". Es existiert sogar eine von Wacken-Freunden getragene Initiative: "Metal For Nature – Keep The Holy Ground Clean". "Tendenziell beobachten wir seit Jahren einen erfreulichen Trend zur Abnahme der Müllmenge", so ein Sprecher zu NEON. Aber die Organisatoren sind auch realistisch: "Müll in jeder Form ist für Festivals ein erheblicher Kostenfaktor. Es liegt also in unserem eigenen Interesse, den Müllberg zu verringern. Leider müssen wir ehrlich feststellen, dass dies auch kurz vorm 30. Wacken Open Air leichter gesagt als getan ist. Das liegt an der Natur eines Festivals, seitens der Gäste und Firmen braucht es theoretisch deutlich mehr Verpackungsmaterial, als im Alltag. Wir müssen, ebenso wie die gesamte Gesellschaft, vom Plastik wegkommen und das Müllaufkommen generell verringern. Wünschenswert wäre eine komplette Müllvermeidung, aber ob das realistisch möglich ist, muss die Zukunft zeigen".

Das bevorstehende "Parookaville"-Festival in Weeze setzt bisher weiter auf zehn Euro Müllpfand, ähnlich wie unter anderem das "Hurricane" – wobei letztere Veranstalter seit diesem Jahr einen Schritt weitergehen und neben dem schwarzen Sack auch einen gelben verteilen: "Während des Festivals sahen wir, dass sehr viele Gäste mit zwei Müllsäcken zur Recyclingstation kamen. Einen Sack Restmüll und einen Sack voller Leichtverpackungen. Durch diese freiwillige Vortrennung konnten bei der anschließenden Sortierung noch mehr Wertstoffe rausgefiltert werden als bisher schon, was uns sehr freut."

Wacken 2018

Der "Holy Ground" des Metal-Festivals in Wacken

Getty Images

Einige Veranstalter bieten Mitmach-Aktionen an – auch für den guten Zweck

Sehr cool: Erstmals dieses Jahr gibt’s beim "Full Force", "splash!" und "Melt" einen eigenen Bereich zum Thema Nachhaltigkeit mit Mitmach-Aktionen. Veranstalter Goodlive zu NEON: "Neu ist der [FAIR]OPOLIS-Bereich, wo sich NGOs präsentieren. Mit Foodsharing veranstalten wir ein Picknick im Green Camp. Mit Camp Utopia arbeiten wir mit einem Zelt-Verleiher zusammen, der sich auf Upcyling von Zelten spezialisiert hat. Besucher können nicht nur Zelte leihen, sondern auch ihre alten nach dem Festival spenden oder zwischendurch reparieren. Ein anderer Partner ist Hermine, die zurückgelassene Zelte einsammeln, aufbereiten und Menschen in Krisensituationen damit unterstützen."

Auch im Backstage-Bereich und bei der Logistik wird bei den meisten Festivals mittlerweile umgedacht, Plastik verbannt. Auf dem "Hurricane" gab’s dieses Jahr dank eines Verbots KEIN Plastik bei allen Essens- und Getränkeständen. Strohhalme für süffige Cocktails waren aus Pappe, Rührstäbchen wurden verbannt, ebenso Plastikteller und -becher. Auch neu: Weg mit Einwegplastikflaschen! Im Backstage-Bereich wurden sie überwiegend durch Wasserspender ausgetauscht. "So konnten wir rund 70 Prozent des Verbrauchs an Einwegplastikflaschen einsparen und wollen zukünftig produktionsseitig gänzlich darauf zu verzichten", so der Veranstalter.

Auf der Ferropolis-Spielstädte gibt’s Kaffee für die Crew nur noch in Mehrwegbechern, im Catering wurde der Meat-Free-Friday eingeführt, die Gastro-Partner müssen strikt Müll trennen und besonders nachhaltige Essensstände werden ausgezeichnet. "Wir versuchen auch, die Banner-Produktion so gering wie möglich zu halten (nutzen diese zum Beispiel Festival-übergreifend) und werden bei Melt und splash! im Juli zum ersten Mal auf den Druck von Programmheften verzichten", so der Veranstalter. Die "Wacken"-Crew bietet zum Beispiel 2019 erstmals auch einen Festival-Supermarkt an – "was den Gästen ersparen soll, Unmengen an einzeln abgepackter, tendenziell überschüssig kalkulierter Verpflegung durch die Welt zu fahren und lieber frisch nach Bedarf einzukaufen."

Das "Parookaville" versucht, den Festival-Standort am Flughafen Weeze optimal zu nutzen: "Die Festivalproduktion an sich ist ein riesiger Müllvermeidungs-Faktor. Hier hat Parookaville von Beginn an einen nachhaltigen Weg eingeschlagen, schafft mehrjährig zu verwendendes Material an und lagert es für minimale Transportwege direkt auf dem Flughafengelände in Weeze. Deko-Elemente und Mobiliar werden mehrfach verwendet, viele Elemente wie Seecontainer und Beleuchtung entstehen durch Upcycling", so ein Sprecher zu NEON. Logisch: Festivals können schließlich nur grüner werden, wenn alle Bock haben, mitzumachen: Fans, Crew, Orga-Team, Gastro.

Ein Dixi-Klo auf einem Festival

Mein Fazit? Es geht nach vorne – aber da geht noch was

Es lässt sich also durchaus feststellen, dass Festivals immer sauberer werden, denn: Die neue Generation der Fans interessiert sich immer mehr für Wege, Müll auch auf diesem Fleckchen der sorglosen Glückseligkeit zu vermeiden. Natürlich wird noch immer viel Müll produziert und liegen gelassen, aber gerade 2019 passiert sehr viel Gutes und Gedanken werden in die Tat umgesetzt. Ich würde mir wünschen, dass es ein generelles Plastikverbot für Essens- und Getränkestände auf allen Festivals gibt – nur die Bitte, darauf zu verzichten, reicht nicht. Auch ein Plastik-Verbot auf dem ganzen Campinggelände wäre interessant zu testen – Alternativen gibt's gerade für Besteck, Teller & Co. ja genug.

Unternehmen, die auf Festivals Marketing betreiben, sollten ebenfalls umdenken und keine in Plastik verpackten Artikel verschenken. Beispielsweise hat ein Kaffee-Hersteller kleine Probier-Fläschchen aus Plastik auf einem Festival verteilt – ist zwar lecker und kostenlos für die Fans, auf dem Boden lagen aber nun tonnenweise dieser leeren Verpackungen rum. Und bei der tollen Arbeit der NGOs, die sich ums Aufbereiten von Zelten für Menschen in Not kümmern, würde ich mir wünschen, dass diese noch stärker über die Campingplätze laufen. Eine Sammelstelle, wo gutes Equipment abgegeben werden kann, reicht nicht aus. Wer will schon am Abreisetag müde und verkatert Umwege laufen, um zur Sammelstelle zu gelangen? Liegenlassen ist leider deutlich bequemer. In jede Fan-Hand auf jedem Campingplatz (Presse- und VIP werden gerne mal vergessen) gehören ein schwarzer und gelber Müllsack – und mehr Müll-Sammelstellen können auch nicht schaden. Bei "Rock am Ring" gibt’s die meist nur am Ein- und Ausgang der Campingplätze, was zu wenig ist. Beim "Hurricane" sah ich solche Sammelstellen alle paar Meter – so dass nicht extra Umwege gelaufen werden müssen und jeder Besucher zwischendurch schon seinen Dreck entsorgen kann.

Das Abschlusswort überlasse ich Campino von den Toten Hosen, der beim Auftritt auf dem "Hurricane" dieses Jahr ganz treffend ins Publikum brüllte: "Und nehmt auch eure scheiß Zelte wieder mit nach Hause."

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(