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England: Musik hören, feiern, Müll machen – die Nachwehen des Glastonbury Festivals

Fast 200.000 Leute haben das Glastonbury Festival im Südwesten Englands besucht, fünf Tage Konzerte und Party. Was davon übrig blieb, ist eine Menge Müll – doch weitaus weniger als noch vor zwei Jahren.

Mit Müllbeuteln ausgestattet, räumen Helfer das Festivalgelände auf

The day after Glastonbury: Mit Müllbeuteln ausgestattet, räumen Helfer das Festivalgelände der Worthy Farm in Somerset auf

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Die Organisatoren des Glastonbury Festivals hatten eine Anmerkung an die Besucher geschickt: Sie sollten recyclen, ihre Zelte wieder mit nach Hause nehmen und kein Plastik mit auf das Gelände bringen. Doch bei knapp 200.000 Menschen, die in den vergangenen fünf Tagen Live-Musik gehört und Partys gefeiert haben, ist das mit der Einhaltung so eine Sache. Die Bilder der Aufräumarbeiten, mit denen heute Morgen begonnen wurde, zeigen, dass nicht alle sich daran gehalten haben. Die Mülleimer quellen über und auch das gesamte Gelände zeugt mit Bechern, Dosen und anderem Verpackungsmüll von den Partys der Tage unter freiem Himmel. Wieder sind auch völlig intakte Zelte von ihren Besitzern zurückgelassen worden. Eine "Nach mir die Sintflut"-Haltung, die man auch nach jedem Festival in Deutschland sehen kann.

Erschöpft sitzen Besucher des Festival auf der Wiese

Erschöpft, aber glücklich: Diese beiden Festivalbesucher lassen offenbar bei Sonnenaufgang die vergangene Nacht nachklingen

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Dennoch zieht die Mitorganisatorin des jährlichen Glastonbury Festivals im englischen Somerset und jüngste Tochter des Festivalgründers Emily Eavis im Interview mit der "Glastonbury Free Press" eine erfreute Bilanz: "Wir haben in diesem Jahr so viele positive Schritte mit unserer grünen Kampagne unternommen. Es ist unglaublich, dass es eine Million weniger Plastikflaschen gibt, mit denen der Planet klarkommen muss, weil wir aufgehört haben, sie zu verkaufen." Das ist die Anzahl Flaschen, die 2017 noch auf dem Festival verkauft worden sind. Eavis hat die Hoffnung, dass bei vielen Fans ein Umdenken stattgefunden hat. "Ich glaube, die Menschen fangen wirklich an zu verstehen, wie wichtig es ist, dass wir das Land mit Respekt behandeln und aufhören, einen Wegwerf-Lebensstil zu führen."

Die Bilanz der vergangenen Jahre

Insgesamt wurden seit dem Jahr 2000 45 Tonnen Aluminium verarbeitet und 4500 Liter Bratöl in Biokraftstoff umgewandelt sowie mehr als 10.000 Bäume vor Ort gepflanzt. Jedes Jahr helfen mehr als 1300 Freiwillige beim Recycling der Rückstände durch das Festival. In diesem Jahr standen auf dem 3,6 Quadratkilometer großen Gelände 850 Wasserstellen bereit und 37 Kioske der britischen Entwicklungsorganisation WaterAid. Und immerhin 40 Prozent der Besucher reisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Das Gelände wieder in einen Acker für Milchkühe zu verwandeln, wird etwa sechs Wochen dauern.

Zu den Headlinern des Festivals, das in diesem Jahr nicht wie sonst durch Regen und Matsch gesprägt, sondern mit Temperaturen bis 28 Grad Celsius und Sonnenschein gesegnet war, zählten 2019 The Cure, Kylie Minogue, Stormzy, The Killers und Lewis Capaldi. Im kommenden Jahr feiert das Glastonbury seinen 50. Geburtstag. "Wir planen eine riesige Feier", verspricht Emily Eavis.

Quelle: "metro.co.uk"