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Fettes Brot: Wer ist eigentlich Emanuela?

"Lass die Finger von Emanuela" singen Fettes Brot auf ihrer neuen Scheibe - und alle singen mit. Aber haben Sie sich nicht auch schon Mal gefragt, wer diese ominöse Person eigentlich ist?

Von Nele Justus

Ich muss es zugeben, auch mich hat er ergriffen, der neue "Emanuela"-Wahn. Anfangs habe ich noch geschimpft, als ich hörte, Fettes Brot würde ihren neuen Song bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest vorstellen. "Wie kommerziell", hab' ich gedacht und mir klammheimlich geschworen, das neue Album der drei Schleswig-Holsteiner schon aus Protest weder zu hören geschweige denn auch noch zu kaufen. Wer mit den Randfichten zusammen auf einer Bühne steht und auch noch dafür sorgt, dass Stefan Raab mal wieder jede Menge Schlagzeilen bekommt, der sollte bestraft werden war ich der festen Überzeugung.

Und dann hab ich es doch getan:

Wie zufällig hab ich beim Zappen Raabs Megaspektakel eingeschaltet, natürlich nur ganz kurz, und ich schwöre, ich wollte auch sofort wieder wegschalten. Aber ich hab's nicht getan. Der Wille war zu schwach, die Neugier zu groß. Und seitdem – was soll ich sagen – durchlebe ich ein "Emanuela"-Fieber. Das Positive daran ist: Ich bin nicht allein! Um mich herum leiden viele an derselben Krankheit, und die führt – man mag es kaum glauben – zu fast zwanghaftem Verhalten. Ganz harmlos beginnt sie mit einem rhythmischen Fuß-Zucken und breitet sich dann weiter aus. Die Hüfte fängt an zu wackeln, die Arme wandern nach oben und, wenn es ganz schlimm wird, dann reißt man die Kehle auf und singt lauthals mit. Am besten natürlich den Refrain: "Lass die Finger von Emanuela". In einem dieser Anfälle hab ich für einen Moment inne gehalten und mich gefragt: Was singe ich da eigentlich? Und – noch viel wichtiger: Wer ist eigentlich Emanuela?

Nachforschungen über diese alles entscheidende Frage haben dann zu ganz unterschiedlichen und manchmal gar ein wenig philosophischen Ergebnissen geführt. "Emanuela, das ist die Frau an sich, von der Mann die Finger lassen sollte", hat ein Freund von mir voller Inbrunst behauptet und in seinem Exkurs ausgeholt bis hin zu Adam und Eva und dem sündhaften Apfel. Der nächste Befragte sah es nicht ganz so biblisch. "Emanuela? Das kommt doch bestimmt von diesem Soft-Porno Emanuelle". Auf einer ähnlichen Fährte war auch mein Nachbar. Denn der war der Meinung, Emanuela sei eine Prostituierte auf dem Kiez. Einer war aber auch der festen Überzeugung, Emanuela sei gar keine Frau, sondern ein knackiger Italiener. Und der Song – dessen war er sich ganz sicher - würde zur nächsten Schwulenhymne. Ein wenig Sorgen hab ich mir gemacht, als mir die Antworten Hund, Katze, oder gar ein verschlüsselter Codename um die Ohren flogen. Das ging nun wirklich zu weit.

Ein wenig, so scheint es mir, hab ich auf der Suche mein Ziel aus den Augen verloren. Mindestens hundert Mal habe ich "Emanuela" gehört, in der Hoffnung, doch noch ein Zeichen und damit eine Antwort auf meine Frage zu bekommen. Den Versuch war es wert, aber jetzt gebe ich auf. Was soll man auch immer alles hinterfragen? Ich werde mich jetzt lieber zurück lehnen, ein weiteres Mal "Emanuela" einschalten und darauf warten, dass mein Fuß zu tippen anfängt und die Hüfte wackelt.

Trotz allem:

Falls Sie nur rein zufällig auch "Emanuela" einschalten oder gar an dem neuen Album von Fettes Brot vorbeischlendern, dann hören Sie doch einmal genauer hin. Vielleicht kommen Sie auf des Rätsels Lösung. Für einen Hinweis wäre ich Ihnen sehr dankbar.

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