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Alina Süggeler über ihr neues Video: Warum die Frida-Gold-Sängerin nackt singt

Drei Jahre war es still um Frida Gold, verdächtig still. Jetzt ist die Band um Sängerin Alina Süggeler zurück - und nackt. Ein Gespräch über das neue Video und die ewige Suche nach sich selbst.

Von Christoph Farkas

Wir erreichen Alina Süggeler, Stimme und Gesicht von Frida Gold, in New York. Das dritte Album ist gerade fertig, heißt "Alina" und erscheint am 30. September. New York, heißt das jetzt Urlaub, Entspannung? "Nein, nein", sagt Süggeler, "ich helf nur bei einem Umzug." Wir wollen mit ihr über das neue Album, vor allem aber das Video zur ersten Single "Langsam" sprechen: Darin hockt sie frisch geduscht und weinend auf dem Bett ihrer Altbauwohnung, später sprintet sie vor einem Cabrio durch die Nacht. Nackt.

Alina, wer von dem Nacktvideo hört, ohne es gesehen zu haben, wird vermuten, es geht euch um Provokation, Klicks, Aufmerksamkeit. Ist das so?

Gar nicht. Mein Nacktsein war für uns einfach die logischste, klarste Form, den Song künstlerisch darzustellen. In "Langsam" geht es darum, zu sich selbst zu stehen, alles abzulegen, was einen beschwert und verschleiert. Wer nackt ist, ist ohne Fassade, bei sich selbst, wahr und ehrlich. Kein Make-Up, keine Attitüde, keine Kleidung. Das war unser Gedanke.

Deine Nacktheit ist also auch überhaupt nicht erotisch gemeint, wie in anderen Pop-Videos, "Famous" von Kanye West oder "Wrecking Ball" von Miley Cyrus?

Genau da liegt der Unterschied. Die Nacktheit ist Symbol für meine innere Haltung. Es geht darum, was in mir passiert, nicht um meine Oberfläche. "Langsam" hat für mich überhaupt nichts Erotisches.  

Wie entstand die Idee zum Video?

Das kam ganz spontan. Ich hab mir eigentlich immer jemand anderen in der Rolle vorgestellt. Der alles rauslassen, zu sich stehen sollte. Irgendwann hab ich aber gemerkt, naja, wenn ich ganz ehrlich bin, dann geht’s hier um mich. Darum, dass ich den Schritt wage. Ich will versuchen, meine Fehler, meine Fehlbarkeit zuzulassen. 

Und wie leicht ist dir das dann beim Dreh gefallen?

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, nackt zu sein. Ich komme aus einer großen Familie, wir sind da ganz selbstverständlich und unbeschwert mit umgegangen. Deshalb war ich vor dem Dreh auch total selbstbewusst. Mit der Kamera war das aber doch was ganz anderes.

Warum?

Da ist halt wirklich nichts, wohinter du dich verstecken kannst. Ich hab mich ungeschützt gefühlt, weil die Kamera bis auf meinen Grund gucken konnte. Weil wir auch bei mir in der Wohnung gedreht haben, wurde es wahnsinnig privat, intim, emotional. Die zwei Drehtage waren ein Seelenstriptease, aber auch ein schöner, wichtiger Selbstfindungsprozess für mich: Wo bin ich echt und wie fühlt sich das an? Wie sieht das aus und kann ich das mit meinem Bild von mir gut abgleichen?

Wie war bis jetzt die Resonanz bei den Leuten, die das Video gesehen haben, bei deiner Familie, deinen Freunden?  

Viele haben gesagt, dass sie während des Videos vergessen haben, dass ich nackt bin. Dass ich aber total spürbar bin. Genau das wollte ich schaffen, Emotionen so ehrlich und pur wie möglich auszudrücken.

Und du vertraust darauf, dass alle anderen das auch so sehen?

Das weiß man nie. Hoffentlich, ich würde mir das wünschen, wie für das ganze Album. Weil es einfach sehr, sehr nah ran gerückt ist an mich. Ich hab Dinge zugelassen, über die ich vorher nicht reden wollte. Die ich an mir selbst nicht sehen wollte, die ich mich nicht getraut hab. Ich hatte Angst zu zeigen, wie ich, Alina, wirklich bin.

Wie war denn Alina sonst?

Ich glaube, ich hatte einfach eine ziemliche Comfort Zone, eine Fassade. Mich in meinen Texten ehrlich mitzuteilen, war nie ein Problem. Aber mich zu zeigen, authentisch dabei zu sein, ist mir oft schwer gefallen. Ich war unsicher mit mir und meiner Rolle, mit Erwartungshaltungen. Das Album ist ein Versuch, zu mir zu finden und damit auch zu den Leuten, die unsere Musik mögen. Der Versuch, alles von mir zu zeigen, nicht nur bestimmte Seiten und Facetten, die ich mag. 

Der Song ist die Single zum Album "Alina", das am 30. September veröffentlicht wird. Eigentlich sollte es schon im letzten Herbst erscheinen. Was ist passiert?

Wir haben zum ersten Mal ein Album auf Englisch getextet. Ganz intuitiv, das fanden wir gut und richtig. Als das Album fertig war, haben wir die erste Single rausgebracht, die bei den Leuten überhaupt nicht angekommen ist. 

Und dann?

Wir haben uns gefragt, wollen wir den Weg wirklich weiter gehen? Oder wollen wir mit den Leuten, die uns bis jetzt gut fanden, in Kontakt bleiben? Wir wollten immer, dass uns so viele Leute wie möglich hören, klar, deshalb war das eigentlich keine Frage. Also sind wir zurück ins Studio, haben die Platte zum Teil übersetzt, aber auch neue Songs wie "Langsam" geschrieben. Wir haben uns Zeit gelassen, ein gutes, ehrliches Album zu machen und sind jetzt sehr glücklich damit.

Klingt, als wäre das bei aller Ernüchterung auch lehrreich gewesen.

Ich habe mich ziemlich hinterfragt und bin dabei ruhiger, gelassener geworden. Man darf trotzdem nie aufhören, Grenzen und Erwartungen auszutesten. Ich meine, wir kommen aus Hattingen im Ruhrpott. Niemand konnte sich jemals vorstellen, dass man da eine Musikkarriere starten kann.

Mehr über die Band unter www.fridagold.com