GESPERRT! Beatles-Coverband Rain Original und Fälschung


Vor Pilzkopf-Parasiten ist meist zu warnen. Die Beatles-Coverband Rain aber macht aus ihren Konzerten unterhaltsamen Geschichtsunterricht.
Von Tobias Schmitz

Eigentlich gibt es nichts Traurigeres als Coverbands. Eine Coverband ist wie ein Parasit. Ein Parasit, der vom Genie eines anderen zehrt, mit wichtiger Miene dessen Songs imitiert und hofft, damit seine Parasiten-Miete bezahlen zu können. Gern rechtfertigt sich der Parasit, er halte das Andenken an einen großen Künstler wach. Unsinn! Große Künstler bleiben große Künstler - auch ohne parasitäre Coverbands. Oder drohten die Beatles etwa in Vergessenheit zu geraten, würde man allen Coverbandschmarotzern die Ausübung ihres trostlosen Handwerks verbieten?

Aber jetzt wird die Sache kompliziert: Im September und Oktober gastiert in München und Düsseldorf eine Beatles-Band, die selbst militante Simulationsgegner milde stimmt: Rain kommen aus Amerika, nennen ihre Show "The Beatles Experience" und wurden in ihrer Heimat als "das beste Erlebnis nach den Beatles" gefeiert. Was natürlich ein schrecklich anmaßendes Lob ist. Wer soll das, bitte schön, nachprüfen?

Die Show funktioniert perfekt

Es wirkt zunächst grotesk, wenn der Vorhang aufgeht und dort vier Herren um die 50 stehen, die man mit Tonnen von Schminke in 22-jährige Pilzköpfe verwandelt hat. Aber dann funktioniert die Show perfekt: Ringos Kopfnicken beim Schlagzeugspielen, Pauls Bubengrinsen und die weit aufgerissenen Augen, Johns kehlig-nasaler Liverpool-Slang - wow!

Die musikalische Zeitreise durch die Sechziger von "I Want To Hold Your Hand" bis "Let It Be" absolvieren Rain mit fast humorloser Genauigkeit. Jedes Detail sitzt, jede Geste wirkt stimmig. Der Sound ist brillant, die Band spielt mit todsicherem Timing. Spätestens bei "Strawberry Fields" oder "A Day In The Life", die ursprünglich nie live aufgeführt wurden, merkt auch der letzte Skeptiker: Dies ist kein normales Konzert, dies ist einfach unterhaltsamer Geschichtsunterricht. Dass George Harrison aussieht wie ein schmieriger Gebrauchtwagenverkäufer, muss tapfer ertragen werden.

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