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HipHop: Auf die Frischlinge ist Verlass

Bushido und Sido waren die beiden Rapper, an denen im deutschen HipHop 2006 niemand vorbeikam. Jenseits des Atlantiks sorgten andere Künstler für Überraschungen - im Positiven wie im Negativen.

Im Soul, R&B und Hip-Hop war 2006 das Jahr der großen Comebacks und der ausgebauten Karrieren. In Deutschland überstrahlten zwei Rapper die Szene. Bushido ging mit dem Megaseller "Von der Skyline zum Bordstein zurück" voran, Sido folgte nicht minder erfolgreich mit "Ich". Unter den Newcomern konnte Manuellsen in kürzester Zeit zu Rap-Hoffnung des Ruhrpotts werden. Der für viele beste MC, Kool Savas, stand nicht nach und veröffentlichte "Optik Takeover" eine Werkschau seines Labels. Savas einstiger Duettpartner Azad fiel gar mit zwei Alben auf ("Game Over", "Der Bozz Remix"). Dessen alter Weggefährte D-Flame hingegen gab sich mit einem Album zufrieden ("FFM") und sorgte so für ein Lebenszeichen der "alten Garde".

Im Soul/R&B-Bereich konnte sich wieder einmal Xavier Naidoo an die Spitze setzen und seinem "Telegramm für X" (2005) mit den WM-Songs "Dieser Weg" und "Danke" noch mehr Nachhaltigkeit verleihen. Die Berliner Soul-Queen Joy Denalane hatte mit "Born & Raised" einen echten Meilenstein auf dem Kerbholz, der den Vergleich mit dem Nu-Soul aus Übersee nicht scheuen muss. Vielversprechende Newcomer wie Sebastian Hämer ("Sommer unseres Lebens") oder Valentin Stilu ("Supastereo") hingegen haben angedeutet, dass niemand den Unterbau fürchten muss. Ein Unterbau, der auf die großen Erfolge von Leuten wie Seeed ("Live") oder Jan Delay ("Mercedes Dance") schielt.

Heiß ersehntes Comeback von Jay-Z

In Großbritannien gab es mit "Closer" von Ty ein prickelndes Hip-Hop-Album, jenseits des Atlantiks zog Lupe Fiasco ein As aus dem Ärmel: "Lupe Fiasco's Food & Liquor" sucht in Sachen Wortspiel und musikalischer Frische seinesgleichen. Ein Kult, den Jay-Z längst schon ausgelöst und mit seinem heiß ersehnten Comeback "Kingdom Come" bestätigt hat. Unverhofft hat auch dessen Westküsten-Mitstreiter The Game mit "Doctors Advocate" sein brillantes Debüt mit einem ebensolchen Nachfolger beerbt. Der vielleicht lyrisch brillanteste MC Nas hat mit "Hip Hop Is Dead" den Tod der Kultur ausgerufen - und Lust auf mehr gemacht. Dass Hip-Hop nie vollständig vom Einheitsbrei übermannt werden wird, hat Outkasts episches "Idlewild", das Album zum gleichnamigen Film, bewiesen. Oder auch Mos Def mithilfe seines Albums "True Magic".

Eine Würze, die man von Eminem, der die Ermordung seines Weggefährten Proof zu beklagen hatte, oder von dessen Mistreitern Lloyd Banks oder Akon nicht erwarten konnte. Alle drei warteten mit mittelprächtigem Output auf. Gänzlich freigesprochen von diesem Vorwurf sind die fabelhaften Nu-Soul-Alben von John Legend ("Once Again"), India.Arie ("Testimony: Vol. 1, Life & Relationship") oder Ne-Yo ("In My Own Words"). Modern R&B-Fans weltweit atmeten Beyoncé und Rihanna ein und feierten Justin Timberlakes Rückkehr. Diese erwies sich unter der Regie von Timbaland als äußerst erfolgreich. Letzterer war scheinbar allgegenwärtig und schneiderte auch Nelly Furtado ( "Maneater", "Promiscuous") Hits auf den Leib.

Gnarls Barkley liefern Sagenumwobenes

Eine Fähigkeit, die auch die Neptunes wieder einmal beherrschten und auf Gwen Stefanis berühmt berücksichtigten "Jodel-Song" zum Ausdruck gebracht haben. P.Diddy war das alles egal, denn er forderte mit "Press Play" zum Tanz und sorgte mit Cassie und Danity Kane für frischen Wind. Snoop Dogg schaute auch vorbei und lieferte mit "Tha Blue Carpet Treatment" ein beachtliches Album ab, das weniger sagenumwoben war, als jenes des Duos Gnarls Barkley. Ob von diesem eine Karriere wie die von Mary J. Blige (Best Of "A Retrospective") zu erwarten ist, bleibt abzuwarten. Auf dem Weg dahin ist die starke Christina Aguilera ("Back To Basics"), vielleicht weniger die von ihrer Frontfrau Nicole Scherzinger lebenden Pussycat Dolls oder die Black Eyed Peas-Frau Fergie ("The Dutchess"). Spannend bleibt es allemal.

Patrick Mushatsi-Kareba/AP / AP