HOME

Hommage: "Je t'aime, moi non plus"

Gainsbourg orientalisch: Jane Birkin, ehemalige Muse des großen Chansonniers, wagt sich 12 Jahre nach dessen Tod noch einmal an seine Songs. Ob sich Serge darüber freuen würde, weiß sie nicht.

Schon beim Namen Serge Gainsbourg geht ein Strahlen über Jane Birkins Gesicht, und jedes andere Gesprächsthema hat keine Chance mehr. Auch zwölf Jahren nach seinem Tod spielt der große Franzose ganz offensichtlich noch eine Hauptrolle im Leben seiner einstigen Muse. "Er war so ein bemerkenswerter Mann - immer souverän, selbst im schlimmsten Ärger und Schmerz", schwärmt die Sängerin im AP-Interview. "Er wäre so glücklich zu wissen, dass seine Songs immer noch da draußen herumschwirren."

Dazu will Birkin mit einer neuen Hommage jetzt einen weiteren Beitrag leisten: Seit dieser Woche ist ihr Album "Arabesque" (EMI) mit orientalisch interpretierten Gainsbourg-Titeln auf dem Markt. Vor allem der jüngeren Generation möchte die Britin den Liedermacher damit nahe bringen. "Ob Serge darüber glücklich wäre oder nicht, weiß ich nicht", gibt die inzwischen 56-Jährige zu. "Ich wäre anmaßend, wenn ich das behaupten würde."

Algerisch, andalusische Zigeuneratomsphäre

Zumindest eindeutig wiedererkennen dürfte Gainsbourg seine Songs, die meisten davon aus den 70er und 80er Jahren. Birkin hat sie zusammen mit dem algerischen Violinisten Djamel Benyelles nach ihrer eigenen Fasson aufgenommen und, wie sie sagt, mit einer "algerischen, andalusischen und einer Zigeuneratmosphäre" versehen. Auch zu den orientalischen Perkussionsinstrumenten kommt ihre markant sanfte Stimme gewohnt anmutig und leichtfüßig daher.

Nur zu gern erinnert sich Birkin an ihre bewegte Vergangenheit, als sie mit Gainsbourg das Skandalpaar schlechthin bildete. Dabei lernten sich beide unter nicht gerade verheißungsvollen Umständen 1968 bei Dreharbeiten in Frankreich kennen: Gainsbourg litt noch unter seiner Trennung von Brigitte Bardot, und Birkin war mit dem Regisseur John Barry verheiratet, mit dem sie einen Tochter hat.

Nacktrolle in Antonioni-Kultfilm "Blow up"

Aufgefallen war die androgyne Schönheit mit der charakteristischen Zahnlücke bis dahin nur durch eine Nacktrolle in Michelangelo Antonionis Kultfilm "Blow Up". Zwischen ihr und Gainsbourg soll es anfangs ordentlich gekracht haben: Mit seiner raubeinigen Art brachte der Chansonier die verängstigte, knapp 20-Jährige vor laufender Kamera zum Weinen. Doch schon bald darauf begann die mythische Liebesgeschichte eines unzertrennlichen Paars.

Endgültig in die Schlagzeilen geriet die Amour fou 1969 mit dem legendären provokanten Duett "Je t’aime moi non plus", dessen unverhohlene Erotik für eine Million Verkäufe innerhalb weniger Monate sorgte. Birkin und Gainsbourg erschienen auf den Titelseiten sämtlicher Magazine und hatten jede Menge Spaß. Noch heute weist Birkin mit einem Augenzwinkern das Gerücht zurück, "Je t’aime" sei unter dem Bett des Glamour-Paars aufgenommen worden, und betont, die Aufnahme sei ganz anständig in einem Pariser Studio vor sich gegangen.

Gainsbourg widmete noch sein letztes Werk seiner Muse

Nach der Geburt von Tochter Charlotte 1971 zog sich Birkin für zwei Jahre zurück. Zehn Jahre später verließ sie Gainsbourg für den Regisseur Jacques Doillon, von dem sie zu der Zeit im sechsten Monat schwanger war. Der Liedermacher konnte die Trennung nie wirklich verkraften und widmete Birkin noch 1990 sein letztes Album "Amour des Feintes".

Fans drängten Birkin immer wieder, doch noch einmal Lieder von Gainsbourg aufzunehmen. Dem gab sie erstmals 1996 mit dem Album "Versions Jane" nach, auf dem die unterschiedlichsten Künstler 15 Stücke aus Gainsbourgs Jugendtagen neu bearbeiteten. Doch erst im vergangenen Jahr wagte sie sich wieder an Songs, die der Liebhaber einst für sie schrieb, wie "Les dessous chics" und "Valse de Melody".

Jane Birkin stellt "Arabesque" in den kommenden Wochen auf einer Deutschland-Tournee vor: 26.06. Düsseldorf (Robert-Schumann-Saal), 27.06. Berlin (Kammermusiksaal), 28.06. Hamburg (Musikhalle), 29.06. Mainz (Frankfurter Hof), 01.07. München (Muffathalle), 02.07. St. Louis (Stimmen-Festival Lörrach), 03.07. Erlangen (Festival) und 04.07. Karlsruhe (Tollhaus).

Michaela Pieler