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Interview mit LaFee: "Amy Winehouse hat sich ihr Grab selbst geschaufelt"

LaFee kennt das Popbusiness, seit sie 15 ist. Und sie ist wütend über den Umgang mit dem Ende von Amy Winehouse. Die Sängerin sei "selbst Schuld" an ihrem Tod, sagte sie stern.de.

Von Sophie Albers

Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie vom Tod der Amy Winehouse erfahren haben?
Ich war natürlich geschockt. Amy Winehouse war eine grandiose Künstlerin. Aber ganz ehrlich - und jetzt bin ich so ehrlich wie sonst kaum jemand: selbst schuld. Sie hat sich ihr Grab selbst geschaufelt. Sie hätte sich nicht so zudröhnen müssen mit Drogen. So intelligent muss man schon sein, dass man um die Konsequenz weiß. Nun ist es halt so, dass sie sich bis in den Tod gekokst hat - oder was auch immer. Ich finde vor allem aber sehr schade, dass die Realität so verzogen wird. Klar ist der Tod von Amy Winehouse tragisch, aber die Leute vergessen darüber fast, was in Norwegen passiert ist. Da sind 77 Menschen ermordet worden. Amy Winehouse war eine Person, die Drogen genommen hat. Die hat sich das selbst angetan.

Sie klingen richtig wütend.
Bin ich auch. Alle reden von einer Sängerin, die sich zu Tode gekokst hat, anstatt von 77 Menschen, die von einem Psychopathen umgebracht wurden. Was ist denn wirklich wichtig? Alle sagen jetzt: "Aber Amy war doch ein Idol." Sie war genauso ein Mensch, der morgens aufs Klo geht wie die 77 in Norwegen.

Sie waren sehr jung, als Sie ins Business eingestiegen sind. Wurden Ihnen auch Drogen angeboten? Wie einfach war es, nein zu sagen?
Mir wurden einige Sachen angeboten. Aber ich hatte nie den Hang dazu, irgendetwas auszuprobieren.

Keine Neugier?
Nein, weil mich solche Sachen einfach nicht interessieren. Und auch weil meine Eltern und mein Management mich ganz früh darauf aufmerksam gemacht haben. "Pass auf, es wird Leute geben, die dir was anbieten, was nicht gut ist. Natürlich hast du die freie Entscheidung, Ja oder Nein zu sagen, denn wir sind nicht 24 Stunden am Tag an deiner Seite." Aber die haben auch auf meine Intelligenz vertraut. Dass ich nicht so dumm bin und sage: "Klar, probiere ich das doch mal aus, weil das ja anscheinend ganz cool ist."

Haben Sie unter Ihren Kollegen häufig Drogengebrauch mitbekommen?
Dass Leute um mich herum Drogen genommen haben, habe ich nie direkt gesehen. Aber ich weiß natürlich, dass viele Leute Drogen nehmen.

Ihr Management hat Sie also von Anfang an zu beschützen versucht?
Die haben mich definitiv darauf aufmerksam gemacht, wie es laufen kann, wenn ich es will, und wie es auch laufen kann, wenn ich es nicht will. Das war schon sehr gut. Aber letztlich kann jeder sagen, was er will: Wenn du Drogen nehmen willst, dann nimmst du Drogen. Irgendwann bist du allein, hast eine schwache Minute, in der du nicht weiter weißt, bist labil, und dann ist so etwas ganz schnell passiert.

Es heißt auch, der Druck der Industrie habe Anteil am Tode von Amy Winehouse. Haben Sie je solchen Druck gespürt?
Bevor ich auf die Frage eingehe, muss ich noch etwas anderes sagen: Natürlich steht bei diesem Job deine Persönlichkeit im Vordergrund. Aber was die Leute häufig vergessen ist, dass es auf den Background ankommt! Wenn du keine Familie hast, die hinter dir steht, wenn das Verhältnis zerrüttet ist, wenn irgendetwas nicht stimmt - sei es, dass dein Vater am Erfolg teilhaben will oder die Familie ans Geld will - dann, glaube ich, ist die Weiche schon gestellt, dass es irgendwann sein kann, dass dir so etwas passiert. Deshalb bin ich sehr dankbar für meine Familie. Die ist mein Nest! Das ist die Basis. Und zum Druck: Natürlich wird in der Industrie unglaublich viel Druck ausgeübt. Und bei einer Amy Winehouse wahrscheinlich noch viel mehr als bei mir. Aber so ist das halt in dem Business. Es werden Sachen von dir erwartet. Du setzt dich als Künstler selbst unter Leistungsdruck und willst liefern. Aber ich denke, man ist sich dessen bewusst, wenn man ins Business einsteigt.

Wollen Sie damit sagen, Sie waren sich dessen mit 15 wirklich bewusst?
Mir wurde gesagt, worauf ich mich einlasse. Dass es definitiv härtere Zeiten für mich geben wird, aber auch Zeiten, in denen es okay ist. Von allein weißt du das mit 15 natürlich nicht, und da, muss ich sagen, hat mein Management einfach einen wahnsinnig guten Job gemacht: "Pass auf Mädchen, du bist 15. Halt die Augen offen." Ich wurde wirklich auf jedes noch so kleine Detail aufmerksam gemacht.

Wie sehen Sie den Einfluss der Presse auf einen Künstler? Die Winehouse-Abstürze wurden immer gut dokumentiert.
Du als Mensch entscheidest über dein Leben! Und du als Mensch, der in der Öffentlichkeit tätig ist, weißt doch ganz genau, dass die Leute nur ihren Job machen und teilweise auch Schlagzeilen bringen müssen, weil sie sonst ihren Job verlieren. Das ist ein Spiel! Dessen muss man sich bewusst sein. Und ich glaube, das war Amy Winehouse sich auch. Sicher hat die Presse sie auch genervt, aber gemäß dem, was ich in den letzten Tagen gehört habe, hat es sie ziemlich kalt gelassen. Es war ihr scheißegal, was die Leute schreiben.

Haben Sie sich je bedroht gefühlt von der Presse?
Natürlich gibt es Momente, in denen denkt man "Ups, jetzt wird es aber zu nah." Aber es kommt immer darauf an, wie nah du die Leute an dich heran lässt. Wenn du dich morgens nach dem Aufstehen auf den Balkon stellst, dann weißt du, ob dein BH unter oder über deiner Brust sitzt. Das ist schon ganz genau geplant. Da passiert nichts mal eben so.

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