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Jasmin Wagner zur Anti-"DSDS"-Kampagne: "Blümchen macht das schon ganz gut"

Mit ihrem 14 Jahre alten Song "Boomerang" soll Jasmin Wagner alias Blümchen den "DSDS"-Gewinner Mehrzad Marashi vom ersten Platz der Charts fernhalten. Im Interview mit stern.de verrät die Sängerin, warum sie das gern tut.

Von Alexander Kühn

Frau Wagner, Sie scheinen einen verdammt guten PR-Berater zu haben. Auf die Idee, mit einem 14 Jahre alten Lied noch mal für Gesprächsstoff zu sorgen, muss man erst mal kommen.
Au weia! Sie glauben, mein Management habe sich diese Aktion ausgedacht?

Der Verdacht liegt nahe.


Den Mut hätten wir nie gehabt. Wenn es so einfach wäre, einen Platz in den Charts zu ergattern, würden wir ständig alte Lieder von mir auf den Markt werfen. Ich kann ehrlichen Herzens sagen: Wir wussten davon nichts. Ich bin überrascht, was da gerade passiert.

Folgendes passiert: Im Internet kursiert ein Aufruf, das Lied "Boomerang" herunterzuladen, Ihre Hit-Single von 1996, als Sie sich noch Blümchen nannten. So soll verhindert werden, dass der gerade gekürte Sieger von "Deutschland sucht den Superstar" den ersten Platz der Charts erobert.


Vorbild war offenbar eine Aktion in England. Dort wurde dazu aufgerufen, ein Lied von Rage Against the Machine zu kaufen, um dem Sieger der Casting-Show "The X Factor" eins auszuwischen. Die haben es tatsächlich geschafft, ihn vom Thron zu stoßen.

Das alles geschieht pünktlich zu Ihrem 30. Geburtstag und zum 15. Jahrestag Ihres ersten Auftritts als Blümchen. Na, wenn das kein geschickter Marketing-Schachzug ist!


Ich weiß wirklich nicht, wer sich diese Kampagne ausgedacht hat. Die Person hat sich bislang nicht bei mir gemeldet. Ich würde die ganze Initiative auch unterstützen, wenn es sich nicht um ein Lied von mir handeln würde - ich liebe diese Form von zivilem Ungehorsam. Unverhofft zur Pressesprecherin der "Boomerang"-Bewegung geworden, ich fühle mich wie im Wahlkampf.

Wäre kultig gewesen, mit einem Lied von Roy Black in den Dowlandkrieg zu ziehen. Oder Heino. Oder, hossa, hossa, Rex Gildo. Warum ausgerechnet Blümchen?


Manches im Leben entscheidet der Zufallsgenerator. Offenbar mag er Blümchen. Man hört ja, dass die 90er Jahre wieder im Kommen sind. Ich habe jetzt nicht vor, meine eigenen Platten zu remixen, wie manche Künstler von damals das tun, sonst wäre der ganze Charme dieser Aktion dahin. Allerdings will meine alte Plattenfirma jetzt die "Boomerang"-Single wieder auf den Markt bringen.

Blümchen als Trittbrettfahrerin von "DSDS"?


Ich hoffe, dass man das anders wahrnimmt. Es geht ja darum, ein Gegengewicht zu "DSDS" herzustellen. Viele Stimmen tun sich zusammen und finden plötzlich Gehör. Wenn ich da als Galionsfigur dienen darf, herzlich gern.

Beim Musikvertrieb iTunes belegen Sie zurzeit Platz zwei, Mehrzad ist auf eins.


Aber das ist doch phänomenal! Man muss sich vorstellen, diese Mobilisierung ist innerhalb weniger Wochen entstanden. Dem gegenüber steht die gesamte Macht von RTL, Deutschlands stärkstem privaten Fernsehsender. David gegen Goliath!

Blümchen - das war Plastikpop, neonfarben, plüschig, mit dicker Schminke...


... schuldig im Sinne der Anklage!

In den vergangenen Jahren haben Sie sich bemüht, dieses Image loszuwerden. Jetzt reden wieder alle von Blümchen anstatt von Jasmin Wagner.


Ich arbeite ja vorwiegend als Schauspielerin. Das ist eine Tätigkeit fern der Omnipräsenz eines Teeniestars. Aber wenn ich Theaterpremiere hab, berichten die Zeitungen auch, so ist es ja nicht. Ob das die "Männerbeschaffungsmaßnahmen" an den Hamburger Kammerspielen sind oder die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen, wo ich im vergangenen Sommer als Esmeralda im "Glöckner von Notre Dame" auf der Bühne stand.

Und jetzt, in diesen Tagen, sind Sie wieder Blümchen


Definitiv nicht. Ich bin eine erwachsene Sängerin und Schauspielerin, die als Teenager den Künstlernamen Blümchen hatte. Die Popstar-Attitüde habe ich abgelegt. Heute rufe ich nicht mehr in die Menge: "Seid ihr gut drauf? Wo sind eure Hände?"

Haben Sie das Gefühl, über eine fremde Person zu reden, wenn es um Blümchen geht?


Ich bin eng mit Blümchen verbunden, es waren prägende Jahre. Mir ist klar, dass ich nicht auf der Bühne stünde, wenn ich nicht als 15-Jährige "Herz an Herz" gesungen hätte. Aber wer mir heute die Hände schüttelt, kommt nicht auf die Idee, mich Blümchen zu nennen. Da steht eine Frau, die eine ganz andere Ausdrucksform gefunden hat.

Neidisch auf Blümchens Erfolg?


Sie macht das schon ganz gut. Auf jeden Fall hat sie, was Plattenverkäufe angeht, die Nase vorn. Aber die Kritiken, die Jasmin Wagner für ihre letzte Platte bekommen hat, gefallen mir schon besser.