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Jazz-Album "At The End Of The Day": Till Brönners Kernkompetenz: Die Trompete

In letzter Zeit war Till Brönner eher als Juror der Castingshow "X Factor" denn als Musiker unterwegs. Nun hat er ein neues Album vorgelegt. "At The End Of The Day" beweist: Brönners Ein und Alles bleibt der Jazz.

Till Brönner meldet sich musikalisch zurück. Am ist Freitag sein neues Album "At The End Of The Day" erschienen. Der 39-Jährige unternimmt dabei einen Streifzug durch die Geschichte der Pop-Musik. Dabei spielt er nicht nur Trompete, sondern singt auch, doch die Trompete bleibe seine "Kernkompetenz". Für seine persönliche Auswahl, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, hat er sich gefragt, welche Musik nach vielen Jahren "unterm Strich" noch übrig bleibt.

Es gab ja immer Jazzmusiker, die Pop-Songs als Grundlage benutzt haben. So wie gerade Herbie Hancock mit seinem "Imagine Project". Sind Sie ein Brückenbauer zwischen Jazz und Pop?

Brönner: "Es ist meine musikalische Sprache und es ist - das merkt man meines Erachtens auch bei Herbie Hancock - ein Vehikel, das Freiheit spendet. Freiheit, die einerseits im Jazz immer vorhanden war, und wofür der Jazz auch steht: die Improvisation und die Möglichkeit, musikalische Normen infrage zu stellen und zu verändern. Andererseits ist es die Freiheit, musikalische Errungenschaften der Gegenwart verfremden zu können, aber es nicht tun zu müssen. Man hört einem Musiker an, welche Möglichkeiten er hätte, auch wenn er sie nicht immer einsetzt. Deshalb interessiert mich die Interpretation eines Popsongs von Herbie Hancock vielleicht viel mehr als die eines anderen Musikers."

Nach welchen Kriterien haben Sie die Stücke ausgesucht? War es Zufallsprinzip - oder eine Liste in Ihrem Kopf?

Brönner: "Bei diesem Album habe ich mich gefragt, was "At The End Of The Day" ­ also unterm Strich ­ übrig bleibt. Welche Musik würde ich hören, wenn ich nur noch einen Tag Musik hören dürfte? Um herauszufinden, welche Stücke die Qualität haben, zu Klassikern zu werden, dauert es oft eine Weile. Teils bin ich in der Musikliteratur Jahrhunderte beziehungsweise Jahrzehnte zurückgegangen und bei Künstlern wie Bach und Bowie gelandet. Mit "Human" von den Killers stelle ich eine These auf: Ich glaube, der Song hat das Zeug zum Klassiker."

Sie sind nicht nur Deutschlands wohl bekanntester Jazzmusiker, Sie sind auch noch Fernsehjuror und Musikprofessor. Was zählt für Sie persönlich am Ende des Tages, "At The End Of The Day"?

Brönner: "In erster Linie bin und bleibe ich Trompeter und Musiker. Alle anderen - zur Zeit doch sehr zeitintensiven - Aktivitäten sind Nebenschauplätze. Wüsste ich nicht, dass sie mein Musikerleben positiv beeinflussen, hätte ich damit sicherlich meine Probleme. Das Schönste ist für mich nach wie vor, am Ende des Tages Trompete zu spielen, um den Kontakt zu mir und der Basis nicht zu verlieren. Auch aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, als Professor für Trompete an der Musikhochschule in Dresden tätig zu werden."

Johannes Wagemann, DPA / DPA