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Konzert von Led Zeppelin: Die Reunion der Rock-Rentner

Der Reunion-Reigen geht weiter: Led Zeppelin sind 27 Jahre nach ihrer Auflösung für ein Konzert in London auf die Bühne zurückgekehrt. Ob Hype oder Nostalgie - um die knapp 20.000 Karten hatten sich weltweit fast 20 Millionen Fans beworben.

Zwischen Berlin und London können schon mal 27 Jahre liegen. 1980 spielte Led Zeppelin in der Berliner Eissporthalle ihr letztes Konzert. In der Nacht zum Dienstag gingen die Superrocker in Londons O2-Arena zum ersten Mal wieder für eine große Live-Show auf die Bühne. Und sofort machten sie klar: Die Legende Led Zeppelin lebt - lauter und kräftiger denn je.

Nach ihrer mehr als zweistündigen Reunion-Show, die überzeugender kaum hätte ausfallen können, fragen sich Fans, ob es wirklich bei diesem einen Auftritt bleiben wird. Die "Times" - begeistert wie alle britischen Medien - gab die Antwort so: "Jetzt aufzuhören, wäre ein Akt kosmischer Perversität."

Kosmisch ist ein passendes Wort für die Klangdimension, mit der Led Zeppelin die rund 20.000 Fans in der O2-Arena an der Themse mehr als zwei Stunden lang in ihren Bann zog - von "Good Times, Bad Times" über Superhits wie "Dazed And Confused" und "Kashmir" bis zur einst als skandalös geltenden Rockhymne auf den kaum noch zu bremsenden Sexualtrieb "Whole Lotta Love".

Beats von Bonham Junior

Sicher, die Tanzeinlagen von einst fehlten. Auch die knallengen Hosen, die offenen Hemden, die schwülen Gesten. Dafür wirkten die "Zeps" nach ein paar kurzen Irritationen - die Stimme von Leadsänger Robert Plant (59) und die Gitarre von Jimmy Page (63) mussten erst richtig zueinander finden - härter und zugleich auch gelassener. Für die Härte sorgte maßgeblich Jason Bonham. Der 41-jährige Sohn des legendären Zeppelin-Drummers John, der sich 1980 mit Wodka das Leben nahm, brachte mit ebenso passgenauen wie wuchtigen Schlägen die Arena zum Dröhnen.

Gelassenheit, die auf höchster Professionalität beruht, brachte vor allem Jimmy Page in die Show: Mit seiner alles beherrschenden Gibson-Gitarre zwang er Plant, Bonham und den Bassisten John Paul Jones (61) immer wieder zu einem zurückhaltenden Tempo - nur damit der Zeppelin dann um so lauter und aufbrausender explodieren konnte. Manche Bands werden mit dem Alter ihrer Musiker schneller. So lässt sich Dynamik vortäuschen, und Fehler lassen sich übertünchen. Die "Zeps" hatten das auch bei einem vereinten Alter der drei Gründungsmitglieder von nunmehr 183 Jahren einfach nicht nötig.

Rekordpreise für Karten

So konnten die Fans jeden Ton auskosten - auch wenn dabei nach ruhigeren Sequenzen plötzlich wieder die Ohren wegzufliegen drohten. Immer noch, so war von Jimmy Page zu hören, habe er Lampenfieber. Nach wie vor ist es unnötig. Vor allem ihm verdankt die Fanwelt das Reunion-Konzert, das es sicherlich in absehbarer Zeit auf CD und DVD geben wird - für alle jene der 20 Millionen, die sich im Internet um Karten bemüht, aber kein Glück hatten.

Anders als Robert Plant, der etliche eigene Projekte verfolgt, lebt Page noch sehr stark in der Welt jener Band, die er ganz maßgeblich 1968 aus der Asche von The Yardbirds formte und auferstehen ließ. "Ihr werdet abstürzen wie ein Zeppelin aus Blei", hatte damals The-Who-Drummer Keith Moon orakelt. Das empfanden Jimmy, Robert, John und John Paul so sehr als Herausforderung, dass sie sich tatsächlich den Namen des einst von Ferdinand Graf von Zeppelin gebauten Luftschiffs gaben.

Wie wunderbar es noch aufsteigen kann, demonstrierte auch Robert Plant mit seiner immer noch erstaunlich flexiblen Stimme. Bei einer Probe hatte er gestöhnt: "Wie soll ich mit fast 60 singen, als wäre ich noch 20?" Wer nur zuhörte und wegschaute von der Videowand, auf der die Stars im Riesenformat samt Falten zu sehen waren, konnte glauben, wir schreiben das Jahr 1971, als "Led Zeppelin IV" in die Plattenläden kam - jene LP mit dem bis heute wohl berühmtesten und einflussreichsten Song der Band: "Stairway To Heaven". Denn irgendwie fühlte man sich in dieser Dezembernacht des Jahres 2007 in London, als schaute man die Treppe zum Himmel hinauf, zum Rockerhimmel freilich.

Thomas Burmeister/DPA / DPA