HOME

Lambchop: "Is a Woman": Herbstliche Milde aus Nashville

Auf ihrem neuen Album "Is A Woman" besticht die amerikanische Band Lambchop mit einer opulent arrangierten, komplexen Musik, die völlig leicht daherkommt.

Von Carsten Heidböhmer

So viele Musiker waren an der Entstehung des Albums beteiligt

So viele Musiker waren an der Entstehung des Albums beteiligt

Nashville, Tennessee: In der Hauptstadt der Country-Musik haben fast alle Größen von Hank Williams bis Johnny Cash Platten aufgenommen. Auch Lambchop produziert hier ihre Alben. 1995 als Country-Band gestartet, hat sich die amerikanische Formation seither kontinuierlich anderen musikalischen Einflüssen geöffnet. So fanden sich auf ihren letzten Alben verstärkt Gospel- und Soul-Einflüsse wieder. Mit "Nixon" gelang 2000 der kommerzielle Durchbruch.

Seither hat sich einiges geändert: Der Songwriter und musikalische Kopf der Gruppe, Kurt Wagner, hat seinen Job als Holzfußbodenverleger an den Nagel gehängt, um sich ganz der Musik widmen zu können. Die neu gewonnene Freiheit hat Wagner offensichtlich zu viel Muße und Reflexion genutzt. Das gerade erschienene sechste Album "Is A Woman" klingt ausgeruht und abgerundet wie lange keine Platte mehr. Lambchop ist nicht weniger als ein kleines Meisterwerk gelungen.

Lambchop: "Is a Woman"

"Is A Woman", das neue Album der amerikanischen Band Lambchop

Schwerelose Opulenz

Die früher klar erkennbaren Soul- und Country-Einflüsse sind hier so dicht in die musikalische Textur eingewoben, dass sie völlig im organischen Ganzen aufgehen. Der Klang ist sehr übersichtlich: im Vordergrund Klavier, dahinter akustische Gitarre, Bass und ein dezent eingesetztes Schlagzeug; über allem liegt die ausgeruhte Stimme Wagners. Tatsächlich steckt die Arbeit von mehr als zehn Bandmitgliedern in dieser Platte, und genau hierin liegt die Kunst: Was auf den ersten Blick einfach erscheint, erweist sich beim genaueren Hören als liebevoll konstruiert und durchdacht. Eine orchestrale Opulenz, die als Kammermusik getarnt daherkommt.

Die getragene Stimmung auf dem Album ist keineswegs zu verwechseln mit Düsternis und Depression. Hier stellt keine geschundene Seele sein Innenleben zur Schau, vielmehr stecken jede Menge Weisheit und Gedanken in der Musik. Die herbstliche Milde, die über dem Album liegt, mündet im letzten Song in einen Reggae, der noch einmal den Sommer aufglühen lässt und den Hörer mit guten Schwingungen verabschiedet. Ganz wie ein guter Wein, der einem den Geschmack von sonnengereiften Trauben ins heimische Wohnzimmer bringt. Definitiv eine Platte für Genießer! Wer dagegen den schnellen Hit sucht, wird hier wenig Freude haben.

Themen in diesem Artikel