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Musical: Ein Hoch auf Ludwig²

In Bayern ticken die Uhren anders. Kein Broadway-Import, sondern Musik von Konstantin Wecker gibt im neuen Musical Ludwig² den Ton an. Sie setzt den Rahmen für den Märchenkönig, der Opfer eines Mordkomplotts wird.

Von Jens Maier

Endlich! "Ludwig²" macht Schluss mit dem Import von Musical-Produktionen aus den USA und Großbritannien. Mit Musik von Christopher Franke und Konstantin Wecker wagen die Bayern zwei Jahre nach der Pleite des ersten Ludwig-Musicals einen neuen Anlauf. Am 11. März feierte "Ludwig²" im Festspielhaus Neuschwanstein Premiere.

Und diesmal bekommen die Zuschauer einen ganz anderen König Ludwig II. zu sehen: kein drogenabhängiger Taugenichts - unfähig zu regieren - sondern einen Visionär, der Opfer eines Komplotts seiner Regierung wird. Die Macher bedienen sich dabei einer Verschwörungstheorie, die auch unter Historikern immer mehr Zuspruch findet. Demnach ist der bayrische König nicht durch Selbstmord im Starnberger See ertrunken, sondern wurde am Ufer des Sees erschossen.

Der Darsteller hingegen ist der alte geblieben. Mit Jan Amman in der Hauptrolle wurde der gleiche Künstler verpflichtet, wie bereits in der ersten Produktion. Und wiederum ist er es, der es gekonnt versteht, die Bühnenfigur mit glasklarer Stimme glanzvoll in Szene zu setzen. Dank Amman bekommen die Zuschauer einen schönen König, mit perfekt sitzender Dauerwelle und sympathischem Lächeln. Und wenn Amman mit Zepter und Ornat zur Krönung schreitet, hat er nicht nur die Frauenherzen im Publikum gebrochen. Dass neben dem optischen auch der Hörgenuss nicht zu kurz kommt, stellt der gebürtige Westfale spätestens mit dem Solo "Mein Engel höre meinen Schwur" am Ende des ersten Aktes unter Beweis.

Jan Amman ist es auch, der darüber hinwegtröstet, dass der Rotstift die Produktion in weiten Teilen mitbestimmt hat. Offenbar haben die Investoren rund um den Füssener Fleischfabrikanten Günter Döbler aus der Pleite ihrer Vorgänger gelernt. Bühnenbild und Ausstattung fallen dieses Mal eine Nummer kleiner aus. Lichtprojektionen ersetzen gekonnt das Szenenbild. Einzig die Mini-Besetzung des Orchesters ist inakzeptabel. Nur eine kleine Schar Musiker spielt live, der Rest ist vorproduziert.

Da die Musik in weiten Teilen eher an eine Oper als an ein Musical erinnert, ist diese Sparmaßnahme umso unverständlicher. Erfrischend hingegen, dass dank Arrangeur Nic Raine das Schlagzeug endlich wieder aus einem Musical verbannt wurde. Stattdessen kommen Geigen und kräftige Fanfaren zum Einsatz.

Wenig gespart wurde hingegen an der Premierenbesetzung. Mit André Eisermann und Christine Kaufmann konnten zwei namhafte Bühnenschauspieler als Gäste gewonnen werden. Eisermann beeindruckt als Ludwigs Bruder Otto, der von Kriegsfolgen gezeichnet dem Wahnsinn verfällt. Die Darstellung Eisermanns ist so realistisch, dass man ihm den Wahnsinn sofort abkauft. Nur deshalb ist es zu tolerieren, dass er im zweiten Akt mit einer mäßigen Stimme zu singen anfängt. Christine Kaufmann schwebt zwei Mal als "Engel der Geschichte ein" und erspart dem Zuschauer zum Glück Gesang. Und wüsste man nicht, dass sie es ist, man würde den Engel mit der glockenklaren und präsenten Stimme glatt sympathisch finden.

Es ist den Machern in Füssen zu wünschen, dass Ludwig² mehr Erfolg beschieden ist als dem ersten Ludwig-Musical. Schließlich hält es im sonst von Broadway-Musicals dominierten Deutschland als eines der wenigen die einheimische Flagge hoch und das ausgerechnet im als provinziell geltenden Füssen. König Ludwig II. hätte dies sicher gefallen.

Hörprobe:

Die Krönung - Die Krönung (Modem)