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Kanzlerin besucht bayerisches Kabinett Im Zeichen der K-Frage: Merkels Besuch auf Söders Märcheninsel

Sehen Sie im Video: Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht das bayerische Kabinett auf Herrenchiemsee. Wie Markus Söder sagt, ist es nach seinen Recherchen das erste Mal, dass ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin zu Besuch in einem bayerischen Kabinett ist. Mit dem Schiff ging es am Dienstag bei bestem Wetter von Prien am Chiemsee rauf auf die Insel Herrenchiemsee. Von dort aus fuhren die beiden mit der Kutsche zum Neuen Schloss. Hier traf die Kanzlerin dann die Kabinettsmitglieder der Landesregierung. Söder: "Du hast jetzt ja sozusagen Montag, heute und gestern viele Südländer bei dir gehabt, ja, gestern Italien, heute Abend Spanien, heute uns noch dazwischen. Also drei Südländer." Thema in der Kabinettssitzung war Deutschlands turnusgemäße Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union. Nach dem Gespräch sagte Söder: "Es war eine echt spannende Diskussion. Es waren tiefe Einblicke, ein sehr ehrlicher, sehr weitreichender und sehr offener Meinungsaustausch mit einer nahezu ganz großen Übereinstimmung, wenn ich das sagen darf." So pompös wurde die Kanzlerin in Bayern selten empfangen. So einig waren sich die Unionsschwestern lange nicht mehr, auch was die Zukunft der Europäischen Union angeht. "Wir haben gelernt, dass pandemische Prozesse nichts anders sind als die Globalisierung. Und dass Globalisierung nur mit einem starken Europa geht. Und wir haben auch glaube ich gespürt, dass allein der Rückzug in die nationale Nische auch von unserem kulturellen Werte-Verständnis nicht die Antwort für die Zukunft sein kann." "Und das, was für uns selbstverständlich war, zum Beispiel, dass die Vereinigten Staaten die Europäische Union mit beschützen. Das ist nicht mehr so selbstverständlich, das verändert sich. Und darauf müssen wir die geeigneten Antworten finden. Und diese Antwort kann nicht das Handeln jedes Nationalstaats einzeln sein." Laut einer Forsa-Umfrage wünscht sich die Mehrheit der Bundesbürger CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten der Union. Demnach würden das 52 Prozent begrüßen. Wen Merkel als ihren Nachfolger sieht, ist für manche bereits klar. (Frage eines Journalisten) "Planen Sie eine ähnliche Veranstaltung mit dem Kabinett in Nordrhein-Westfalen, eine Schifffahrt mit Norbert Röttgen, eine Kutschfahrt mit Friedrich Merz? Oder ist es heute schon etwas ganz Besonderes, das nur die Bayern so erleben werden?" "Ich habe jedenfalls immer gesagt, jetzt auch im Vorfeld dieser Einladung, wenn ich von anderen Kabinetten eingeladen werde, also anderen Ministerpräsidenten, unabhängig davon, ob sie sich jetzt um den CDU-Vorsitz bewerben oder nicht, dann würde ich auch andere Kabinette in Deutschland selbstverständlich besuchen." Überdurchschnittlich beliebt ist Söder bei den über 60-Jährigen. Neben den Anhängern der Union gibt es auch bei SPD und AfD eine stärkere Zustimmung. Am besten regiert fühlen sich die Deutschen einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Kantar zufolge von Merkel (CDU), Söder (CSU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD).
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Perfekter lässt sich ein Kanzlerinnenbesuch kaum inszenieren. Bei Bilderbuchwetter sind Söder und Merkel auf Herrenchiemsee. Nicht nur wegen pompöser Bilder bleibt der eigentliche Anlass im Hintergrund.

Nein, ein Autogramm will Markus Söder auf keinen Fall. "Das gibt nur Ärger", ruft er am Dienstag aus sicherem Abstand den Besuchern zu, die sich um ein Schild mit der Aufschrift "Markus Söder Kanzlerkanditat? Ja" versammelt haben. Dabei dürfte ihn weniger der Rechtschreibfehler als die dann garantierten Schlagzeilen abgeschreckt haben. So sehr ihn die Spekulationen über eine mögliche Kanzlerkandidatur freuen: So weit will er an diesem Tag, als er auf Kanzlerin Angela Merkel wartet, dann doch nicht gehen. Und so belässt es Söder bei einem herzlichen Dank für die nette Geste.

Die kurze Szene am Landungssteg in Prien am Chiemsee zeigt einmal mehr, was das Phänomen Söder derzeit so auszeichnet: Wo immer er auch hinkommt, die Frage nach seiner politischen Zukunft ist schon da. Für Söder eine mehr als komfortable Situation, denn letztlich muss er kaum etwas tun - und trotzdem ist sein Name in aller Munde. "Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten, der hat mich heute eingeladen. Mehr werden Sie von mir dazu nicht hören", wird die Kanzlerin später sagen, als sie direkt nach einer Kanzlerkandidatur gefragt wird.

Markus Söder weiß um Macht der Bilder

Auch wegen der großen Beachtung, die Söder derzeit genießt, ist es kein normaler Termin an diesem sommerlichen Dienstag. Merkel ist zu Gast in Söders Kabinettssitzung - schon das allein ein ungewöhnlicher Vorgang. In all' ihren Jahren hatte sie das bisher nie getan. Gewiss, Deutschland hat nun die EU-Ratspräsidentschaft inne, und Merkel will der bayerischen Staatsregierung ihre Ziele darlegen. Aber dass sie deshalb extra einen Tag nach Bayern kommt? Er habe sie inmitten der Corona-Krise eingeladen, zu kommen, wenn sich die Lage entspannt habe, sagt Söder. Daraufhin habe sie dann recht spontan zugesagt.

Söder jedenfalls lässt das maximal Prunkvolle aus dem Termin herausholen: Er empfängt Merkel auf Schloss Herrenchiemsee, inklusive Dampfer-Schifffahrt, Kutschfahrt zum Schloss, Besuch einer Ausstellung zum Grundgesetz und Mittagessen im großen Spiegelsaal.

Natürlich, es geht um die Bilder. Und als Medienprofi wusste Söder auch vorab, welche Schlagzeilen das Ganze hergeben würde: Die Kanzlerin und ihr Kronprinz. Oder gleich andersherum: "Merkel zu Gast beim Kini". So nennen die Bayern ihren "Märchenkönig" Ludwig II. 

Sehen Sie im Video: Angela Merkel reagiert humorvoll auf Handyklingeln bei ihrer Pressekonferenz. Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt nach ihrem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte auf Schloss Meseberg am 13. Juli 2020 eine Pressekonferenz, als sie plötzlich etwas irritiert. Das Handy eines anwesenden Journalisten klingelt. Merkel reagiert darauf mit Humor: Sie nickt mit dem Kopf und sagt dann "Schöne Musik!". Als Stille herrscht, fährt sie mit ihrer Antwort souverän fort. Die Person mit dem klingelnden Handy dürfte jedenfalla stärker ins Schwitzen geraten sein als Merkel.
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Kein Wort mehr zum Krach über Migrationspolitik

Dass Söder und die CSU Merkel noch einmal derart hofieren würden, war nicht immer abzusehen. Viel war einst zu Bruch gegangen im Dauerkrach über die Migrationspolitik. Auch Söder hatte daran seinen Anteil - das erwähnt er nun aber nicht. Einladung und Besuch sehe er als "Signal für das Miteinander in der Krise", sagt Söder, und jetzt passe es auch noch zur wichtigen EU-Ratspräsidentschaft. Sein Blick geht nach vorne: "Es sind andere Zeiten, in denen wir andere Wege gehen müssen", sagt Söder. CDU und CSU müssten zusammenarbeiten.

Wie das aussehen kann, zeigten Merkel und Söder in den vergangenen Monaten, als sie die Republik zum Teil gemeinsam durch die Corona-Krise führen mussten. Im Koalitionsausschuss sowieso. Aber auch im Duo aus Kanzlerin und Chef der Ministerpräsidentenkonferenz. Und inhaltlich funktionierte dieses Duo: Merkel und Söder waren, trotz kleinerer Sticheleien in den anschließenden Pressekonferenzen, inhaltlich immer auf dem gleichen, extrem vorsichtigen Kurs.

Söder wird die K-Frage nicht los

Auch deshalb befeuert der sorgsam durchgetaktete Besuch auf Herrenchiemsee die Dauerdebatte über Merkels Nachfolge. Steigt am Ende, entgegen allen Beteuerungen, doch Söder in den Ring? Auch Merkel weiß genau, welches Echo ihr Besuch mit sich bringt. Sieht sie im neuen, auf Merkel-Mitte-Kurs eingeordneten Söder etwa doch einen Nachfolger? Selbst wenn dem so wäre, es bliebe wohl ein ewiges Geheimnis.

Die K-Frage begleitet Söder seit langem. Und seit langem antwortet er beständig: Sein Platz sei in Bayern. Für Aufregung sorgt er, wenn er, wie schon geschehen, einmal ein kleines Wörtchen einfügt und sagt: "Mein Platz ist gerade in Bayern." Aber was ist nächstes Jahr? 

Umfragen sind nur Momentaufnahmen

Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit mehr oder minder meilenweit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten, auch vor Armin Laschet und Friedrich Merz. Doch Söder weiß: Umfragen sind Momentaufnahmen. Auch all die, die die Union derzeit bei an die 40 Prozent sehen. Das habe man Merkels Corona-Krisenmanagement zu verdanken, sagt Söder.

Auch Söder weiß: Szenarien über seine Kanzlerkandidatur werden auch in der großen Schwesterpartei diskutiert. Doch am Ende bremsen Unions-Leute immer mit einem Argument: Es ist kaum wahrscheinlich, dass der im Dezember zu kürende neue CDU-Vorsitzende der CSU die Kanzlerkandidatur anträgt. Warum sollte die CDU das bei stabilen Umfragewerten machen? In der Vergangenheit stellte die CSU nur dann den Kanzlerkandidaten, wenn die CDU Probleme hatte. Andersherum aber: Sollten die Werte absacken und der Weg ins Kanzleramt nicht so gut wie sicher sein, wird Söder kaum antreten. Zu groß wäre sein Risiko, nur beschädigt aus der Sache herauszukommen.

Sehen Sie im Video: Bayerns Ministerpräsident Söder zu einer möglichen Lockerung der Maskenpflicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): "Es gibt überhaupt keinen Anlass nachzulassen. Ich verstehe, wenn der ein oder andere sich auf Urlaub freut, wenn der ein oder andere auch ermüdet ist, aber es gibt - und das kann man weltweit beobachten, überhaupt keine Alternative dazu, weiter umsichtig, vorsichtig zu sein. Lebensfreude und Vernunft sind ein Brüderpaar, ein Geschwisterpaar, die zusammengehen müssen. Deswegen ist für uns auch klar, dass wir auf keinen Fall die Maskenpflicht locker oder abschaffen werden. (SCHNITT) Wir machen uns schon Sorgen, wie das ganze weitergeht, wenn man sich anschaut wie jetzt in England die Pubs gestürmt werden, die Zahlen gehen überall etwas leicht nach oben, noch nicht bedrohlich, aber man muss dann aufpassen, dass es nicht sehr schnell gehen kann. Deswegen ist nach wie vor die einzige Strategie umfangreich testen, um schnell regionale Cluster zu ermitteln und dann Infektionsketten austrocknen zu können. (SCHNITT) Hinzu kommt übrigens noch, wir müssen aufpassen, dass wir nicht eine stärkere Spaltung der Gesellschaft bekommen, ich habe totales Verständnis, wenn junge Leute gern Party machen, das soll auch möglich sein. Aber auch bei Party kann man mit Vernunft machen, und wir müssen deswegen aufpassen, dass viele Ältere sich nicht zurückziehen aus dem öffentlichen Raum, weil sie in Unsicherheit sind. Was findet überhaupt noch statt, ob das Geschäfte sind, ob das der ÖPNV ist, und bevor wir nicht die endgültige Erfahrung haben, insbesondere mit dem Herbst, das wird ja unsere große Bewährungsprobe sein, was passiert nach dem Urlaub, wie geht es im Herbst weiter, so lange gelten die bisherigen Strategien weiter."
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Söder lässt sich alle Optionen offen

So ist es erklärlich, warum sich Söder verhält, wie er sich verhält: nichts zusagen, nichts ausschließen, alle Optionen offenhalten. Er hält die Preise für die CSU oben und festigt seine unionsinterne Machtstellung - auch in Berlin. Viele Monate vor der geplanten Kandidaten-Kür und mehr als ein Jahr vor dem Wahltermin ist zu viel unsicher. Wie geht es weiter mit der Corona-Krise, wie mit der Wirtschaft? Niemand weiß deshalb, wie sich die Umfragen entwickeln.

Während Söder mit Merkel werbewirksame Fotos produziert, nimmt einer der möglichen Konkurrenten ums Kanzleramt, Armin Laschet, offizielle Termine in Paris wahr. Dafür hat der NRW-Ministerpräsident extra für zwei Tage seinen Urlaub am Bodensee unterbrochen. Am Montag hatte er als einer der ersten deutschen Spitzenpolitiker bereits Mitglieder des neuen französischen Kabinetts getroffen. Am Dienstag nimmt Laschet zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, seinem Teampartner im Ringen um den CDU-Vorsitz, auf Einladung von Präsident Emmanuel Macron an einer Feier zum Nationalfeiertag in Paris teil.

Auch Kutschfahrten mit Laschet oder Merz geplant?

Die Laschet-Konkurrenten um den CDU-Vorsitz, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der wohl chancenlose Außenpolitiker Norbert Röttgen, können da derweil nicht mithalten - mit öffentlichen Auftritten müssen sie sich wegen der Corona-Pandemie zurückhalten. 

Und was ist mit Besuchen der Kanzlerin in anderen Kabinetten, also etwa bei Laschet in Düsseldorf? Merkel sagte dazu auf Nachfrage von Journalisten, ob sie auch Kutschfahrten mit Laschet oder Schiffstouren mit Friedrich Merz plane, nur, sie habe immer gesagt, dass sie auch Einladungen anderer Kabinette annehmen würde, wenn sie denn kämen. 

Wie wichtig ein mächtiger Unterstützer ist, bringt Merkel allen Anwesenden dann auch noch mal selbst in Erinnerung: Ohne den Erbauer von Schloss Herrenchiemsee, König Ludwig II., hätte selbst Richard Wagner "vielleicht manches nicht tun können, wenn er nicht einen Gönner gehabt hätte". Fragt sich nur, wessen Gönner Merkel sein will.

dho / Marco Hadem, Christoph Trost und Jörg Blank DPA

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