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Peter Fox: Von der Spree ins Haus am See

Er singt über wilde Großstadtnächte und die stille Sehnsucht nach Landidylle. Der Musiker Peter Fox hat damit den Nerv seiner Generation getroffen.

Von Hannes Roß

Manchmal geschehen selbst im Pop noch Wunder - und die Geschichte von Peter Fox ist so eines. Als in Berlin der Musikpreis Echo verliehen wurde, drohte der Abend zum jährlichen Klassentreffen der musikalischen Stillstandsverwalter zu werden: U2, die Toten Hosen oder die Scorpions. Bis ein schüchterner Mann mit rötlichen Bartstoppeln auftrat. Gleich drei Preise räumte der Berliner Musiker Peter Fox für sein Debütalbum "Stadtaffe" ab. Schon als sein Name bei den Nominierungen verlesen wurde, kreischte das Publikum.

Es war der zweite Triumph in kurzer Zeit. Der 37-Jährige mit französischen Wurzeln, der Pierre Baigorry heißt, sich aber Peter Fox nennt, "weil das einfach schnittiger klingt, wie ein Privatdetektiv aus Entenhausen", hatte vor zwei Wochen Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" gewonnen. Jetzt, fünf Monate nach der Veröffentlichung, thront die CD "Stadtaffe" an der Spitze der deutschen Charts. Vor Westernhagen, Grönemeyer und Coldplay. Peter Fox ist eine Pop-Sensation.

Spontane Gesichtslähmung

Wenn man ihm begegnet, dann fällt zunächst auf, dass er die Worte ein wenig verschluckt, als würde er ständig auf einem Kaugummi herumkauen. Es war am Morgen nach einem Konzert in Mannheim Ende 2001, als Peter Fox aufwachte und die Augen nicht mehr schließen konnte. Im Krankenhaus diagnostizierte ein Arzt eine spontane Gesichtslähmung, die nach ein paar Tagen von selbst verschwinden würde. Eine Fehldiagnose. Die halbseitige rechte Gesichtslähmung blieb. "Ich kann nicht mehr pfeifen, aber, mein Gott, mir fehlt kein Bein", sagt Fox lapidar. Er ist keiner, der zum Drama neigt.

Zu sprudeln beginnt er erst, wenn er über seine Musik spricht. "Filmmusik zum Tanzen", wie er es nennt. Tatsächlich klingen seine Songs, die von straff rhythmisierter Orchestermusik und HipHop-Beats angetrieben werden, wie der Soundtrack eines Films aus dem Berliner Nachtleben. Da pendelt der Erzähler zwischen Party-Hedonismus und Zukunftsangst hin und her, zwischen Freiheitsdrang und der Sehnsucht nach einem "Haus am See" und "20 Kindern". So treffend und leichtfüßig hat schon lange kein deutscher Musiker mehr die Psyche der deutschen Großstädter auf den Punkt gebracht.

Die Alternativen

"Natürlich steckt da eine Menge von mir drin", sagt Fox. "Ich bin selbst in einer heilen Familie aufgewachsen, meine Eltern sind immer noch zusammen." Die Feier ist zwar nicht vorbei, aber es wird Zeit, sich nach Alternativen umzusehen - darum drehen sich seine Texte. Fox hat eine vierjährige Tochter, die er morgens mit dem Fahrrad zum Kindergarten fährt. Danach verschwindet er meist in seinem Kreuzberger Tonstudio, um an seinen Songs zu feilen.

Als Junge spielte er im Schönower Posaunenchor. "Ich war der Typ am Waldhorn, ein extrem unfunkiges Instrument. War aber eine gute Schule, um etwas über Gruppenklang und Intonation zu lernen." Eine Ausbildung zum Klavierbauer fing er an, brach sie jedoch aus Langeweile wieder ab, um sich ganz der Musik zu widmen.

Die Produktionskosten für seine CD bezahlte Fox aus eigener Tasche: 170.000 Euro. Ein Haufen Geld, den er zuvor als Sänger bei der Reggae-Gruppe "Seeed" verdient hatte. Er engagierte das Babelsberger Filmorchester, und erst als die Aufnahmen abgeschlossen waren, bot er seiner Plattenfirma das Werk an. "Natürlich war das Risiko, aber ich wollte mein Ding machen, mir von niemandem reinreden lassen."

Dieser Mut hat sich ausgezahlt. Und seinem Traum von einem Haus am See ist Peter Fox damit auch ein gutes Stück näher gekommen.

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