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Peter Lohmeyer "Haltung zeigen, Haltung bewahren, offen sein"

Schauspieler Peter Lohmeyer liest die Hörbuch-Biografie von Johnny Cash
Schauspieler Peter Lohmeyer liest die Hörbuch-Biografie von Johnny Cash
© Andreas Schaefler
Ein Jahr nach dem Tod von Johnny Cash ist ein Hörbuch über den Musiker erschienen. Schauspieler Peter Lohmeyer erzählt das Leben der Country-Legende. Ein Gespräch über seine Verbindung zu Johnny Cash.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Stimme für das Hörbuch-Projekt zur Verfügung zu stellen?

Richard Weize. Es gibt in Europa wohl keinen besseren Spezialisten für Cash als ihn. Er kannte Johnny Cash und June Carter persönlich. Er kennt Kris Kristofferson, Mitgänger von Johnny Cash. Als er mich gefragt hat, habe ich gleich zugesagt, bin aber an die Sache mit großem Respekt herangegangen.

Haben Sie persönlich Verbindungen zu Johnny Cash?

Das kam über das erste "American Recordings"-Album 1994. Meine erste bewusste Begegnung war sein Auftritt in dem "Columbo"-Krimi. Das hat mich beeindruckt. Auch seine Haltung, dass er beispielsweise nie eingesehen hat, dass es überhaupt Gefängnisse gibt. Dieses Anarchistische. Die Person hat mich einfach interessiert.
Seit Jahren nimmt Johnny Cash einen festen Platz in meiner Plattensammlung ein. Viele von seinen älteren Sachen kannte ich vor dem Hörbuch-Projekt gar nicht.

Wieviel Cash steckt in Ihnen selbst?

Ich versuche auch, gerade zu sein. Ob das sein Glaube ist, ob das seine Haltung ist, die absolut angreifbar ist: Er ist eben eine zwiespältige Person, aber er stand immer hinter den Sachen, die er gemacht hat. Das versuche ich in meinem Beruf extrem.
Auch diese Risikofreudigkeit, zusammen mit Produzenten wie Rubin Neues auszuprobieren. Das passt zu dem Satz, der über meinem Bett steht: Wir sind viel zu viel damit beschäftigt, Fehler zu vermeiden, anstatt sie zu machen. Ob das dann hinterher Fehler sind, das stellt sich erst noch raus. Oder ob man an den Fehlern größer wird, daraus lernt.
Ich will nicht wie Cash der Anarchist neben dem Establishment sein, aber manchmal passiert es einfach, dass man aneckt, weil man ja seine Haltung hat. Haltung bewahren, Haltung zeigen, offen sein für neue Sachen: das ist so eine Art Parallele.

Sie spielen oft Rollen von Männern, die ihren eigenen Weg gehen und Probleme haben, Gefühle zu zeigen.

Diese Rollen haben natürlich einen bestimmten Charme. Ich entscheide mich aber nie für die Rolle, sondern immer zuerst für die Geschichte, die ich erzähle. Wenn die Geschichte wertvoll ist, dann spiele ich auch die Gegenfigur zum einsamen Cowboy. Solche Figuren sind aber natürlich immer spannend.

Country-Musik wird vornehmlich von Männern gehört. Frauen haben oft wenig Zugang zu dieser Musik. Woran könnte das liegen?

Vielleicht reden Frauen einfach weniger drüber. Ich habe im Laufe der Zeit vielfach festgestellt, dass Frauen ebenfalls gerne Cash hören. Sie posaunen das nur nicht so raus. Dass Männer sich da offen zu bekennen, liegt sicher auch an diesem Lonesome-Cowboy- oder Outlaw-Image. Wie sich Cash präsentiert, sieht zudem ein bisschen eitel aus, wenn er mit seinem schwarzen Mantel in der Wüste steht oder entlang einer Bahnschiene läuft. Da nehmen Frauen gerne Abstand von. Aber ich glaube schon, dass die Musik Frauen erreicht.

Was kann Cash heutigen Musikhörern mit auf den Weg geben?

Gerade durch seine letzten Platten mit Rick Rubin gibt es eine Verbindung zur heutigen Musik. Viele wissen ja nicht, dass Rick Rubin die Beastie Boys, HipHop und Hardrock produziert hat. Cash hat soviel überdauert und dabei nie seine eigene Linie verlassen. Er hat sich nicht angebiedert und nie verbogen.
Man könnte Cash auch gut in der Schule behandeln, wenn es um Amerika geht. Cash eignet sich dazu sehr gut: Man kann im zweiten Jahr Englisch alles verstehen, was er da singt. Er hat eine sehr klare Sprache. Sehr klare und sehr schöne Bilder.

Welches sind ihre Lieblingssongs von Cash?

"A Boy named Sue". "Don't take your guns to town". Auch das Duett mit Bob Dylan: "Girl from the North Country".

Sie treten demnächst im Rahmen der "Johnny Cash Commemoration Events" in mehreren Städten mit Musikern auf. Was haben wir da von Ihnen zu erwarten?

Wir nennen uns Hotel Rex. Da setz ich mich mit zwei Musikern zusammen, Nils Koppruch von der Gruppe Fink und Günter Märtens, der Bassist der Ulrich Tukur Band. Wir haben uns überlegt, welche Songs machen uns Spaß, was können wir in der Besetzung mit Bass, Gitarre und Vocals rüberbringen. Es geht uns aber nicht darum, Johnny Cash exakt nachzusingen.

Haben wir in Zukunft weitere musikalische Ausflüge von Ihnen zu erwarten?

Wenn ich Musik mache, dann muss es so viel mit mir zu tun haben, dass es glaubwürdig ist. Das kann man nicht von heute auf morgen machen und sagen: "Ich bin jetzt Musiker". Mit Hotel Rex gucken wir weiter, was man da machen kann. Entstanden ist die Gruppe bei einem Hank-Williams-Projekt in der Berliner Volksbühne. Da stand ich auf einmal auf der Bühne und musste singen. Das war cool. Solange uns das Spaß macht, und solange es Leute gibt, die uns zuhören, machen wir weiter. Es muss aber nicht immer die Country-Schiene sein. Hauptsache, man kann mit der Musik Geschichten erzählen.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Am 30. September kommt "Süperseks" ins Kino, ein Film über eine türkische Sex-Hotline, da spiele ich Porno-Schneider, eine kleine Rolle. Anfang Dezember kann man sich auf "Cowgirl" freuen, den neuen Film von Marc Schlichter, in dem ich von der wunderschönen Alexandra Maria Lara verlassen werde.


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