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Popkomm 2009: Popkomm-Absage als Protest gegen Internetpiraterie

Die Musikbranche sagt eine ihrer wichtigsten Messen ab: Die für September geplante Popkomm in Berlin fällt aus. Zu geringe Anmeldezahlen und die weitreichenden Folgen der Internetpiraterie seien die Gründe, so Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie.

Die Messe - einer der wichtigsten Treffs der Branche - war vom 16. bis 18. September geplant. Außer der Ausstellung wurden auch das geplante Festival und der Kongress abgesagt. Gorny betonte, dies sei als Aufforderung an die Politik zu werten, mehr gegen Internetpiraterie zu tun. Bereits im vergangenen Jahr war das Interesse an der Popkomm leicht zurückgegangen. Damals hatten 14.000 Fachbesucher (minus 1000) die Messe mit 843 Ausstellern (minus 43) besucht. Der Branchentreff ist seit 2004 in Berlin, davor fand er alljährlich in Köln statt.

Gorny zur offiziellen Absage: "Wir hätten aufgrund der Anmeldezahlen keine gute Popkomm hinbekommen. Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen. Die Großen können das noch wegstecken, die Kleinen aber nicht - und die sind mit 95 Prozent auf der Popkomm in der Mehrzahl."

Obwohl die Lage sich laut Gorny in den letzten Monaten in Deutschland wieder gefestigt habe, ist besonders das internationale Popbusiness in konjunkturelle Untiefen geraten. "Die Lage stabilisiert sich in Deutschland, weil wir stark auf die CD setzen. Es gibt aber eine weltweite Musikkrise wegen der ungeklärten Situation im Internet. Da der Anteil internationaler Firmen an der Popkomm bei rund 65 Prozent liegt, schlägt das voll auf die Popkomm durch."

Von einem endgültigen Aus für die traditionsreiche Popmesse kann jedoch nicht die Rede sein und auch der Standort Berlin sei nicht in Frage gestellt. Gorny weiter: "Es hat gar nichts mit Berlin zu tun, und auch nicht mit der Messe selbst. Wir wollen 2010 mit einer neuen und guten Popkomm in Berlin auftauchen."

ins/Gespräch: Rolf Westermann, dpa

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