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Roberto Blanco: Ein bisschen Spaß muss sein

Wo Roberto Blanco auftaucht, da muss zumindest ein bisschen Spaß sein, wie es in einem seiner Hits heißt. Auch wenn seine großen Erfolge Jahre zurückliegen, seine Popularität scheint ungebrochen. Jetzt feiert der Sänger seinen 70. Geburtstag.

Ich habe mich durchgeboxt

"Meine Hautfarbe hat mir sehr geholfen", hatte Roberto Blanco einmal in einem Interview betont. Aber nicht nur die dunkle Haut hat den in Tunis geborenen Sohn eines kubanischen Varietékünstlers aus der Riege der meist weißen Schlagersänger herausgehoben; es waren nach Meinung von Kollegen wie Ralph Siegel auch seine Stimme und sein Show-Talent. Er könne wirklich singen und so mit den Hüften wackeln, dass es einfach Freude mache, lobt der Münchner Musikproduzent. Doch was bis heute so fröhlich und animierend wirkt, hat sich Roberto Blanco nach eigenen Angaben hart erarbeitet. "Ich habe von der Pike auf gelernt und mich nach oben durchgeboxt", sagte der Entertainer einmal in einem Interview. "Und Lehrjahre sind ja nicht immer Herrenjahre."

Aufgegangen war Roberto Blancos Schlagerstern mit dem Lied "Jesebell", als er sich 1957 gegen 1800 Konkurrenten beim ARD- Wettbewerb "Dem Nachwuchs eine Chance" durchsetzte. Danach führte sein Weg in der leichten Muse steil nach oben. Mit dem Lied "Heute so, morgen so" gewann der vielsprachige und in Beirut und Madrid aufgewachsene Sänger 1969 die Deutschen Schlagerfestspiele. Unter dem Titel seines Siegerlieds startete Roberto Blanco seine erste Fernsehshow. Es folgten die Spielshow "Noten für zwei" und "Roberto - Ein Abend mit Roberto Blanco", für die sich 1982 rund 17 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher versammelten. Fast schon so etwas wie eine Lebensbeschreibung war die ARD-Show "Musik ist meine Welt".

Stimmungskanone für Schlagerfans

Auch wenn die großen eigenen Fernsehshows längst Vergangenheit sind, ist Roberto Blanco immer noch im Geschäft, vor allem wenn es um die größten Party-Hits beim "Festival des deutschen Schlagers" geht. Einen lang gehegten Wunsch erfüllte sich Roberto Blanco, als er mit der in seiner spanischen Muttersprache gesungenen und mit Musikern aus Südamerika aufgenommen LP "Por tu amor" zu seinen kulturellen und musikalischen Wurzeln zurückkehrte. Doch im Ohr der Schlagerfans werden letztlich vor allem Lieder bleiben wie "Der Puppenspieler von Mexiko", "Wo meine Sonne scheint" und natürlich "Ein bisschen Spaß muss sein" - so wie es Roberto Blanco, der außer seiner zwei inzwischen erwachsenen Töchtern auch einen unehelichen sechs Jahre alten Sohn hat, als Stimmungskanone auch immer auf der Bühne hält.

Ans Aufhören denkt Roberto Blanco nicht. Er sei "noch lange nicht so weit", sagte er vor kurzem in einem Zeitungsinterview. "Ich habe das Temperament wie vier 25-Jährige. Damit kann ich noch viel unternehmen." Zugleich bedauerte er seine jungen Kollegen, die es derzeit schwer hätten: "Es sind keine guten Zeiten für Sänger und Entertainer. Selbst Leute mit den tollsten Stimmen haben plötzlich keinen Vertrag mehr und bekommen kaum Chancen, sich zu entwickeln." Auch die wirtschaftliche Lage mache den Künstlern zu schaffen: "Früher gab es große Bälle mit großen Orchestern, Betriebsfeste, Weihnachtsfeiern. Doch um zu sparen, wollen jetzt viele Veranstalter oft nur noch Sänger ohne Orchester oder Orchester ohne Sänger, oder steigen gleich auf DJs um."

Hilmar Bahr/DPA / DPA
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