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Rolling Stones: "Mick Jagger soll in Rente gehen"

Frustration statt Satisfaction in Spanien: Nach den Eröffnungskonzerten haben die Rolling Stones nun auch die übrigen Konzerte der Europatournee abgesagt.

Die Rolling Stones haben mit der Absage von insgesamt vier Konzerten in Spanien ihre Anhänger in dem Land nachhaltig verärgert. Zehntausende Fans waren Hunderte von Kilometern gereist, um die legendäre Rockband zu erleben. Aber als sie ankamen, konnten sie nur noch mitansehen, wie die errichteten Bühnenanlagen wieder abgebaut wurden. "Ich liebe die Stones, aber ich habe den Eindruck, dass sie sich über uns lustig machen", meinte ein junger Fan aus dem Baskenland.

Dabei hatten Mick Jagger & Co es mit den Spaniern ursprünglich gut gemeint und ihre Europatournee "A Bigger Bang" im Mai in Barcelona und Madrid eröffnen wollen. Die Konzerte in den Metropolen mussten damals jedoch abgesagt werden, weil Gitarrist Keith Richards im Urlaub auf den Fidschi-Inseln einen Unfall hatte und sich am Kopf verletzte. Nun fielen wegen einer Kehlkopfentzündung des Sängers auch die beiden Auftritte aus, die die Stones für diese Woche in der spanischen Provinz geplant hatten. Das Konzert in Valladolid (nordwestlich von Madrid) wurde wenige Stunden vor dem geplanten Beginn abgesagt. Die Show in El Ejido (Südostspanien) werde aber "mit 100-prozentiger Sicherheit" stattfinden, versicherten die Veranstalter zunächst. Keine 24 Stunden sagten sie auch dieses Konzert ab.

Leidgeprüfte Rolling Stones-Fans

Die spanische Presse ging mit der Band hart ins Gericht. "Die Stones strecken Spanien die Zunge heraus", titelte die Zeitung "El Periódico" am Mittwoch. "El Mundo" empfahl der Band um den 63-jährigen Jagger, in Rente zu gehen: "Die Stones sollten sich von der Bühne verabschieden, ehe ihre leidgeprüften Fans genug von ihnen bekommen." Die Zeitung "La Voz de Galicia" warf den Musikern vor, sich bei ihrer Tour aus reiner Geldgier zu viel zugemutet zu haben.

Einige Spanier stellten gar die Erkrankung Jaggers in Frage. Die Zeitung "El País" bezeichnete die Kehlkopfentzündung als einen "Vorwand". Ein Fan, der vergeblich die Reise nach El Ejido unternommen hatte, äußerte den Verdacht: "Die Musiker wollen sich nur schonen, damit sie bei den anstehenden Konzerten in ihrer britischen Heimat in bester Form sind."

José María Rialt von der Veranstalterfirma Music Frog hielt den Verdächtigungen entgegen: "Auch ein Mick Jagger hat das Recht, mal krank zu werden." Allerdings scheint dies dem Frontman in Spanien besonders häufig zu widerfahren. In acht Jahren sagten die Stones in dem Land acht Konzerte ab, zumeist wegen Halsbeschwerden des Sängers.

El Ejido erlangt traurige Berühmtheit

Für die Stadt El Ejido bedeutete die Absage eine besonders herbe Enttäuschung. Bürgermeister Juan Enciso hatte 3,6 Millionen Euro investiert, um die Gruppe in die Stadt zu holen. Er wollte damit das Image des Orts aufpolieren, der vor sechs Jahren mit rassistisch motivierten Übergriffen auf Zuwanderer weltweit eine traurige Berühmtheit erlangt hatte. El Ejido gilt als "Europas Hauptstadt der Tomaten und Paprika". Die Stadt mit ihren 80.000 Einwohnern ist das Zentrum einer Gegend, in der unter Plastikplanen ein intensiver Gemüseanbau betrieben wird.

Hubert Kahl/DPA / DPA