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Ryan Adams: Unermüdlich und intensiv

Dieser Mann scheint nie zur Ruhe zu kommen: Nach zwei Veröffentlichungen in den vergangenen zwölf Monaten startet Ryan Adams das Jahr mit einem weiteren neuen Album. "29" hält das musikalische Niveau seiner Vorgänger - und steigert sogar die Intensität.

Irgendwann, sollte man meinen, müssen einem Musiker doch die Stücke ausgehen - zumindest für eine Weile. Doch bei Ryan Adams ist davon nichts zu spüren. Der Sänger und Songschreiber aus Jacksonville (North Carolina) hat bereits im vergangenen Jahr zwei Alben auf den Markt gebracht, unmittelbar nach dem Jahreswechsel folgt nun mit "29" der dritte Streich.

Der Titel des neuen Werks bezieht sich auf sein Alter, jeder Song steht für ein Lebensjahr in seinen "Zwanzigern". Und: Die Sammlung ruhiger Titel stellt gegenüber ihren durchaus gelungenen Vorgängern noch eine weitere Steigerung dar. Neun Songs bietet Vollblutmusiker Adams diesmal auf, allerdings nicht in der angekündigten Länge von jeweils neun Minuten. Während er sich zwischendurch mehr dem Rock annäherte, orientierte sich der Sänger 2005 wieder Richtung Country.

Wegen ihrer gleich bleibend ruhigen Grundstimmung wäre die Musik hervorragend als Hintergrundbeschallung für Leseabende oder Tischgespräche geeignet - wäre sie nicht so wunderbar, dass man immer genau zuhören möchte. Jeder Song erzählt zu einer schönen Melodie in schnörkellosen Textzeilen eine Geschichte. In melancholischen Titeln wie "Strawberry Wine" und "Voices" operiert der Mann dabei extrem nah an der emotionalen Schmerzgrenze, aber keiner macht das so schön wie er. "29" macht neugierig darauf, wie viel ungeheure Schaffensfreude noch in einem einzelnen Musiker stecken kann - und wie bald er sie wieder auslebt.

Nicole Lange/AP

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