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Deutschlandtournee: Ryan Adams: Rock 'n' Roll statt Eislaufrevue

Wenn Ryan Adams die Konzertbühne betritt, weiß der Zuschauer vorher nie, was ihn erwartet, gilt der US-Sänger doch als extrem launische Diva. Jetzt tourt er wieder durch Deutschland.

Wie ein Konzert von Ryan Adams verläuft, lässt sich kaum vorhersagen. Wenn der US-Musiker mit Wuschelfrisur am Samstag, 24. Januar, in Köln zu dem ersten von vier Gigs in Deutschland antritt, werden Fans, die ihn schon von früheren Auftritten her kennen, mit einer Gefühlsmischung aus freudiger Erwartung und flauem Magen in die Live Music Hall kommen. Der Mann gilt als etwas schwierig.

Bei seinem Auftritt in der Hamburger Großen Freiheit 36 im vergangen Jahr zum Beispiel verließen nicht wenige der Anwesenden den Saal vorzeitig. Die Verbliebenen feierten einen sichtlich angetrunkenen Adams. Der spielte mit seiner Band und einigen Aussetzern bis weit nach Mitternacht unverdrossen weiter und präsentierte Songs aus seinem Country-lastigen Debüt "Heartbreaker" sowie aus dem damals aktuellen Longplayer "Gold". Der damals vor Ort mit viel Technik vertretene Fernsehsender NDR verzichtete trotzdem darauf, aus dem Rock'n'Roll-Marathon ein Hörkonzert fürs Radio zu machen und bot stattdessen einen anderen Adams-Mitschnitt, der nicht halb so aufregend klang.

Gleich zwei Alben am Start

Wahrer Rock'n'Roll geht eben nicht so glatt vonstatten wie eine Eislaufrevue. In dieser Hinsicht wird sich das Publikum wieder auf Ryan Adams verlassen können, der mit gleich zwei aktuellen Alben im Gepäck anreist. Die von der Plattenfirma beworbene CD "Rock N Roll" sollte nach dem Willen des Künstlers eigentlich gar nicht der Nachfolger von "Demolition" werden. Doch "Love is Hell", so der Name des eigentlichen Nachfolgers, konnte die Verantwortlichen bei Adams Label Lost Highway nicht überzeugen.

Dann wurde "Love is Hell" dann doch fast zeitgleich und in zwei Teilen als Mini-LP auf den Markt gebracht. Auf "Love is Hell" lässt sich Adams von Wehmut treiben. Die Texte, die von klassischen zwischenmenschlichen Problemen wie Eifersucht und enttäuschter Liebe handeln, sind jedoch persönlicher.

Mehr Rockfan als Star

Während auf seinem zweiten Album "Gold", mit dem Adams Anfang 2003 den Durchbruch beim Publikum schaffte, der Einfluss der Rolling Stones nicht zu überhören war, finden sich auf "Rock N Roll" musikalische Anleihen dagegen vor allem in den achtziger und neunziger Jahren: "Luminol" zum Beispiel klingt nach dem früh verstorbenen Melancholiker Jeff Buckley. An anderer Stelle sind die Pixies, Foo Fighters oder der Stadionrock von U2 herauszuhören. Woher die Lust am Zitat kommt, erklärte der Musiker aus dem Bundesstaat North Carolina kürzlich in einem Gespräche mit dem Musikmagazin "Rolling Stone". Darin erklärte der Künstler, er fühle sich "noch immer als Rockfan, nicht als Star."

Einmal die Strokes nachgespielt

Eine Überraschung wäre es, wenn Adams bei seinen anstehenden Konzerten in Deutschland nicht überwiegend aktuelle Titel zum Besten geben würde. Das lässt schon ein Blick auf die Setlist der Konzerte erahnen, die Adams in den vergangenen Wochen in Großbritannien gegeben hat. Andererseits weiß man bei Adams nie. So soll er einmal das Strokes-Album "is this it" komplett nachgespielt haben - nur gehört hat es noch niemand. Sollte ein Ryan-Adams-Konzert einmal wider Erwarten ohne Zwischenfälle ablaufen, bleibt noch die Möglichkeit, lauthals einen Titel von Namensvetter Bryan Adams zu fordern - da versteht Ryan gar keinen Spaß.

Konzerte:

24. Januar in Köln
27. Januar in Hamburg
28. Januar in Berlin
31. Januar in München

Sven Appel, DPA / DPA