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Salut Salon: Lady-Power mit Charme und Esprit

Mit ihren humorvollen Arrangements hauchen vier junge Musikerinnen der angestaubten Salonmusik neues Leben ein. Salut Salon bezaubern ihr Publikum allerdings nicht nur mit musikalischen Mitteln.

Von Björn Erichsen

Mit ihrem Namen tut sich so mancher noch etwas schwer. Viele denken er wäre Latein, andere sagen ihn immer wieder falsch herum. Und einmal hat man sie sogar - da traten sie im Reichstag auf - Saloon Salat genannt. Dabei sollte man sich den Namen Salut Salon - so heißt es richtig und französisch - wirklich merken. Denn das Damen-Quartett beweist eindrucksvoll, dass man mit der Musik aus den Salons der zwanziger und dreißiger Jahre heutzutage Konzertsäle füllen und das Publikum begeistern kann. Selbst der sonst eher steife Bundespräsident Horst Köhler sang bei ihrem Auftritt in Berlin lauthals mit.

Salut Salon - das sind: Angelika Bachmann und Iris Siegfried an der Geige, Gesa Riedel am Cello und Christine Schütze am Klavier. Die vier Hamburger Musikerinnen sind allerdings kein gewöhnliches Salon-Ensemble. Natürlich haben sie Klassiker von Brahms und Liszt im Repertoire, spielen auch Chansons von Holländer, Kreisler und Tucholsky. Jedoch setzen sie sich mit ihren eigenen Arrangements, vorgetragen mit virtuoser Technik und feiner Ironie, gekonnt über die Grenzen des Genres hinweg und hauchen der angestaubten Salonmusik neues Leben ein. In den "Hummelflug" von Rimsky-Korsakow bauen sie schon mal die Biene Maja ein und ihre ganz eigene Interpretation von "Mein Hut, der hat drei Ecken" gleicht einer Ausflugstour durch die Musikgeschichte.

Salonmusik mit Kasernencharme

Mit einem klassischen Salon hat auch der Konzertsaal in Flensburg-Sonwik nur wenig gemein. Der ehemalige Marinestützpunkt bietet eine seltsame Kulisse für die vier schönen Damen von Salut Salon: In dem roten Backsteinbau direkt an der Ostsee ist es kalt und zugig, statt einer Heizung vertraut der Veranstalter auf Industriestrahler und kleine Heizgebläse. Da mit der Platzreservierung einiges schief lief, müssen sich die 400 Gäste ihre Holzstühle Marke Bundeswehr schon selber suchen. Aufatmen beim Publikum, als kurz vor Konzertbeginn verkündet wird, dass der mobile Toilettenwagen vor der Tür, nun endlich funktioniere. Die kleine Fledermaus, die in dem Saal ihre Bahnen zieht, stört da keinen mehr so richtig.

Und auch die Damen von Salut Salon nehmen es gelassen. "Ein bisschen Chaos gehört bei uns sowieso immer dazu", versichert Angelika Bachmann. Doch das ist kreativerer Natur: Vom ersten Takt an beginnen sie mit Hochgeschwindigkeit und lassen dem Publikum gar keine Zeit zum Frieren. Sie geben den "Ungarischen Tanz" mit viel Hingabe und Temperament. Sie beherrschen ihre Instrumente souverän und lächeln beim Spielen mit derart aufreizender Leichtigkeit, als würde es tatsächlich noch eines Beweises ihrer Liebe zur Musik bedürfen. Schulterfrei im kleinen Schwarzen wirbeln sie herum und stampfen unter lautem "Hey, hey, hey" kräftig mit dem Pfennigabsatz auf. Nach nur einem Lied ist das Publikum in ihrem Bann.

"Sie kennen faule Kompromisse..."

"Selber Schuld, wenn Sie bei Salut Salon in der ersten Reihe sitzen", kommentieren die Damen süffisant, als Iris Siegfried bei „Die Kleptomanin“ einer Dame die Handtasche stibitzt. Zahlreiche Kabaretteinlagen dieser Art machen den Auftritt der vier Musikerinnen zu echtem Entertainment mit Schmunzelgarantie. Im Zentrum ihres charmanten Spottes, wie sollte es bei so viel Frauenpower anders sein: der Mann, ganz generell. Jedoch sind sie von männermordender Emanzenkomik weit entfernt: "Meine Damen, Sie kennen faule Kompromisse, schließlich sind Sie ja verheiratet", heißt es da zum Beispiel. Doch die Männer im Saal verzeihen es ihnen gern. Und als Iris Siegried das Lied "Waldemar" intoniert ("Weder stolz noch kühn, aber ich liebe ihn"), wünscht sich so ziemlich jeder von ihnen diesen Namen.

Angesichts ihrer kurzweiligen Auftritte verwundert es nicht, dass Kritiker über Salut Salon stets voll des Lobes sind - strenge Salon-Puristen einmal ausgenommen. "Frech, charmant, virtuos", schwärmt "Die Welt", die "Welt am Sonntag" nennt sie "begnadete Unterhalter". Für das "Hamburger Abendblatt" sind sie die vier "intellektuellen Glamour-Girls" und die "Spice Girls der Violine". Die "Gala" sieht in ihnen eine "Girl Group der speziellen Art".

Benefizkonzerte und "Coole Streicher"

"Nein, eine Girl Group im heutigen Sinne sind wir ganz bestimmt nicht", sagt Iris Siegfried, "wir sind ja alle ausgebildete Musikerinnen." Richtig, wer bei Salut Salon an eine niveau- und talentfreie Mädchencombo denkt, der irrt gewaltig: Alle vier haben klassische Musik von Kindesbeinen an gelernt, später erfolgreich bei den besten Lehrern studiert. Ihre Examina haben sie mit Auszeichnung bestanden, und im Laufe der Jahre so ziemlich jeden Preis gewonnen, den es in ihrer Disziplin zu gewinnen gibt.

Und noch ein Unterschied zur eindimensionalen Girl Group: Zwar haben sich die Künstlerinnen inzwischen hauptberuflich Salut Salon verschrieben, jedoch gehen die vier Damen nebenbei noch eigene Wege: Iris Siegfried hat Kulturmanagement studiert und arbeitet als Rechtsanwältin, Gesa Riedel unterrichtet Cello an der Hochschule für Theater und Musik in Rostock, Angelika Bachmann ist studierte Germanistin und Philosophin, Christine Schütze ist als Solistin unterwegs und gefragt auf internationalen Festivals. Darüber hinaus engagieren sie sich für die gute Sache, geben Benefizkonzerte und betreuen ehrenamtlich das von ihnen gegründete Kinder- und Jugendensemble "Coole Streicher".

Harmonie und Akrobatik am Klavier

In Flensburg geht der Konzertabend seinem Höhepunkt entgegen. Die kleine Fledermaus hat sich längst einen Platz im Gebälk gesucht und schaut interessiert zu, wenn Salut Salon zu dritt auf dem Cello spielen. Dann laufen die drei Streicherinnen zu Iris Schütze herüber und turnen zu viert über das Klavier. Achthändig interpretieren sie Paganini, wechseln dabei ständig ihre Plätze, schubsen sich gegenseitig weg - und bleiben dabei doch immer harmonisch. Wie Horst Köhler in Berlin singt auch das Publikum in Flensburg lauthals mit und dankt es ihnen mit lang anhaltendem Applaus.

Der Erfolg von Salut Salon erscheint unvermeidlich, die vier Damen sind auf dem besten Weg nach oben. In diesem Jahr wird es noch zahlreiche Konzerte geben, für 2006 planen sie ein neues Programm und ihr zweites Album. So ist da eigentlich nur noch die Sache mit ihrem Namen, den sich so viele noch nicht merken können. Doch dieses Problem wird sich vermutlich ganz von selbst lösen, denn wer Salut Salon einmal auf der Bühne gesehen hat, wird sie garantiert nicht mehr vergessen.

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