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Sänger stirbt mit 76 Jahren: "The Sun Ain't Gonna Shine": Trauer um Scott Walker

In den 60er Jahren feierte er als Teil der Walker Brothers große Erfolge. Mit seinen späteren Soloalben war Scott Walker weit weniger populär, dafür umso einflussreicher. Nun ist der Sänger mit 76 Jahren gestorben.

Scott Walker

Sänger Scott Walker ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

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Fast jeder kennt dieses Lied: 1966 nahm das Gesangsduo The Walker Brothers "The Sun Ain't Gonna Shine (Anymore)" auf. Ein Song, mit dem der Sänger Frankie Valli ein Jahr zuvor nicht weiter aufgefallen ist. Doch in der neuen Version wurde es ein riesiger Hit - und erreichte in Großbritannien sogar die Spitze der Charts. Die Gruppe um die Sänger Scott Engel und John Maus hat den Song nicht großartig geändert, nur eine ordentliche Schippe Bombast hinzugefügt und eine Prise Düsternis ergänzt - fertig war ein Welthit, der noch heute zum festen Repertoire von Oldie-Sendern gehört.

Das Bombastische und das Düstere sind zwei Grundkomponenten, die in der weiteren Karriere des Scott Engel eine Rolle spielten, der sich fortan Scott Walker nennen sollte. Zwischen 1967 und 1969 veröffentlichte der Brite vier Soloalben, die stark vom französischen Chanson inspiriert waren und auch Coverversionen von Jacques Brel enthielten. Der Stil kam beim Publikum an: Die ersten drei Alben "Scott (1967) und "Scott 3" (1969) erreichten in Großbritannien Platz 3 der Hitparade, mit "Scott 2" schaffte es der Sänger mit dem markanten Bariton 1968 sogar an die Spitze der Album-Charts.

Scott Walker auf dem Höhepunkt

Ende der 60er Jahre war Scott Walkers Popularität so groß, dass er sogar eine eigene TV-Show bekam. Doch dann schlug er einen Weg ein, der ihn im Laufe der Jahre in immer entlegenere Regionen bringen sollte: "Scott 4" verweigerte sich dem bisherigen Erfolgsrezept und enthielt ausschließlich Eigenkompositionen, die Texte waren bisweilen erratisch. Mit seinen weiteren Veröffentlichungen verlor er sein Publikum, Walker verschwand in die kommerzielle Bedeutungslosigkeit. Sein 1983 für Virgin aufgenommenes Album "Climate of Hunter" gilt als die am schlechtesten verkaufte Platte in der Geschichte des Labels. Der Musiker war so erfolglos geworden, dass er sich mit dem britischen Regisseur Orson Welles verglich: "Man will mit mir Mittag essen, aber niemand will den Film finanzieren“, sagte er in einem Interview. 

Walker verstummte für längere Zeit, erst 1995 gab er sich mit dem experimentellen "Tilt" ein Lebenszeichen. Mittlerweile hatte er sich durch seinen konsequenten Weg großes Ansehen als Künstler und Neuerer erworben. Walker wurde für die jüngere Musikergeneration interessant. So arbeitete er 1999 an dem Soundtrack zu dem James-Bond-Film "Die Welt ist nicht genug" mit und produzierte 2001 das Album "We Love Life" der Brit-Pop-Band Pulp. 

Seine nächsten Veröffentlichungen "The Drift" (2006) und "Bish Bosch" (2012) wurden von der Musikkritik gefeiert und untermauerten Walkers Ruf als kompromissloser Künstler. In Großbritannien schafften sie es sogar in die Top 100. Am Ende seines Lebens fuhr der Brite die Ernte seines konsequenten Weges ein. Und so reagierte die Musikwelt bestürzt auf die Nachricht seines Todes. Scott Walker starb am Wochenende im Alter von 76 Jahren an Leberkrebs.