Skandalauftritt beim Nachwuchsfestival Pete Doherty provoziert für junge Bands


Um junge Bands bei einem Nachwuchsbandfestival des Bayerischen Rundfunks zu unterstützen, erklärte Pete Doherty sich zu einem Spontanauftritt bereit. Jetzt kann er sich einen weiteren Skandal auf seine lange Liste schreiben.
Von Kathrin Buchner

Er sei kein "Dummkopf", bemühte sich Pete Doherty in dem Konzert klarzustellen, mit ziemlich lallendem Zungenschlag. Doch da war der Fauxpas schon geschehen: Bei einem Spontanauftritt beim Nachwuchsfestival von "on3", dem Jugendsender des Bayerischen Rundfunks, stimmte er die unter Hitler missbrauchte 1. Strophe des Deutschlandliedes "Deutschland Deutschland über alles" an. Die Darbietung wurde live auf dem Sender "Bayern 2 Radio" ausgestrahlt. Im Saal wurde Doherty von den Festivalgästen kräftig ausgebuht. Doherty stimmte unbeeindruckt davon weitere Songs an, allein mit der Gitarre, flankiert von Tänzerinnen, die einen ballettartigen Tanz vorführten. Die Veranstalter ließen ihn eine gute Viertelstunde gewähren.

Party trotz Provokation

Nach "Fuck Forever", der ersten zu Ende gesungenen Einlage des rüpeligen Britrockers, beendete eine Moderatorin mit Bühnenansage die Darbietung - sehr zum Unmut von Doherty, der das Rampenlicht ungern verlassen wollte. "Man kann bei einem Konzert nicht den Künstler gleich mit Ordnergewalt von der Bühne holen", sagte der zuständige BR-Programmbereichsleiter Rainer Tief. "Wir wollten keinen Eklat. Deswegen haben wir ihn noch ein bisschen singen lassen, um ihn dann höflich aber bestimmt von der Bühne zu bitten". Man hätte vielleicht angesichts des indisponierten Zustands des Rockstars von einem Auftritt absehen müssen, so Tief selbstkritisch. "Das war bei uns eine 49- zu 51-Prozent-Entscheidung." Doch zeigte man sich beim Bayerischen Rundfunk enttäuscht über das Verhalten eines Musiker, der dem Festival eigentlich positiv gegenüber steht. "Wir wollen, dass jüngere Bands im Schatten von bekannten Stars mehr Aufmerksamkeit bekommen. Aber mit diesem Auftritt hat er der Sache keinen guten Dienst geleistet", sagte Tief. Eine Erklärung von Doherty für sein Verhalten habe es noch nicht gegeben.

Aufmerksamkeit hat er dem Festival auf jeden Fall gebracht - doch in den wenigsten Nachrichten darüber tauchen die Namen der Bands auf, die ohne Provokation, aber mit guter Musik das Publikum erfreut haben. Als Highlights fielen Spiral Beach mit ihrem B52-mässigen Partysound aus Toronto auf, sowie die virtuosen Elektropopper FM Belfast aus Reijkavik oder Ebony Bones aus London, die mit bunten Kostümen auf der Bühne eine mitreißende Show veranstalteten. Und somit hat der "Nicht-Dummkopf" Doherty eines doch erreicht: Auf diese Bands fällt ein Fünkchen der Aufmerksamkeit, die der ewige Rüpel des Rocks immer wieder für sich beansprucht.


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