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Sofa Surfers: Der Knuddeltiger hat Schnupfen

Einst waren die Sofa Surfers Protagonisten des eher loungigen "Vienna Sounds". Auf ihrem neuen Album kommen die Österreicher als echte Band daher.

Ein Hauch von Heiserkeit schwingt in der Stimme mit, dabei nicht rau, eher sanft: Der Knuddeltiger hat Schnupfen. Es erinnert an Seal. Die Stimme gehört zum Sänger, Tänzer und Choreographen Mani Obeya, der den Wiener Jungs für ihren Langspieler zur Seite stand. Wolfgang Schlögl, Markus Kienzl, Michael Holzgruber und Wolfgang Frisch, zusammen Sofa Surfers, sind zwar schon lange dabei, aber bisher nur in ihrer Heimat Österreich bekannt.

Eine sichere Gitarre, die Rhythmus wie Melodie trägt, eröffnet die Platte mit einem puren Solo, die anderen stimmen ein, erst Drums, dann Bass, dann Keybord, dann eben jener erwähnte Gesang. Ein altbewährtes Schema, und doch wirkt es nicht ausgelutscht. Es macht neugierig auf das, was kommt. Und das ist Rock in seiner weicheren Form, der sich, mal herrlich romantisch mit "Love as a Theory" ins Ohr schmeichelt, mal als "Softly" fetzig Lust auf Autofahren macht: Ein langer, leerer Highway, und wir fahren und fahren und, weil es ein Tagtraum ist, fahren wir der Sonne entgegen. Noch wilder wird dann "A Good Day To Die".

Und jetzt: eine richtige Band

Es ist das vierte Album in neun Jahren. Und doch gelten Sofa Surfers als Newcomer, denn erst seit kurzem müssen ihre Alben im Plattenladen nicht bestellt werden, sondern stehen schon in den Regalen. Auf Neuland bewegen sich die smarten Österreicher nun in Sachen Klang. Eigentlich waren Sofa Surfers die Mitgestalter des "Vienna Sounds", viel Lounge, Elektronik, Chill-out. Und jetzt: eine richtige Band. Dass sie trotzdem keine Anfangsfehler begehen, dass sie auf waghalsige Experimente ebenso verzichten wie auf eintönige Melodien, bei denen zumindest nichts schief gehen kann - das beweisen sie auf ihrem Album. Es hat keinen offiziellen Namen, nur den Arbeitstitel das "rote Album". Wegen der Farben des Covers, sagen sie. Wegen des warmen Gefühls, sagen wir.

Shila Behjat
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