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Gitarrist von Iced Earth 2019 spielte er noch in Wacken: Metal-Musiker Jon Schaffer beim Kapitol-Sturm dabei

Jon Schaffer
Dieses Bild zeigt den Sturm aufs Kapitol am Mittwoch in Washington. Bei dem Mann in der blauen Jacke vorne handelt es sich um den Musiker Jon Schaffer.
© ROBERTO SCHMIDT / AFP
Als am Mittwoch ein gewaltbereiter Mob das Kapitol in Washington stürmte, war er auch dabei: Bilder zeigen Jon Schaffer, den Gitarristen der bekannten Metal-Band Iced Earth. Seine kruden Ansichten waren schon länger bekannt.

Diese Meldung hat die Metal-Szene in Aufruhr versetzt: Bilder vom Mittwoch zeigen den bekannten Gitarristen Jon Schaffer unter den Eindringlingen, die das Kapitol in Washington gestürmt haben. Der 52-Jährige trug dabei eine blaue Jacke und eine Kappe der militanten rechtsradikalen Gruppe "Oath Keepers", die Verschwörungstheorien anhängt und die Errichtung einer angeblich neuen Weltordnung aufhalten will. 

Jon Schaffer gehört zu den bekanntesten Musikern der Metal-Szene und ist an mehreren erfolgreichen Bands und Projekten beteiligt. Bereits 1985 gründete er seine erste Band Purgatory, die er drei Jahre später in Iced Earth umbenannte, mit der er bis heute unterwegs ist. Von der ursprünglichen Besetzung ist niemand mehr mit dabei, woran Schaffers Art seinen Anteil gehabt haben dürfte - er wird als "exzentrisch" beschrieben. 

Mit seiner zweiten bekannten Band war Schaffer noch 2019 auf dem Wacken Open Air zu sehen. Unter dem Namen Demons & Wizards hat sich der Amerikaner mit Hansi Kürsch zusammengetan, dem Sänger der Krefelder Metalband Blind Guardian, und bislang drei Alben veröffentlicht. Das letzte, "III", erschien im vergangenen Jahr.

Jon Schaffers politische Haltung schimmerte immer wieder durch

Sons of Liberty ist schließlich ein Soloprojekt von Jon Schaffer, in dem am stärksten seine politische Haltung durchschimmert. Sein bislang einziges, 2010 veröffentlichtes Album enthielt Songs "über Täuschungen und Manipulationen durch Globalisierung", wie ein Fanzine damals schrieb und das "unreflektierte Protestgebrüll" bemängelte.

Das volle Ausmaß von Schaffers politischer Gesinnung war damals jedoch vielen noch nicht klar. Dabei hat er daraus nie einen Hehl gemacht. Die großen US-Medien produzieren für ihn allesamt Fake News, für den Corona-Shutdown sei eine kleine Elite verantwortlich, die daran verdienen wolle. 

Dass der Gitarrist nicht nur redet, sondern auch handelt, konnte man ahnen, als er in einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" vom 15. November 2020 als Protagonist einer Pro-Trump-Demo aufgeführt wurde. Schaffer hat damals den weiten Weg aus Indiana auf sich genommen, um auf dem "Million MAGA March" in der US-Hauptstadt für den gerade abgewählten Präsidenten zu protestieren. Unter den Demonstranten befanden sich Anhänger der QAnon-Verschwörungstheorie, Mitglieder der militanten Proud Boys. 

Der Sturm aufs Kapitol spaltet die Fans

Schaffer wird in dem Bericht mit martialischen Aussagen zitiert: "Die werden untergehen", sagte er mit Blick auf das Establishment. "Die legen sich mit den falschen Leuten an, das können Sie mir glauben." 

Doch wie weit der 1968 in Franklin, Indiana geborene Künstler wirklich gehen würde, das dürfte den meisten erst klar geworden sein, als erste Bilder von Jon Schaffer im Kapitol auftauchten. Seine Anhängerschaft hat er damit tief gespalten: Auf seinem Instagram-Kanal wird er von vielen als "Faschist" beschimpft, andere feiern ihn als Helden und versichern ihm ihre Unterstützung. 

Eines ist klar: Als reiner Musiker kann Jon Schaffer nach den Ereignissen in Washington nicht mehr wahrgenommen werden.


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