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"Evermore" Braucht die Welt zwei Alben von Taylor Swift in einem Jahr? Ja, gerade in diesem Jahr!

Taylor Swift
Taylor Swift ist nicht nur ein Pop-Genie, sondern offenbar auch ausgesprochen fleißig
© Isabel Infantes / Picture Alliance
Während des Lockdowns versinken Teile der Welt im Nichtstun – nur Taylor Swift macht immer weiter Musik. Und wie. Mit "Evermore" hat die Pop-Queen ihr zweites Album in diesem Pandemie-Jahr veröffentlicht. Das ist mehr als ein Abfallprodukt des genialen Vorgängers "Folklore".

Faulheit ist in der Krise Staatsräson, nicht erst seit die Bundesregierung in Clips vor allem die jungen Menschen dazu motivierte, "faul wie Waschbären" zu Helden der Pandemie zu werden. Es geht aber auch anders. Während viele auf der Couch fläzten, am Computer zockten und Puzzles zusammenlegten, hat Taylor Swift ein ganzes Album in Selbstisolation aufgenommen und im Juli veröffentlicht.

Und weil die Sache mit Corona danach immer noch nicht zu Ende war, hat sie einfach weitergemacht. Songs schreiben, aufnehmen, produzieren: Zum Ende des Jahres ist "Evermore", ihr zweites Album innerhalb von nicht einmal fünf Monaten, erschienen – während Swift noch abwartet, was mit den sechs Grammy-Nominierungen für "Folklore" passiert. Taylor Swift ist also nicht nur ein Pop-Genie, sie ist offenbar auch extrem fleißig. 

"Evermore" kommt ebenso wie der Vorgänger überraschend, quasi aus dem Nichts, angekündigt einen Tag vor dem Release via Instagram. Die Frage, die sich sofort stellte: Braucht die Welt wirklich zwei Taylor-Swift-Alben in einem Jahr? Die Antwort am Tag danach: Ja! Zumindest wäre diese Welt ohne "Evermore" um ein paar hervorragende Songs ärmer.

"Evermore": Taylor Swift bekommt Unterstützung

"Wir konnten einfach nicht aufhören, Songs zu schreiben", erklärte Swift auf Instagram ihren unermüdlichen Schaffensdrang. Wir – das ist neben der Pop-Queen vor allem ihr Produzent und Co-Songwriter Aaron Dessner, im Hauptberuf Bandmitglied bei The National. Dessen Einfluss ließ sich schon auf "Folklore", diesem "ersten Meisterwerk der Corona-Zeit", deutlich heraushören. Einen der Höhepunkte darauf bildete Swifts Duett mit Bon Iver, der auch auf dem neuen Album mit von der Partie ist. Immer dann, wenn Swift Unterstützung bekommt, wird es ganz besonders auf "Evermore". Neben den Features mit Bon Iver und The National vor allem beim Song "No Body, No Crime", den Taylor Swift mit den drei Schwestern der Pop-Rock-Band Haim aufgenommen hat.

Das Stück gibt einem Album Pepp, das in weiten Teilen an das Erfolgsrezept von "Folklore" anknüpft – und damit eher ausgeruht und introspektiv daherkommt. Dass die Platte innerhalb kurzer Zeit zusammengeschustert worden sein muss, merkt man ihr zumindest nicht an. Swift erzählt weiter aus dem Inneren der USA, von Jugendlieben, verpassten Chancen und Frauen, die am Altar flüchten. "Tragödien, Träumereien und epische Geschichten über gefundene und verlorene Liebe", sagt sie dazu. Corona? Sucht man auch auf Taylor Swifts zweitem Pandemie-Album vergeblich. Ebenso wie Donald Trump.

Gelungenes Überraschungsalbum

Das unterscheidet sie von vielen, die sich in diesem Jahr auf das Genre Überraschungsalbum gestürzt haben. Keine aktuellen Bezüge, das kann in diesen Zeiten auch mal ganz gut tun. Es gab 2020 so einige Bands und Musiker, die ohne große Ankündigung auf den Markt warfen, was ihnen während einigen Wochen Lockdown so eingefallen war – das meiste davon blieb kaum länger in Erinnerung.

Als "Schwesteralbum" von "Folklore" versteht Swift ihr neues Werk. Und wie es so ist mit Geschwistern: So ganz aus dem Schatten des genialen Vorgängers kann "Evermore" nicht heraustreten. Die Latte hängt allerdings auch enorm hoch. Bei vielen Kritikern und Musikliebhabern steht "Folklore" ganz oben in der Aufzählung der Alben des Jahres. "Evermore" kommt wahrscheinlich nicht direkt dahinter – den Vergleich scheuen muss es aber auch nicht.


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