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Trauer um Rock-Legende: Lou Reed ist tot

Er war einer der einflussreichsten Songwriter und Gitarristen des Rock: Jetzt ist Lou Reed, der frühere Velvet-Underground-Sänger, im Alter von 71 Jahren gestorben.

Von Tim Schulze

Der Musiker und frühere Velvet-Underground-Sänger Lou Reed ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Im Mai dieses Jahres hatte sich der todkranke Musiker noch einer lebensrettenden Lebertransplantation unterzogen. "Er lag im Sterben", hatte seine Frau, die Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson, damals gesagt. Reed gehörte seit den späten sechziger Jahren zu den einflussreichsten Musikern der Pop- und Rockmusik. Zuletzt hatte er mit der Metal-Band Metallica im Oktober 2011 das gemeinsame Album "Lulu" veröffentlicht.

Legendär wurde Reed mit seiner ersten Band Velvet Underground, die er gemeinsam mit John Cale in New York gründete. Dort begann auch die Zusammenarbeit mit Andy Warhol, der schnell von der Band begeistert war. Unter anderem auch, weil die Musiker in ihren Anfangszeiten immer mit dem Rücken zum Publikum auftraten. Velvet Underground war in dieser Zeit ein fester Bestandteil von Warhols Kunsttempel, der Factory.

Einer der einflussreichsten Musiker überhaupt

Im Frühjahr 1967 erschien das berühmte erste und selbstbetitelte Album der Band: "Velvet Underground und Nico". Das deutsche Model Nico sang einige Songs mit der Band ein. Außerdem gehörten Gitarrist und Bassist Sterling Morrison und die Schlagzeugerin Maureen Tucker zur Gruppe. Das Cover zierte eine gelbe Banane von Warhol, der das Album komplett produziert hatte. Das Werk prägte mit seinem Gitarrensound und harten und bösen Texten über Sex, Drogen und Gewalt Generationen von Musikern - und tut es noch heute. Kommerziell war es damals ein Misserfolg.

In den Songs beschrieben Reed und die Band das Leben der New Yorker Bohème mit zahlreichen Anspielungen auf Drogen und SM-Sex-Praktiken. Musikalisch lag das Spektrum zwischen eingängigen Popsongs und Stücken, die in einer psychedelisch verzerrten Soundkakophonie von Reeds Gitarren und Cales Violinenspiel ausuferten, radikaler als bei anderen Bands der Zeit. Reed nahm bis 1970 drei weitere Alben mit Velvet Underground auf, bis er die Band verließ. Das erfolgreiche und von der Kritik gelobte Album "Loaded" - das noch deutlicher Reeds Handschrift trägt - kam erst kurz nach dessen Bandausstieg 1970 auf den Markt. Stücke wie "Sweet Jane" oder "Rock'n'Roll" wurden zu Klassikern in seinem Repertoire.

Exzessiver Drogenkonsum

Auch mit späteren Solowerken wie Transformer von 1972, das von David Bowie produziert wurde, behielt Reed seinen prägenden Einfluss. Reed trat in dieser Zeit als androgyne Glam-Rock-Figur auf. Darauf enthalten ist sein bekantester Song "Walk on the Wild Side", in dem Reed die Zeit in Warkols Factory wieder aufleben ließ und der trotz der Anspielung auf Oralsex ein Radio-Hit wurde. Das Lied "Satellite of Love" wurde später von U2 und anderen gecovert. Nach Transformer überraschte der Musiker auf späteren Alben mit vielen musikalischen Stilwechseln, es war auch die Zeit des exzessiven Drogenkonsums. 1992 hat er mal gesagt: "Ich habe versucht, von den Drogen loszukommen, indem ich getrunken habe”, sagte Lou Reed 1992. "Das hat nicht geklappt.”

Dennoch wurde er in den achtziger Jahren musikalisch wie persönlich etwas gesetzter. Die Alben "The Blue Mask" und die für ein breiteres Publikum bestimmten "The new Sensation" und "New York" wurden von der Kritik hochgelobt. 1996 wurde Reed mit Velvet Underground in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Bis zuletzt blieb der Musiker aktiv und folgte seinem künsterlichen Impuls. Er widmete sich neuen Projekten und arbeitete mit Künstlern, Theater- und Filmemachern wie Robert Wilson, Wim Wenders und Julian Schnabel zusammen sowie mit Metallica zusammen. Auch mit seiner Frau, Laurie Anderson, absolvierte er viele Auftritte. Und noch vor drei Wochen gab er, der von seiner Krankeit schon schwer gezeichnet war, eine letzte Pressekonferenz. Anlass war der neue Duft von Modedesigner John Varvatos mit dem Namen "Transformer".