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THE STROKES: Punkrock ist zurück in Deutschland

Ihr erster Auftritt in Deutschland war zwar kurz - 50 Minuten in Köln - aber gut. Auf zwei weiteren Stationen zeigen »The Strokes« Punkrock vom Feinsten

Selten war die Spannung, die eine 36-minütige Platte in der Musikwelt erzeugt hat, so groß: Wie sind sie wirklich, live auf der Bühne, die neuen Punkrock-Götter aus New York? The Strokes, die Newcomerband des vergangenen Herbstes, sind in Deutschland, wenn auch nur kurz. Am Mittwochabend gaben sie ihr erstes Konzert im seit Wochen ausverkauften Kölner E-Werk, und auch das war kurz. 50 Minuten standen die fünf Musiker auf der Bühne, spielten alle Lieder ihres Debütalbums »Is this it« sowie drei neue Songs und verschwanden ohne Zugabe. Ein kurzes Winken, keine Verbeugung: »That?s it«, sagte Sänger Julian Casablancas, und das war es dann auch.

Kurz aber gut

Innerhalb weniger Monate haben es die fünf Amerikaner geschafft, sämtliche Mythen des Punkrock für sich zu beanspruchen: Alkohol, Drogen, exzessiver Lebensstil, dazu New York und Lederjacken. Doch die Strokes liefern auch die passende Musik dazu, und die haben sie in Köln nahezu perfekt gespielt. Die Gitarren von Nick Valensi und Albert Hammond waren noch durchdringender als auf dem Album. Nikolai Fraiture und Fab Moretti an Bass und Schlagzeug begleiteten Sänger Casablancas regelmäßig wie ein Uhrwerk, nur schneller und lauter.

Inspiriert von Iggy Pop und Velvet Underground

Erstaunlich unspektakulär ging es dabei auf der Bühne zu: Ansage, Song, nächste Ansage. Eine halbe Stunde dauerte es, bis Casablancas sich des Punkrock-Veteranen Iggy Pop erinnerte und den Mikrofonständer demolierte. Ansonsten hielt es der Sänger der Strokes eher mit Lou Reeds Velvet Underground, der Avantgarde- Band aus den späten 60ern, die viele Kritiker als Haupteinfluss der jungen New Yorker bezeichnen. Wie oftmals Reed stand auch Casablancas beinahe abwesend in der Mitte der Bühne, wankte ein wenig umher, um schließlich auf dem Boden zusammenzusinken oder sich an seinem Mikrofon festzuklammern.

So wollen sich die Strokes, allesamt um die 20, wohl am liebsten sehen: cool und vom Leben gezeichnet. Für große Gesten verschwendeten sie keine Zeit, geradlinig wie ihre Musik war auch ihr Auftritt. Die Punkrock-Hymnen der Band klingen im Ohr, als kenne man sie seit Jahren. Eine großartige Version von »Take it or leave it« beendete den ersten Kurzauftritt der Strokes in Deutschland und schien den Musikern aus der Seele zu sprechen: Nimm es oder lass es. Die knappe Stunde auf der Bühne war wie ein ausgedehnter Drei-Minuten Song: Bevor man richtig drin ist, ist er schon vorbei.

In Deutschland sind »The Strokes« noch in Hamburg (6.3.) und Berlin (7.3.) zu sehen und zu hören.