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Tumblr "My Husband's Stupid Record Collection" Wie eine Bibliothekarin die Platten ihres Mannes runtermacht

Sarah hat keine Ahnung von Musik, aber eine Mission: Die US-Bibliothekarin hört sich durch die Plattensammlung ihres Mannes und schreibt darüber. Ihre Erkenntnisse: überraschend.
Von Jens Wiesner

Sie arbeitet in einer Bücherei. Er ist Musiknerd. Ihre Welt besteht aus Buchstaben, seine aus Gitarrenriffs. Sie liebt ihren Ehemann sehr, aber seine riesige Plattensammlung war bislang nur ein Ärgernis. Weil es verdammt aufwendig ist, fünf Mal mit 1500 säuberlich geordneten Vinylscheiben umzuziehen.

Freund Alkohol war es, der die US-Amerikanerin Sarah O'Holla im Februar auf eine irre Idee brachte. Sie würde sich durch jede einzelne Platte hören und ihre ganz persönlichen Eindrücke zu Papier bringen. Herausgekommen ist "My Husband's Stupid Record Collection" (Die dämliche Plattensammlung meines Mannes), ein Plattenblog der besonderen Art.

Fast täglich postet die 31-Jährige dort sehr persönlich eingefärbte Reviews von Oldtimern wie "A Certain Ratio", "Anthrax" oder "The Animals". Sie sehen, die Dame geht alphabetisch vor - eine echte Bibliothekarin eben. Dass sich ihr Musikgeschmack nicht unbedingt mit dem der Profis deckt, hat ihr im Netz bereits einige Anfeindungen von Hardcorefans eingebracht. Aber gerade weil O'Holla als Laie an die Materie geht, lesen sich ihre Texte so amüsant und frisch.

Ihr Urteil über AC/DCs "Back in Black"? "Beginnt ganz schön gruselig und hat mich die ersten 30 Sekunden an Black Sabbath erinnert, doch dann setzt die kitschige Stimme ("cheesy ass voice") des Leadsängers ein und ruiniert alles!"

Erster Eindruck zu The Animals' "The House of the Rising Sun"? "Ein Grüppchen weißer Typen mit Babyface auf dem Plattencover, alle tragen denselben Haarschnitt, irgendwie Justin-Bieber-mäßig."

Sarahs Fazit zuLouis Armstrongs "Louis and the Dukes of Dixieland"? "Louis Armstrongs Stimme ist so süß und weich und einladend und tief ("sweet and smooth and inviting and deep"). Und dann fängt ein weißer Typ an zu singen und er kann einfach nicht mithalten. So normal, im Vergleich dazu klingt Louis' Stimme wie ein Engel, ein Hundewelpe und ein Großväterchen zusammen."

Schade, dass wir auf Sarahs Meinung zu Frank Zappa noch ein wenig warten müssten - beim Z wird sie frühestens in vier Jahren angekommen sein. Sofern Ehemann Mike keine neuen Platten dazukauft.


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