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Viktoria Modestas Sensationsvideo: Mit Beinprothese und viel Sexappeal

Mit 20 Jahren ließ Viktoria Modesta sich aufgrund eines Geburtsfehlers ihr linkes Bein amputieren. Mit einer Prothese und in Lack und Leder kämpft die Sängerin gegen Vorurteile gegen Behinderte.

Mit ihrem Video zum Song "Prototype" sorgt die beinamputierte Sängerin Viktoria Modesta gerade für eine Sensation

Mit ihrem Video zum Song "Prototype" sorgt die beinamputierte Sängerin Viktoria Modesta gerade für eine Sensation

Ihr künstliches Bein ist mal eine Leuchtstoffröhre, mal ein Kunstwerk aus Diamanten oder ein schwarzer Obelisk, dazu Fetisch-Kostüme und Glitzer-Outfits. So präsentiert sich die Sängerin Viktoria Modesta in ihrem neuesten Video. Aus ihrer Behinderung macht sie dabei kein Geheimnis. Im Gegenteil. Sie stellt ihre Beinprothese ins Zentrum der Aufmerksamkeit und inszeniert ihr Handicap auf spektakuläre Weise.

250.000 Euro hat der Clip zu der Single "Prototype" gekostet und sorgte bei seiner Ausstrahlung im Finale der Musik-Show "X Factor" für eine Sensation. Das Video ist Bestandteil der Initiative "Born Risky", mit der sich der Sender Channel 4 für Menschen mit Behinderung einsetzt. "Ich will mich wegen meiner Behinderung nicht rechtfertigen und meinen eigenen Weg gehen – ich hoffe die Menschen akzeptieren das", sagte Modesta gegenüber dem Magazin "Dazed".

Diskriminierung und Ausgrenzung

Die 26-Jährige kam 1988 in Lettland zur Welt. Bei ihrer Geburt gab es Komplikationen, bei denen ihr Bein beschädigt worden war. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte und schmerzhafte Operationen musste sie über sich ergehen lassen. Doch die Ärzte waren nicht im Stande, ihr Bein zu heilen.

Als Kind und Jugendliche litt Modesta sehr unter ihrer Behinderung: "Abgesehen davon, dass ich keine High Heels oder kurze Röcke tragen konnte, war ich auch stark in meiner Beweglichkeit eingeschränkt", erzählte sie der britischen Zeitung "Daily Mail".

Nach ihrer Auswanderung nach London wurde ihr Leben sogar noch schwieriger. Denn in der Schule wurde sie von ihren Mitschülern verspottet und gemobbt. "Mit 14 verließ ich die Schule. Sozialarbeiter drohten meinen Eltern mit Ausweisung, weil ich nicht mehr zur Schule ging. Aber ich konnte einfach nicht, weil ich dort so schlimm behandelt wurde", so Modesta heute.

Ein langer Weg

Mit 20 Jahren entschloss sich Modesta schließlich zu einem radikalen Schnitt und ließ sich ihren Unterschenkel amputieren. Seitdem arbeitete sie an ihrer Musikkarriere. Mit ihrem neuen Video will sie die Diskussion über den Umgang mit Behinderten anregen. "Ich hoffe, die Leute werden bald verstehen, dass die Ansprüche an behinderte Menschen drastisch erhöht werden müssen. Es geht nicht darum, jemanden hoch in den Himmel zu loben, nur weil er aus dem Bett aufsteht. Einige Behinderte empfinden diese Haltung als herablassend und schädlich", sagte Modesta der "Daily Mail".

Aber auch Behinderte müssten ihre Einstellung ändern. "Wenn man einen Raum betritt und sich wie ein Opfer verhält, wird man auch wie ein Opfer behandelt", so die Sängerin.

Doch noch sind nicht alle Vorurteile gegen Menschen mit Behinderungen abgebaut. Ihren größten Auftritt bisher hatte Modesta bei der Abschlussfeier der Paralympischen Spielen in London 2012. "Ich kam dort an und fühlte mich wie ein absoluter Außenseiter. Ich hatte dieses großartige Glitzeroutfit mit High Heels und ein Kristallbein. Die Leute sahen mich aber an, als ob sie fragen wollten: 'Wie kannst du glücklich sein? Wie kannst du so tun, als wärst du sexy?'", erzählte sie gegenüber "Dazed". Der "Daily Mail" sagte Modesta: "Die Leute sind immer noch schockiert, wenn sie im Fernsehen jemanden sehen, dem zum Beispiel ein Arm fehlt. Es gibt also noch viel zu tun."

ivi