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Video-Entschuldigung Xavier Naidoo geht einen ersten, kleinen Schritt. Doch das reicht noch lange nicht

Xavier Naidoo richtet sich in einem Video an seine Fans
Xavier Naidoo richtet sich in einem Video an seine Fans
© Youtube.com/OneLove
Jahrelang verbreitete er Hass und Verschwörungserzählungen. Nun hat sich Xavier Naidoo in einem Video entschuldigt. Ein erster Schritt, mehr nicht.

Da sitzt er nun also in seinem altbekannten Outfit mit dem grauen Schlagerkäppi, schaut mit festem Blick in die Kamera und versucht mit getragener Stimme, die Dinge wieder ins Lot zu bringen: Xavier Naidoo gesteht seine Irrungen der vergangenen Monate und Jahre ein. Er scheint es ernst zu meinen: Der verlorene Sohn kehrt zurück und bittet aufrichtig um Verzeihung. Ist nun also alles wieder gut?

Mitnichten. Dass der Mannheimer Musiker so offen Fehler eingesteht und sich dafür entschuldigt, ist zunächst einmal ein gutes Zeichen. "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe", gibt er freimütig zu. Seine Reue wirkt authentisch, seine Worte sind mit Bedacht gewählt: So spricht er von "Verschwörungserzählungen" anstelle des häufig gebrauchten Begriffs der "Verschwörungstheorie" - und macht damit begrifflich klar, dass seine lange verbreiteten Thesen jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrten. 

Dennoch: Mehr als ein erster Schritt, ein erstes Zeichen des guten Willens, ist das Video nicht. Denn bei aller sorgsamen Wortwahl, bleibt Naidoo schwammig, wenn es konkret darum geht zu benennen, welche Irrtümer er genau meint, und für welche "verstörenden Äußerungen" er sich konkret entschuldigen möchte. 

Da gäbe es einige: Sein Eintreten für die Reichsbürger-Bewegung. Das Verwenden antisemitischer Stereotype in Songtexten. Das Verbreiten der QAnon-Verschwörungserzählung. Das Leugnen der Corona-Pandemie und des menschgemachten Klimawandels. Und noch manches mehr. 

Xavier Naidoo äußert sich nur schwammig

Sieht Naidoo das alles als Irrweg an? Oder nur manches davon? Und wenn ja: Was genau? Das würde man gerne erfahren. Doch ausgerechnet dazu äußert sich der Sänger in dem Video schwammig: "Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne wenn und aber distanziere und lossage." Angesichts der unappetitlichen Positionen, die Naidoo vertreten hat, hätte man es hier gerne expliziter: Wovon genau distanziert er sich? 

Das Video endet auf eine Weise, mit der Naidoo in den vergangenen Jahren wiederholt versucht hat, Kritik zu kontern: mit einer Selbstbeschreibung als guter Mensch. "Alle die mich kennen wissen, wofür ich einstehe: Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar." 

Beteuerungen, die wir in den zurückliegenden Jahren zu oft gehört haben. Und aus denen damals nichts folgte. Es fällt schwer, den Worten nun vorbehaltlos Glauben zu schenken.

Dennoch: Das am Dienstag veröffentlichte Video ist ein guter erster Schritt. Jetzt müssen weitere folgen.


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