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Zum 200. Geburtstag des Komponisten: Franz Liszt und die Weltliteratur in Tönen

Am 22. Oktober jährt sich der Geburtstag des Pianisten und Komponisten Franz Liszt zum 200. Mal. Ein Festakt in Weimar, wo der europaweit gefeierte Musiker seine bedeutendsten Werke schuf, ist Höhepunkt des Liszt-Jahres 2011.

Jetzt ist es mir lieb, zuerst an Weimar zu denken, meinen Fixstern, dessen wohltuende Strahlen meinen weiten Weg beleuchten..." Als der Musiker Franz Liszt 1846 diese Zeilen an den Weimarer Großherzog Carl Alexander schrieb, ahnte er noch nicht, dass die kleine thüringische Residenzstadt zur wichtigsten Station in seinem Künstlerleben werden sollte. Zwei Jahre später ließ sich der Klaviervirtuose, Komponist und Musikvisionär in Weimar nieder, wo er - mit Unterbrechungen - 30 Jahre wirkte und einen Großteil seiner Hauptwerke schuf. Am 22. Oktober jährt sich Liszts Geburtstag zum 200. Mal.

Der Geburtstag ist Höhepunkt des Themenjahres mit rund 200 Veranstaltungen. Der Reigen klingt mit dem Festival "Lisztomania 11" aus (bis 31. Oktober). Zu einem Festakt am Geburtstag des Künstlers im Deutschen Nationaltheater Weimar wird Bundespräsident Christian Wulff erwartet.

Liszt, der in vielen Konzertsälen des Kontinents gefeiert wurde, gilt für die Fachwelt als erster europäischer Künstler. Dennoch sei er schon Anfang des 20. Jahrhunderts vergessen gewesen, sagt der Weimarer Musikwissenschaftler Wolfram Huschke, Leiter des Franz-Liszt-Zentrums und Präsident der Deutschen Liszt-Gesellschaft. "Liszt war Kosmopolit, das ließ sich nationalstaatlich nicht vereinnahmen. " Dies habe sich auch auf die Konzertspielpläne ausgewirkt. Inzwischen sieht der Präsident der nach dem Komponisten benannten Weimarer Musikhochschule, Christoph Stölzl, "eine Welle der Liszt-Renaissance". Huschke ist nicht ganz so euphorisch: "Bei der Werkaufführung kommt Liszt nach wie vor schlechter weg als seine Zeitgenossen Schumann und Chopin."

Konzerte in ganz Europa

Der in Raiding im ungarischen Teil des österreichischen Kaiserreichs geborene und am 31. Juli 1886 in Bayreuth gestorbene Liszt spielte bereits im Alter von neun Jahren ausgezeichnet Klavier. Sein Vater förderte ihn und reiste mit dem jungen Pianisten zu Konzerten und Studium durch ganz Europa. In Paris lernte Liszt die kulturellen Größen seiner Zeit kennen, war mit Balzac, Berlioz, Chopin, Heine und Meyerbeer befreundet.

In Weimar, wo er von 1848 bis 1861 Hofkapellmeister war und der Stadt nach der Goethe-Ära zu neuer kultureller Blüte verhalf, schrieb er unter anderem zwölf sinfonische Dichtungen - eine für die damalige Zeit avantgardistische Verbindung von Wort und Musik. Inspiriert von der deutschen Klassik entstanden etwa die "Faust-Sinfonie" und "Prometheus" - Weltliteratur in Tönen. Aber auch Enttäuschungen brachte der Aufenthalt des Musikers in der kleinen Stadt mit sich. Aus der von ihm erhofften Goethe-Stiftung wurde ebenso wenig etwas wie ein Festivalhaus für die Opern seines Schwiegersohnes Richard Wagner - das später in Bayreuth entstand.

Liszt kehrte 1869 zu jährlichen Sommeraufenthalten nach Weimar zurück. Dann lebte er in der Hofgärtnerei am Rande des Ilmparks, wo er auch seine Schüler unterrichtete. Das dort im März nach einer Renovierung wiedereröffnete Museum hat besonders vom Liszt-Jahr profitiert. Rund 26 000 Gäste - dreimal so viel wie in früheren Jahren - besichtigten bislang die fünf authentischen Wohnräume mit dem Bechstein-Flügel, an dem der Meister seine Schüler unterrichtete.

Ein wagemutiger und poetischer Komponist

Nicht ganz so groß ist der Zulauf bei der großen Liszt-Ausstellung im Schillermuseum und im Stadtschloss. Da laufe es auf 20 000 Besucher hinaus, sagte der Präsident der Weimarer Klassikstiftung, Hellmut Seemann. Auf 30 000 hatten die Veranstalter gehofft.

Wichtiger seien ohnehin die nachhaltigen Effekte des Gedenkjahrs, finden Liszt-Kenner. Weimars Kunstfest-Leiterin Nike Wagner, die Ururenkelin des Komponisten, hofft, "dass das Liszt-Jahr dazu beiträgt, Liszts Musik besser in den Konzert-Programmen zu verankern." Seine Kompositionen sollten häufiger gespielt werden, wünscht sie sich. "Dann versteht das Publikum schon, welch ein poetischer, wagemutiger und phantasievoller Komponist er war."

Katrin Zeiß und Antje Lauschner, DPA / DPA