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"Donnerstalk" im ZDF: Til Schweiger keilt gegen Kritiker: "Was brauche ich denn für eine PR?"

Finale für den "Donnerstalk": Til Schweiger hat in der ZDF-Sendung mit Dunja Hayali über seine Pläne für ein Vorzeigeflüchtlingsheim, Anfeindungen im Netz und die Rolle der Medien gesprochen.

von Andrea Zschocher

Til Schweiger in T-Shirt und Jackett, mit schiefem Gesichtsausdruck und skeptischem Blick nach rechts.

"Es gibt sehr viele Menschen, die helfen": Schauspieler Til Schweiger war zu Gast im "Donnerstalk". (Archivbild)

Der gestrige "Donnerstalk" war der vorerst Letzte für Dunja Hayali. Nicht, weil sie ihre Sache schlecht gemacht hätte, sondern weil die Sommerpause von Maybritt Illner vorbei ist. Fraglich ist aber, ob der Themenmix, der von der Situation der Flüchtlinge über Aussteiger des IS bis zum Gras-essenden Jörg Thadeusz reichte, auf Dauer Bestand hätte. Denn zwei so gewichtige Themen abrupt zu beenden um dann noch einen Ernährungsbeitrag als leichte Kost einzustreuen, ist vielleicht etwas zu viel des Guten.

In dieser vierten Ausgabe sprach die ZDF Morgenmagazin-Moderatorin unter anderem mit Til Schweiger über seine Pläne zum Bau eines Flüchtlingsheims.

Keine Galionsfigur der Flüchtlinge

"Ich habe nie gesagt, ich will Leiter eines Flüchtlingsheims werden", rückte Schweiger seine Pläne gerade. Es sei ihm nie darum gegangen, die Galionsfigur für Flüchtlingshilfe zu werden. Seiner Meinung nach müsse aber mehr für die Flüchtlinge getan werden. Schweiger betonte dass "es sehr viele Menschen gibt, die helfen". Aber die, die dagegen sind, die seien einfach lauter. 

Um diese Stimmen verstummen zu lassen und zu zeigen, dass er mitanpacken kann, kam der Schauspieler auf die Idee für ein Vorzeigeflüchtlingsheim. Dieses soll Teil seiner Unterstützung sein.

Nur, was soll das sein, ein Vorzeigeflüchtlingsheim? Schweiger möchte dafür sorgen, dass die Flüchtlinge an diesem Ort Deutschunterricht bekommen, dass es Sport- und Kreativmöglichkeiten gibt. Ein guter Weg, das fand auch Flüchtlingsbetreuer Ruhin Ashuftah, der ebenfalls zum Talk geladen war. Seiner Erfahrung nach verzweifeln die Menschen, wenn sie nach ein, zwei Monaten merken, dass sich nichts bewegt. Die sehr provisorischen Unterkünfte und die beengten Verhältnisse, in denen die Flüchtlinge leben müssen, führen zu Verzweiflung und mitunter auch Gewalt. Viele mögen die Pläne Schweigers belächeln, aber der Praktiker Ashuftah sah darin Potential.

"Ich gucke auf euch herab"

Ins Rollen gebracht hatte das Engagement Schweigers ein zwölfjähriges Mädchen, das den Schauspieler gebeten hatte, auf seiner Facebook-Seite einen Aufruf zu posten, um Flüchtlinge in Hamburg mit Sachspenden zu unterstützen. Für diesen Post erhielt er viel Zuspruch, aber auch sehr viel Gegenwind. Den parlierte er mit deutlichen Worten, die ihn laut Hayali zur "Reizfigur der vergangenen Tage" machten. "Ihr seid so arm, ich gucke auf euch herab", schrieb Schweiger bei Facebook; Hayali nannte es "übelst zurückgepöbelt". Auf die Frage, wer denn da eigentlich gemeint sei, mit diesem Angriff, erging sich Schweiger in langen Schimpftriaden auf die Medien im Allgemeinen und "Spiegel Online" im Speziellen. Schweiger könne die negativen Reaktionen sogar ein Stück weit verstehen, sagte er, "aber nicht in diesem Ton".

Träume von jugendlichen Flüchtlingen

Dunja Hayali besuchte in Berlin minderjährige Flüchtlinge, um mehr über ihr Leben und ihre Flucht zu erfahren. Drei syrische Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren sprachen mit ihr über ihre Flucht, auf der sie "zweimal fast gestorben wären". Aber auch über ihre Träume. Ihre Eltern wollen die Kindern herholen, "die Sprache lernen, Freunde finden, eine Zukunft aufbauen". Die drei Jungs lebten in einer Art betreutem Wohnen und wurden auch therapeutisch begleitet.

 Schweiger, der sich seit Jahren gegen Kinderarmut einsetzt, möchte in der nächsten Woche eine Stiftung gründen, um traumatisierten Kindern zu helfen, verriet er Hayali. Dabei betonte er, dass die Stiftung sowohl für Flüchtlinge, als auch für deutsche Kinder tätig werden soll.

Dieses Engagement ist für ihn aber nur ein weiteres Hilfsangebot; den Plan, ein Flüchtlingsheim mit aufzubauen, verfolgt der Schauspieler weiter. Live im Studio berieten sich hierzu Schweiger und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. Ein Treffen im ZDF wäre aber nicht nötig gewesen, ein Gesprächstermin für nächste Woche war bereits gefunden. Und so hatten sich die beiden Männer auch wenig zu sagen. Nur, dass Interesse an einer Zusammenarbeit bestünde. An dieser Stelle wurde es für die Zuschauer, die das Schweiger'sche Medienspektakel der vergangenen Tage nicht in Gänze mitverfolgt hatten, unübersichtlich. Es wurde über "Princess of Finkenwerder" und Jan Karras geredet, Bauabsichten und Liegenschaften diskutiert, aber keinerlei Erklärungen geliefert. Karras, ein Freund Schweigers, war ebenfalls im Studio; das Interview mit ihm hinterließ aber nur neue Fragen statt Antworten zu liefern.

Alles nur PR?

Den Vorwurf, sein Engagement für Flüchtlinge nur aus PR-Gründen zu betreiben, wies Schweiger weit von sich. "Was brauche ich denn für eine PR?", meinte er großspurig, "ich bin der erfolgreichste Filmemacher in diesem Land". Unangenehm war das mitanzuhören, denn egal, wie sehr sich der Schauspieler für die wichtigen Sachen engagiert, es sind genau solche Worte, die hängen bleiben. Dabei, so betonte auch Hayali in ihrem "Donnerstalk", ginge es doch "darum, zu helfen."

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