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"Spiegel"-Bericht: "Bild"-Zeitung will TV-Marke werden und macht Kampfansage an Öffentlich-Rechtliche

Die "Bild"-Zeitung will auf den TV-Bildschirm. Dabei will das Boulevardblatt "den Alltag der Menschen so zeigen, wie es die Leute erleben", sagt ihr Chefredakteur – nicht so "weichgespült" wie bei den Öffentlich-Rechtlichen.

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt im Newsroom der Zeitung in Berlin

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt im Newsroom der Zeitung in Berlin

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Nicht "steril und weichgespült", dafür lebensnahe Berichte über "das Land, die Welt, die Politik und den Alltag": Die "Bild"-Zeitung soll zur TV-Marke ausgebaut werden, wie der Verlag Axel Springer zu Beginn der Woche ankündigte. Nun hat sich "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt, 39, zum künftigen Fernsehprogramm des Boulevardblatts geäußert – mit einem Seitenhieb gegen ARD und ZDF.

Chef der "Bild"-Zeitung: "Nicht so steril und weichgespült wie teilweise bei den Öffentlich-Rechtlichen"

"Wir wollen das Land, die Welt, die Politik und den Alltag der Menschen so zeigen, wie es die Leute erleben", sagte Reichelt dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", und "nicht so steril und weichgespült wie teilweise bei den Öffentlich-Rechtlichen". Der "Bild"-Chef glaube, "dass es den Leuten massiv auf die Nerven geht, wenn sie dauernd erfahren, warum über manche Dinge nicht berichtet wird, statt zu sehen, was eigentlich passiert ist." 

Als Beispiel nannte Reichelt die tödliche Schwertattacke von Stuttgart, bei der ein Mann auf offener Straße erstochen worden war (der stern berichtete). "Nachdem darüber in den überregionalen Nachrichten tagelang nicht berichtet wurde, ist auch bei den Öffentlich-Rechtlichen angekommen, dass darin politische Relevanz steckt", wird Reichelt vom "Spiegel" zitiert. Die ARD-"Tagesschau" hatte zunächst nicht über den Angriff berichtet, blieb damit aber bei ihrer Linie, nur in begründeten Ausnahmefällen über Mordfälle zu berichten (lesen Sie hier mehr dazu).

Anfang der Woche gab das Medienhaus Axel Springer bekannt, Millionenbeträge in Projekte bei seinen Marken "Bild" und "Welt" zu investieren, zugleich aber Personal im Konzern zu reduzieren. In den nächsten drei Jahren sollen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro vor allem in eine Live-Video-Strategie von "Bild" fließen, wie der Verlag am Montag in Berlin mitteilte. Insgesamt soll es Kosteneinsparungen im Bereich News Media National in Höhe von 50 Millionen Euro geben. Personal will das Medienhaus unter anderem in Verlagsstrukturen und Redaktionen abbauen. Eine konkrete Zahl wurde nicht genannt.

Quellen: "Der Spiegel", Nachrichtenagentur DPA

fs