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Flüchtling unter Tatverdacht: Messerattacke in Offenburg: "Tagesschau" erklärt, warum auf Berichte verzichtet wurde

Die tödliche Messerattacke auf einen Offenburger Arzt hat viele erschüttert und landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die "Tagesschau" verzichtete aber auf eine Berichterstattung. Nach Zuschauerkritik erklärt Chefredakteur Kai Gniffke nun, warum. 

Kai Gniffke, Chefredakteur der "Tagesschau"

Kai Gniffke, Chefredakteur der "Tagesschau", hat die Entscheidung, nicht über die Tötung eines Arztes in Offenburg zu berichten, verteidigt 

DPA

Ein Asylbewerber aus Somalia soll am vergangenen Donnerstag in Offenburg einen Arzt in seiner Praxis erstochen und eine Praxishelferin verletzt haben. Die Polizei hatte den 26-Jährigen nach einer kurzen Großfahndung festgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen betrat der Mann ohne Termin die Praxis, in der bereits andere Patienten waren. Er sei zielstrebig in ein Behandlungszimmer gegangen. Dort habe er den Arzt mit einem mitgebrachten Messer attackiert. Die Waffe blieb bei der Flucht zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn wegen Mordverdachts. Das Motiv ist noch unklar.

Der Fall hatte landesweit für Schlagzeilen gesorgt. In Offenburg versammelten sich Menschen zu einer kleinen Demonstration. Die AfD hatte zu einer Mahnwache aufgerufen. Die Linke Jugend hatte daraufhin eine Gegendemonstration angemeldet.

Landesweit wurde über Offenburg berichtet

Während Zeitungen, Online-Nachrichtenseiten und private TV-Sender über den Fall berichteten, schwieg die "Tagesschau" dazu. Warum man sich entschieden habe, nicht über die Tötung des Offenburger Arztes zu berichten, erklärte Kai Gniffke, Chefredakteur der Sendung, im "Tagesschau-Blog". "Wir berichten in der Tagesschau über Dinge von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Dinge, die für die Mehrzahl der rund 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind. Dabei können wir nicht über jeden Mordfall berichten", schrieb er. 

Allein deswegen über den Fall zu berichten, weil der Tatverdächtige ein Asylbewerber ist, will Gniffke nicht. "Aus meiner Sicht sollten wir das dann tun, wenn Asylbewerber überproportional an Tötungsdelikten beteiligt wären. Das ist, soweit wir es recherchieren können, nicht der Fall. Deshalb haben wir uns gegen die Berichterstattung entschieden", so der "Tagesschau"-Leiter.

"Tagesschau" nicht zum ersten Mal in der Kritik

"Es haben all diejenigen Recht, die sagen, dass der Arzt heute noch leben würde, wenn dieser Flüchtling nicht ins Land gekommen wäre", führt er weiter aus. "Aber ich sage ebenso deutlich, dass auch das für mich noch keine Begründung ist, über einzelne Kriminalfälle in der Tagesschau zu berichten."

Es ist nicht das erste Mal, dass die "Tagesschau" dafür kritisiert wird, über einzelne Mordfälle nicht berichtet zu haben. Im Dezember 2016 geriet Deutschlands populärste Nachrichtensendung in den Fokus, weil man nicht über den Mord an einer Studentin in Freiburg berichtet hatte, der von einem Flüchtling aus Afghanistan verübt worden war.

ivi