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Interview

Orlando Bloom und Cara Delevingne: "Für Cara ist Instagram wie ein Wohnzimmer. Für mich ist das eine fremde Welt"

Eine Begegnung mit Orlando Bloom und Cara Delevingne anlässlich der neuen Amazon-Prime Fantasy-Serie "Carnival Row" im Soho-House in Berlin.


Orlando Bloom und Cara Delevingne in der Amazon-Serie "Carnival Row"

Sie stehen draußen auf dem Balkon des Hotels, rauchend und lachend, wie zwei junge, sehr hübsche Berlin-Touristen. Der Schauspieler Orlando Bloom und das Model Cara Delevingne. Die beiden sehen aus wie die letzten Markenbotschafter der Tabakindustrie, genussvoll rauchen sie eine Zigarette nach der anderen, während der Reporter selbst drinnen wie ein Prüfling darauf wartet, dass das Nikotinlevel der beiden auf Gesprächsbereitschaft angestiegen ist. Bloom und Delevingne sind nach Berlin gekommen, um über ihre neue Fantasy-Serie "Carnival Row" (ab 22.11. bei Amazon Prime Video) zu sprechen. 

Endlich öffnet sich die Balkontür. Bloom und Delevingne betreten das Zimmer und entschuldigen sich erst einmal etwas zu ausführlich beim Reporter für die Verspätung. 

Orlando Bloom: Oh, warten Sie schon lange auf uns? Sorry, wir mussten noch etwas frische Berliner Luft schnappen.

Delevingne: Orlando, ich glaube, du kannst ruhig sagen, wie es ist. Wir haben noch eine Zigarette geraucht. Naja, es waren schon paar mehr Zigaretten. 

Bloom: Ich habe schon mehrmals erfolgreich aufgehört mit dem Rauchen, aber irgendwie komme ich nicht davon los.

Delevingne: Ja, mir geht es ähnlich. Ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass wir in unseren Beruf so viel Zeit mit Warten verbringen. Als Model wartest auf deinen Auftritt auf dem Laufsteg, als Schauspieler wartest du auf deine Szene. Wenn du Raucher bist, wird dir das zum Verhängnis. 

Ist die Zigarette Ihr letztes Laster?

Bloom: Ich glaube schon, dass ich ansonsten sehr gesundheitsbewusst lebe. Ich quäle mich mit Yoga. Und ich meditiere auch mal, wenn ich dazu komme.   

Delevingne: Orlando, das kann ich nicht unkommentiert stehen lassen, weil du bist eigentlich ein richtiger Adrenalin-Junkie. Wir kannten uns vor den Dreharbeiten nur flüchtig über gemeinsame Freunde in London, aber inzwischen kennen wir uns ziemlich gut. Wenn es irgendwo ein Meer gibt, springst du aufs Surfbrett. Du brauchst immer Action. 

Bloom: Na ja, ich bin jetzt 42 und schon etwas ruhiger geworden. 

Ihre Kollegin Cara Delevingne ist 27 Jahre alt. Haben Sie bei der Zusammenarbeit den Altersunterschied gespürt?

Bloom: Auf jeden Fall. Besonders deutlich wurde mir das, wenn wir uns über die Bedeutung von Instagram unterhielten. Für mich ist das immer noch eine neue Welt, während es für Cara ein sehr vertrautes natürliches Universum ist. Es beeindruckt mich, wie selbstbewusst Cara dort mit ihren Fans kommuniziert. Sie gibt ihnen dort viel Mut, zu ihrem natürlichen Aussehen zu stehen und sich nicht einem absurden Schönheitsideal zu unterwerfen. Instagram ist für Cara wie ein Wohnzimmer. Für mich ist das eine fremde Welt.  Wie viele Follower hast du eigentlich?

Delevingne: 42 Millionen bei Instagram. 

Bloom: Wow! Unglaublich! 

Als Sie erfuhren, dass das Model Cara Delevingne ihre Schauspielkollegin in der Fantasy-Serie "Carnival Row" wird, gab es da Vorurteile?

Bloom: Nein, überhaupt nicht. Cara hat ja schon in einigen anderen Filmen bewiesen, dass sie wirklich eine tolle Schauspielerin ist. 

Die Serie "Carnival Row" erzählt von einer neo-victorianischen Cyber-Punk-Zukunft, in der es zum Krieg zwischen übernatürlichen Wesen wie Feen und den Menschen gekommen ist. 

Bloom: Die Fabelwesen sind Kriegsflüchtlinge, ihre Heimat wurde von den Menschen zerstört. Aber von den Menschen werden sie wie Eindringlinge behandelt und in Ghettos weggesperrt. Für mich ist diese Serie auch eine Art von Parabel auf den Zustand der Gesellschaft heute: Wir erleben zurzeit auch eine große Angst, Wut und Unkenntnis Flüchtlingen gegenüber, die vor Krieg, Elend und Armut flüchten, um woanders ein neues Leben zu beginnen.

Orlando Bloom und Cara Delevingne in der Amazon-Serie "Carnival Row"

Schauen wir nicht Fantasy-Geschichte, um der unerfreulichen Wirklichkeit zu entkommen?

Bloom: Das stimmt natürlich auch, aber man kann trotzdem die Flüchtlingskrise oder die Migration durch die Linse der Fantasie kommentieren. Die Leute können sich das ansehen, ohne das Gefühl zu haben, dass sie Partei ergreifen müssen.

Delevingne: Es gibt nicht viele junge Menschen, die sich freiwillig eine trockene Dokumentation über den Zustand des Feminismus ansehen.  Stattdessen schauen sie aber Serien wie "Der Report der Magd", dessen Vorlage der feministische Kult-Roman von Magaret Atwood ist.   

Der Amazon-Chef Jeff Bezos, dessen Streaming-Dienst "Carnival Row" produziert hat, soll selbst ein großer Fantasy-Fan sein. Erklärt das auch das millionenschwere Budget dieser Mammutproduktion?

Bloom: Ich muss wirklich sagen: Seit "Herr der Ringe" war ich an keinem Set mehr, dass mich so überwältigt hat. Viele glauben ja, dass man bei so einer Fantasy-Produktion fast ausschließlich vor einer komischen grünen Wand schauspielert und die Märchenwelten dann später von einem Computer entworfen werden. Dabei wurden viele dieser mittelalterlichen Straßen voller Fabelwesen wirklich originalgetreu nachgebaut. 

Delevingne: Das war wie ein Themenpark "Fantasy". Ich musste dauernd Freunde von mir aus London ans Set in Prag einladen, damit sie diese Märchenwelt auch erleben können. 

Bloom: Haben Deine Freunde auch den Schweinskopf gerochen?

Delevingne: Wovon redest Du?

Bloom: Ein paar Tage hat es am Set nach verfaultem Schweinskopf gerochen. Die haben für eine Szene tatsächlich echte Schweinsköpfe verwendet. Die sind irgendwann aufgetaut und begannen etwas zu stinken. 

Delevingne: Diese Erfahrung ist mir zum Glück erspart geblieben. Ich glaube auch, dass ich unter solchen Umständen keine Fee hätte spielen können (lacht). Mit Schweinskopf-Geruch in der Nase ist das schwierig.