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Meinung

Legendäre Staffel: Abgründe und Intrigen: Warum das "Sommerhaus der Stars" viel mehr ist als Trash-TV

Jede Woche beweist "Das Sommerhaus der Stars", warum man mit den meisten abgehalfterten Möchtegern-Promis am liebsten nichts zu tun haben möchte. Es beweist aber auch, dass Trash-TV verdammt gut sein kann.

Sommerhaus der Stars: Willi und Johannes streiten

Es ist nicht lange her, da versammelte sich (fast) ganz Fernseh-Deutschland an einem Montagabend im Januar vor den TV-Geräten, um mit anzugucken, wie Sarah "Dingens" Knappik im Dschungelcamp zur Persona non grata wurde. Sie wurden Zeugen, wie der sehr viel ältere und erfahrene Schauspieler Mathieu Carriere das junge Model pathetisch anflehte, das Camp zu verlassen, wie sich ein Großteil der Campbewohner im Dschungeltelefon sammelte, um die Produzenten vor die Wahl zu stellen: entweder wir gehen, oder sie. Und die "Ibes"-Fans konnten live mit ansehen, wie sich ein Einzelner zur moralischen Instanz entwickelte und nicht auf den Sarah-Dingens-Bashing-Zug aufsprang: Peer Kusmagk. 

Zu sagen, dass mit der mittlerweile legendären fünften "Ibes"-Staffel Fernsehgeschichte geschrieben wurde, ist keineswegs vermessen. In den darauffolgenden Jahren kam nichts im TV mehr an diese denkwürdigen Szenen ran – bis jetzt. 

Warum das "Sommerhaus der Stars" dieses Jahr so gut ist

Denn das "Sommerhaus der Stars" (ebenfalls auf RTL) entwickelt sich gerade zur absoluten Sozialstudie. Der Fokus: menschliche Abgründe, Intrigen und die Bereitschaft, für ein bisschen Kohle über Leichen zu gehen. Es sind die gleichen Voraussetzungen wie damals im Dschungelcamp. Bis auf den kleinen, aber wesentlichen Unterschied, dass sich im Sommerhaus die gescheiterten Promi-Existenzen selbst eliminieren und nicht die Zuschauer. 

Das hat zur Folge, dass zwischen den Bewohnern die Fetzen fliegen und sogar bei denen die Sicherungen gehörig durchbrennen, die in den vergangenen Wochen immer einen kühlen Kopf bewahrt hatten. Ganz besonders nötig hat offenbar Willi Herren das Preisgeld von 50.000 Euro. Seit Beginn der Sendung hat der ehemalige "Lindenstraße"-Star intrigiert, was das Zeug hält. Dass er dabei auch vermeintliche Freunde ans Messer liefert, hat sich bereits in der vergangenen Woche gezeigt, als er und seine Frau Jasmin gegen ihr Versprechen Benjamin Boyce und Kate Merlan aus dem Sommerhaus schmissen. In dieser Woche nominierten die Herrens unterdes Johannes Haller und Yeliz Koc, denen sie vorher noch mit Unschuldsmienen versprochen hatten, genau das nicht zu tun. Die Folge: Haller rastete vor versammelter Mannschaft komplett aus, verlor seine sonst immer so gewahrte Fassung völlig und bepöbelte Herren was das Zeug hielt. 

Willi Herren und Johannes Haller zoffen sich

Der wiederum spielte das Unschuldslamm so überzeugend, dass man sich als Zuschauer fragen muss, ob man seine schauspielerischen Fähigkeiten womöglich jahrelang unterschätzt hat. Und Herren ging noch weiter, indem er eine Aussage Johannes' so verdrehte, dass die gesamte Truppe im Haus auf einmal glaubte, Johannes würde das befreundete Paar Elena/Mike verraten. Mir nichts, dir nichts, hat Herren also seinen bislang stärksten Konkurrenten, Johannes, aus dem Spiel genommen. Am Ende mussten Haller und Koc das Sommerhaus verlassen. Da halfen auch die zahlreichen gewonnen Spiele aus den vergangenen Wochen nicht.

Lange dachte man als Zuschauer, der Zoff um Michael Wendler und Laura Müller sei das Optimum gewesen, was RTL aus dieser Staffel rausholen konnte. Was haben wir uns alle getäuscht. Der Streit um Fummel-Michi und Klammeräffchen-Laura ist nichts im Vergleich zu dem, was die vermeintlichen Promis sich in den finalen Sendungen liefern. 

"Das Sommerhaus der Stars"

Roland Bartsch, Willi Herren und Elena Miras zoffen sich im "Sommerhaus der Stars". Nur ein Streit von vielen in der vergangenen Folge.

TV Now

So viel mehr als nur Trash-TV

Viele mögen sich jetzt natürlich fragen, warum man seinen Dienstagabend damit verbringen sollte, abgehalfterten Möchtegern-Promis beim Fetzen zuzusehen. Die Frage ist zwar nicht ganz unberechtigt, aber die Antwort darauf heißt: Weil das "Sommerhaus der Stars" in diesem Jahr so viel mehr ist als einfaches Trash-TV. Zum Vergleich: Der Sender Sat.1 hat gerade mit "Promi Big Brother" bewiesen, wie man eine solche Sendung eben gerade nicht ablaufen lassen sollte. 

Nach und nach wurden dort gerade die Promis aus der Show gewählt, die am meisten polarisierten und für den größten Zündstoff sorgten. Ein fataler Fehler. Die Eliminierungsrunde im Sommerhaus hingegen sorgt dafür, dass die Intrigen und fiesen Machtspiele nie aufhören. Als Zuschauer darf man Zeuge davon werden, wie Allianzen geschlossen werden, die nur wenige Momente später zu erbitterten Feindschaften werden. All das gepaart mit der Tatsache, dass hier echte Paare gegeneinander spielen, sorgt für den Extra-Schuss Emotionalität. 

All die, die ohnehin keine Fans von Trash-TV sind, mögen die Sendung verurteilen. Doch es ist große Kunst, aus einem einfachen Unterhaltungsformat so viel herauszuholen, wie es RTL mit dieser Staffel Sommerhaus gelungen ist. Menschliche Abgründe und Intrigen, moralische Instanzen, all das gepaart mit bestem Entertainment, serviert auf einem Silbertablett – das muss man erstmal schaffen. Seit der Sarah-Dingens-"Ibes"-Staffel ist das im deutschen Fernsehen nicht mehr auf diese Art und Weise gelungen.