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Mediendebatte: "Die AfD braucht uns nicht": So rechtfertigen sich ARD und ZDF

Die Kritik der vergangenen Tage, ARD und ZDF hätten die AfD erst groß gemacht, hat den Sendern sichtlich zu gesetzt. Nun wiesen die Chefredakteure die Vorwürfe zurück. Einer ließ immerhin Selbstkritik anklingen.

Rainald Becker und Peter Frey

Die Chefredakteure von ARD und ZDF, Rainald Becker und Peter Frey, nahmen Stellung zum Vorwurf, sie hätten die AfD groß gemacht.

"Darüber wird in den nächsten Wochen auch noch zu diskutieren sein: In welchem Ausmaß die beiden öffentlich-rechtlichen Sender in den letzten Wochen massiv dazu beigetragen haben, in der Tat nicht die AfD klein zu machen, sondern groß zu machen." Joachim Hermanns Wutausbruch am Wahlabend hat tatsächlich eine Debatte angestoßen. Mehrere Politiker verschiedener Parteien sprangen dem CSU-Politiker bei. Und auch verschiedene Medien kritisierten die Sender, etwa "Spiegel-Online" oder stern.de.

Nun haben die Chefredakteure von ARD und ZDF zu der Debatte Stellung bezogen - und die Vorwürfe von sich gewiesen. Es ist nicht an uns, eine Partei groß oder kleinzumachen. Es geht darum über einen Wahlkampf zu berichten. Und in diesem Wahlkampf war die AfD und waren die Themen der AfD immer wieder Thema", sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker in einem Beitrag der "Tagesthemen". "Ich glaube, die AfD braucht uns nicht."

Peter Frey weist pauschale Kritik von sich

Deutlich intensiver äußerte sich sein ZDF-Pendant im "Morgenmagazin". Auch Peter Frey wies die Kritik zunächst einmal von sich: "Vieles hat mit Enttäuschung über Wahlergebnisse zu tun", sagte der ZDF-Chefredakteur. "Da sollte man nicht nur auf die Medien gucken, da muss man auch auf die Parteien gucken und die Frage stellen: Welche Themen wurden da eigentlich liegen gelassen?"


Dass die AfD in vielen Talkshows eingeladen war, habe auch mit ihrer Bedeutung zu tun: Die Partei sei in 13 Landtagen vertreten, zudem hätten die Umfragen einen sicheren Einzug in den Bundestag vorhergesagt. Zur Versachlichung nannte Frey konkrete Zahlen zur Talkshow "Maybrit Illner": Seit Anfang 2016 seien unter 400 Gästen elf AfD-Vertreter gewesen, damit liege der Anteil unter 3 Prozent. "Das zeigt deutlich, dass wir hier niemanden benutzen, um unsere Quoten nach oben zu treiben."

"Gelassenheit ist hier der richtige Weg"

Gleichzeitig ließ Peter Frey aber auch ein wenig Selbstkritik anklingen: "Natürlich ist die Frage: Lässt man sich von jeder Äußerung provozieren oder geht man auch mal über etwas hinweg? Da würde ich sagen: Ja, Gelassenheit ist hier der richtige Weg." Wenn jedoch gezielte Grenzüberschreitungen gemacht würden, etwa auf dem Feld der Erinnerungspolitik, müsse man das auch markieren und eine öffentliche Debatte anregen.

In einem weiteren Punkt gab der ZDF-Chefredakteur den Kritikern teilweise Recht: Beim Wahlduell habe die Flüchtlingskrise tatsächlich eine große Rolle gespielt. "Wir haben durchaus selbstkritisch hinterher diskutiert, ob zehn Minuten weniger vielleicht besser gewesen wären."

Sätze wie diese lassen hoffen, dass zumindest einer der beiden öffentlich-rechtlichen Sendern aus der Wahl gelernt hat und künftig verantwortungsvoller über die AfD berichten wird. Eine Partei aktiv zu stärken, die den Rundfunkbeitrag abschaffen will - das kann nun wirklich nicht im Interesse von ARD und ZDF sein.

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