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"Die Familienanwältin": Terrier-bissig statt weichgespült

Vorbild ist "Family Law" aus den USA - mit "Die Familienanwältin" zeigt RTL eine Serie mit Biss. Warum Mariele Millowitsch dafür sogar den Imagewechsel von der patenten Krankenschwester zur muffigen Anwältin riskiert, erzählt sie im stern.de-Interview.

Überschwängliche Kritiken, gute Quote - der Einstand der neuen RTL-Serie "Die Familienanwältin" war sehr erfolgreich. stern.de sprach mit Mariele Millowitsch ("Nikola", "Girlfriends"). Sie spielt in der Serie eine engagierte, aber nervige Anwältin, die den Problemen in ihrer eigenen Familie nicht gewachsen ist.

Frau Millowitsch, gut fünf Millionen Zuschauer sahen die erste Folge von "Die Familienanwältin". Die Kritiken überschlugen sich vor Lob. Sind Sie zufrieden?

Das ist toll. Gute Kritiken bedeuten allerdings nicht, dass die Leute es auch sehen wollen. Wir würden gerne immer Qualität mit guten Quoten verbinden. Aber wir müssen noch zwei Folgen warten, um zu wissen, wo es sich einpendelt.

Von der patenten Krankenschwester zur ewig gestressten, nervigen Anwältin - solch ein kompletter Imagewechsel ist ein Wagnis. Warum haben Sie die Rolle der Hanna Lorenz angenommen?

Nach neun Staffeln "Nikola" wollte ich etwas anderes machen, obwohl ich dieses Format hoch in Ehren halte, denn Comedy ist das Schwerste. Ich bin Serienfan und habe ich eine reale Figur gesucht, die nicht weichgespült ist. Als Vorlage diente "Family Law" aus Amerika mit Kathleen Quinlan in der Hauptrolle, eine Figur, die mich interessiert hat. Ein großer Vertrauensbeweis ist, dass RTL gleich acht Folgen gedreht hat und nicht den Umweg über einen Piloten gegangen ist.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Indem ich im Gericht verschiedene Verhandlungen verfolgt habe. Und - das ist aber Zufall - mein Lebensgefährte ist Anwalt, der mir geholfen hat, mit dem Fachjaron umzugehen und die Paragraphen richtig anzuwenden. Die Geschichten beruhen meistens auf wahren Begebenheiten. Unsere Autoren wären nicht schlau, wenn sie sich nicht aus der Realität bedienen würden. Man braucht ja nur die Zeitung aufzuschlagen, es gibt genug Beispiele.

Was macht die Figur der Hanna Lorenz aus?

Sie macht Fehler, hat Ecken und Kanten und ist keine Heldin, sondern eine ganz normale Frau. Ganz typisch ist, dass sie immer versucht, die Fassung zu bewahren. Aber wenn sie ausflippt, dann richtig - zum Beispiel, wenn sie sich in der ersten Folge vor Wut die Kleider vom Leib reißt. Den Klienten ihrer Kanzlei gegenüber verhält sie sich zunächst oft zurückhaltend, fast muffig, aber wenn sie einen Fall annimmt und erkennt, dass sie etwas verändern kann, beweist sie Terrier-Qualitäten.

Was macht für Sie eine gute Serie aus?

Wenn Geschichten ohne Schnörkel so erzählt werden, dass ich gebannt bin. Ich möchte mein Urteil selbst bilden können. Es muss nicht auf jede Frage eine Antwort geben. Der Zuschauer weiß das auch zu schätzen, wenn er selbst beurteilen kann und nicht alles vorgekaut bekommt. Als Hanna habe ich mich bemüht, nicht schon in der Mimik Stellung zu beziehen. Die Amerikaner setzen sehr auf diese Objektivität, zum Beispiel bei "Emergency Room" - sehr witzig übrigens, dass ich jetzt dienstags gegen meine Lieblingssendung antrete.

Inwieweit haben Sie Einfluss auf das Drehbuch?

Wenn das Drehbuch da ist, sitzt das Ensemble zusammen und wir sprechen darüber. Das Schöne bei uns ist: Jeder sieht nicht nur seine eigene Rolle, wie komme ich gut dabei weg, sondern das Ganze. Es sind alles wunderbare Schauspieler, tolle Kollegen.

Im echten Leben sind Sie ein Sympathieträger, mehr als Hanna Lorenz. Aber kennen Sie dieses Phänomen auch, dass man im Job oder im "öffentlichen Leben" vieles richtig macht, aber in der Partnerschaft versagt?

Ich habe keine Kinder und muss deswegen diesen Spagat zwischen Familie und Beruf nicht hinkriegen. Zu Hause sitze ich schon mal mit langem Gesicht da und bin auf Krawall gebürstet. Das Gute an einer funktionierenden Partnerschaft ist ja, dass man kein Theater spielen muss. Draußen sollen Leute aber nicht unter meinen Launen leiden. In der Öffentlichkeit kennt man diese Seite von Mariele sicher nicht.

Was haben Sie für weitere Pläne?

Wir werden ab Juli weiterdrehen, der Drehplan ist gesteckt, die Bücher in der Mache, die Kollegen alarmiert. Zwar hätte ich keine Berührungsängste, wieder eine schöne Komödie zu drehen. Allerdings gibt es im Moment kein Drehbuch, das mich reizt. Kompromisse will ich nicht machen, ich kann auch ganz gut nichts tun.

Das Interview führte Kathrin Buchner.

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