HOME

"Dieter - der Film": Bohlens Comic-Sex zu schlecht fürs Kino

Sie war für die große Leinwand geplant, schaffte es aber nie in die Kinos. Die Comic-Verfilmung von Dieter Bohlens Leben wird auf RTL gezeigt und muss gegen "Wetten, dass...?" antreten.

Brauner Teint, blonde Strubbelmähne, die rosa Zunge hängt hechelnd zum Mundwinkel heraus. "Mein Bääänker hat mir gesagt, Sex ist ein schlechtes Geschäft", keucht der kopulierende Dieter. "Man steckt mehr rein als man rausbekommt." Schnitt, nächste Szene: Bohlen sitzt in der Jury einer bekannten RTL-Show und schaut einer Kandidatin nicht in die Augen: "Hey", grinst er mit penetrierendem Blick. "Eine von Euch beiden wird bestimmt Karriere machen."

Die Texte, versichert der "Pop-Titan", hat er selbst für seinen Zeichentrickfilm "Dieter - der Film" geschrieben. Die Vorlage liefert sein Leben, in strenger Anlehnung an sein 800.000 Mal verkauftes Buch "Nichts als die Wahrheit". 200 chinesische Zeichner mussten im Auftrag der TFC Trickcompany in Tausenden von Stunden 250.000 Bilder malen, damit die rund 6,5 Millionen teure Produktion fertig wurde. In die Lichtspielhäuser fand die wilde Animation trotzdem nicht ihren Weg.

Im Herbst 2004 sollte das Stück in die Kinos kommen, dann wurde der Start aufs letzte Jahr verschoben, letztlich vom Verleiher Universum abgesagt: Schlechte Qualität, munkeln Beobachter. Jetzt zeigt ihn Mitproduzent RTL an diesem Samstag um 20:15 Uhr, wenn Thomas Gottschalk zeitgleich zu "Wetten, dass...?" einlädt, unter anderem mit Bohlens Ex-Partner von "Modern Talking", Thomas Anders, als Gast. Thommy wird Quotensieger, meinte der 52-jährige Bohlen in der "Bild"-Zeitung. "Weil er der Ältere ist und man zu Älteren höflich sein soll. Ich helfe auch älteren Leuten über die Straße."

Dieter muss gegen Thommy ran

RTL hat die Werbung für den Film bei einem Mindestmaß belassen. Programmredaktionen wurden nicht wie üblich auf Anfrage mit dem Film beliefert, sondern mit einer sieben Minuten langen "EPK" (Electronic Press Kit), einem Zusammenschnitt, vertröstet. Warum es denn den Film nicht gebe, fragte die Zeitschrift "TV Spielfilm" beim Kölner Privatsender nach. "Weil das eine Überraschung wird", hieß es von RTL. "Eine Bewertung muss leider entfallen - man ließ uns nicht", bedauerte das Schwester-Blatt "TV Today".

Doch der Film muss jetzt unters Volk, auch wenn Gottschalk im Nacken sitzt. RTL verweist auf "unsere Zielgruppe", das sind die 14- bis 49-jährigen und damit jüngeren Zuschauer als Bohlen. Der Musikproduzent und Schlagersänger bringt in der Woche danach ein neues Album heraus (unter anderem mit einem noch nicht veröffentlichten Modern-Talking-Titel) und sein neuestes Buch "Meine Hammer-Sprüche". Außerdem steht zwei Wochen später das Finale des Castingwettbewerbs "Deutschland sucht den Superstar" an.

Dem Zuschauer bleibt nichts verborgen

160 Millionen verkaufte Tonträger, Millionen auf der hohen Kante, zwei Ehefrauen, ungezählte andere: Nichts wird in dem von Michael Schaack inszenierten Trickfilm ausgelassen. Schon als Kind zeigt der kleine Dieter große Energie, wenn es gilt, seinen Willen durchzusetzen. Der Weg zum Ruhm ist indes hart und auch von Flops geprägt. Aber man kann ziemlich viel Kohle machen, und die Mädels geben sich die Klinke oder sonst was in die Hand. Auch Naddel und Verona und ihre Zickenkriege bleiben dem Zuschauer nicht verborgen.

"Dieter - der Film" dauert bis 21.55 Uhr. Für manchen vielleicht eine Einstimmung auf das folgende Programm: Dann kommt "Upps - die Super- Pannenshow" gleich mit einer Doppelausgabe.

Carsten Rave/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel