"Gräfin gesucht - Adel auf Brautschau" Blaublut sucht paarungswillige Blondine


Attraktiv sollte sie sein, am besten blond und natürlich gebärfreudig. So in etwa stellen sich die adeligen Herren ihre perfekte Partnerin vor. Gleich in der ersten Folge der Sat.1-Doku "Gräfin gesucht - Adel auf Brautschau" stellten die vier Kandidaten klar, welcher Typ Frau in ihren Stammbaum passt.
Von Carolin Neumann

Um die Bauern, die eine Frau fürs Leben wollen, kümmert sich bereits RTL. Doch auch der einsame Adel braucht bei der Balz ein wenig Hilfe, dachte sich Sat.1, und bietet seit gestern in "Gräfin gesucht - Adel auf Brautschau" Unterstützung: Vier blaublütige Herren zwischen 37 und 47, die sich an ihrer Seite eine heiratswillige, attraktive, gepflegte, höfliche, lustige, hilfsbereite, vorzeigbare, stilvolle, gläubige, intelligente, seriöse, vorzugsweise blonde und auf jeden Fall gebärfreudige Frau in den Zwanzigern wünschen. Na, wenn's sonst nichts ist.

Neben ihren hohen Ansprüchen können die Brautsuchenden eine jahrhundertealte Familiengeschichte und - so lässt jedenfalls ihr Auftreten vermuten - eine dicke Brieftasche vorweisen. Davon abgesehen wird bei "Gräfin gesucht" so ziemlich jedes Blaublüter-Klischee Normal-Sterblicher bedient: Ein Graf kennt sich natürlich aus mit der Etikette und ist ein eleganter Reiter. Er spielt Tennis oder Polo oder beides. Er geht Segeln und auf die Jagd und hält sich eigenes Personal. Das braucht er auch, denn im besten Fall besitzt er ein mondänes Anwesen auf dem Land, direkt am Wasser.

Mit dem Paris-Hilton-Schoßhund zum Tee beim Grafen

So wie etwa der 48-jährige Benedikt von … Ja, von was eigentlich? In dieser Sendung haben die Adeligen keine Nachnamen, sie könnten genauso gut Müller oder Meier heißen, denn genau darum geht es ja: zu zeigen, dass Blaublüter stinknormale Menschen sind. Benedikt jedenfalls ist Betriebswirt aus Schleswig-Holstein mit eigenem Gutshof. Wenn man ihn so auf Plattdeutsch schwatzen hört - "Jott verdammich" - und er erzählt, dass seine Traumfrau sich für Flora und Fauna interessieren sollte, dann glaubt man ihm sogar, dass er auf dem Boden geblieben ist und auf dem Hof selbst mit anpackt.

"De mach ik lieden, de is 'ne nette Dirn, nech?" Bei "Gräfin gesucht" wählen die Männer per Videobotschaft zunächst die Frauen, die sie sich beim hippen Speed-Dating aus der Nähe angucken wollen. Während in der weniger hippen Sanduhr die Zeit verrinnt, präsentiert sich den Grafen die ganze Bandbreite von Paris-Hilton-Verschnitt bis älterem Muttchen. Darunter sind auch einige überraschend sympathische Gesichter, bei denen man gar nicht so recht versteht, weshalb sie sich für die Männersuche ins Fernsehen begeben.

Charmante Glatze

Am Ende von Folge eins kann der Zuschauer nur erahnen, welche Dame sich Benedikt herausgepickt hat. Die Ladies jedenfalls sind hellauf begeistert von ihm. Nichts gegen Männer mittleren Alters mit zurückgehendem Haaransatz, aber das Herzklopfen und die Schwärmereien der Bewerberinnen erklären sich wohl vor allem mit der Perspektive auf ein Leben mit Adelstitel, auch wenn der in der heutigen Zeit nicht mehr so viel wert ist. Berge von Briefen und nervöses Gekicher beim ersten Kennenlernen zeigen jedenfalls, dass das Gräfinnenleben für manche seinen Reiz hat.

Während Benedikt, bei dem zu Hause Fuchsfelle vom Sofa baumeln, fast etwas unsicher wirkt in Gesellschaft der auserwählten Damen, verkörpert Gutsherr Moritz den Unsympath beim Adels-Dating. Das fängt schon damit an, dass der 38-Jährige über die Bewerberinnen nicht als Frauen, sondern als Mädchen spricht, und sich gleich beim ersten Sichten der Videobotschaften als übler Sprücheklopfer erweist. Eine brünette Bewerberin? "Na, die kann man auch blond machen." Und diese Bluse? "Komisch, ich kauf ihr 'ne Neue." Und weil er sich nicht entscheiden kann, lädt Moritz am Ende gleich zwei Frauen zu sich ein, um eine Woche lang Gräfin auf Probe zu spielen.

Adel verpflichtet - zum Glück nicht

Wenn Marlene Lufen, die stets ein wenig wie eine Märchentante moderiert, am Ende grinsend in die Kamera sagt: "Adel verpflichtet - auch zum Einschalten", möchte man gleich alle Verabredungen absagen, um auch ja Zeit für die nächste Folge zu haben. Sollte es wieder genauso spannend werden wie gestern, dann Prost Mahlzeit. Dümmlichen Bauern bei RTL zuschauen macht mehr Spaß als die feudale Brautsuche. So züchtig, wie sich die Sat.1-Blaublüter präsentieren, ist auch nicht damit zu rechnen, dass bei dem Ehe-Experiment irgendwas Aufregendes passiert, das Leben in die Bude bringt. Außer vielleicht Michael vom Tegernsee. Er wird kommenden Sonntag als letzter aus der Runde vorgestellt und zumindest in der Vorschau wirkt er doppelt so energisch wie die drei anderen zusammen: "Ich suche eine Frau mit Feuer im Arsch."


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