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"Super Paper Mario": Alles andere als flach

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wer "Super Paper Mario" spielt, bekommt dank des ständigen Wechsels zwischen 2D und 3D eine andere Sicht der Dinge.

Ringt sie um Aufmerksamkeit? Leidet sie gar am Stockholm-Syndrom? Oder ist Prinzessin Peach einfach nur stets zur falschen Zeit am falschen Ort? Egal. Die recht einfallslose Tatsache ist: Wieder einmal wurde das zuckersüße Blaublut im rosa Tutu entführt. Und natürlich hat Profi-Kidnapper Bowser seine Klauen im Spiel. Doch der Dauerbösewicht ist diesmal selbst nur die Marionette eines weitaus schlimmeren Typen. Nicht das einzige Kuriosum in Nintendos neuem Wii-Titel "Super Paper Mario", in dem sich der Kultklempner und seine Kumpels als echte Papiertiger entpuppen und das Wort "Spieltiefe" eine neue Bedeutung bekommt.

Keine Bange, liebe Eltern: Mario hat keine Essstörung. Er ist so hauchdünn, weil er diesmal aus Papier ist. Wer das verinnerlicht, ohne die Nase zu rümpfen, den Kopf zu schütteln oder nach dem "Warum?" zu fragen, bekommt mit "Super Paper Mario" ein reichlich ungewöhnliches Jump&Run mit leichten Rollenspielelementen serviert, das trotz flacher Optik enormen Tiefgang besitzt. Doch genug der Plattitüden...

Ein dunkles Herz droht

Die Ausgangslage? Wie immer verzwickt: Bowser hat mit miesen Mitteln Prinzessin Peach vor dem Traualtar ein "Ja, ich will bis ans Ende aller Spiele" entlockt. Erste Frucht dieser fatalen Verbindung: ein dunkles Herz, das die Welt zu vernichten droht. Eingefädelt hat die Zwangsehe der geheimnisvolle Graf Knickwitz - keine Ahnung, wer sich bei Nintendo die Namen ausdenkt. Diesem Vampir-Verschnitt nebst Gefolgschaft muss also Einhalt geboten werden, weshalb sich Mario (später gesellen sich auch noch gerettete Pappkameraden wie Bowser, Luigi oder Peach selbst dazu) auf die Suche nach acht reinen Herzen macht. Dazu hüpft er in klassischer Manier durch kunterbunte Bonbon-Welten, die akute Zahnschmerzen verursachen, zerdeppert allerhand Steinblöcke, kriecht in Röhren, futtert Pilze und sammelt Münzen - wie man es eben seit Jahr und Tag von ihm gewohnt ist.

Recht früh stößt der Flachmann dabei jedoch an seine zweidimensionalen Grenzen, weshalb sich Nintendo eines Kunstgriffs bedient: Auf Knopfdruck kann Mario für kurze Zeit in die Tiefe des Raums wechseln. Tödliche Fallen können so kinderleicht umgangen, Abgründe überwunden, versteckte Zugänge aufgedeckt und manch Bossgegner überhaupt erst besiegt werden. Neu ist das Dimensions-Hopping seit Segas PSP-Knobelei "Crush" zwar nicht mehr. Allerdings besitzt die Idee immer noch genügend Zündkraft, um auch ein technisch altbackenes Abenteuer wie "Super Paper Mario" in höhere Wertungsregionen zu katapultieren.

Die Fähigkeiten der Wiimote werden vom Schnauzbartträger jedoch kaum beansprucht. Nur selten muss auf eine spezielle Stelle auf dem Bildschirm gedeutet oder das Pad geschüttelt werden, um geheime Türen zu öffnen oder eine Spezialattacke zu starten.

Pixls - allzeit bereit

Begleitet werden Mario und Co. während ihrer Reise von sogenannten Pixls - Feen-artige Kreaturen, die wie die einzelnen Mitglieder der Nintendo-Rasselbande spezielle Fähigkeiten besitzen. Dank dem Pixl Wurfowitz kann Mario etwa Kisten werfen und Schalter aktivieren, Platto sorgt dafür, dass der Kultklempner nahezu unsichtbar wird und selbst durch engste Durchgänge passt. Fast ein Dutzend dieser Helfer versteckt sich in den Comic-Welten, die sich allesamt von Flipstadt aus ansteuern lassen.

Super Paper Mario

Hersteller/Vertrieb

Nintendo

Genre

Geschicklichkeit

Plattform

Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ohne Beschränkung

Dorthin kehrt der Flachmann im Blaumann auch immer wieder zurück, um seine gesammelten Goldmünzen in unterschiedliche Items zu investieren, aufgelesene Kleinode zu verhökern, in Gasthäusern seine Lebensenergie zu regenerieren, Spielkarten zu tauschen oder ein paar Minigames in der nahegelegenen Arcade-Halle zu zocken.

Rollenspiel light

Die aus den Vorgängern bekannten Rollenspiel-Elemente wurden nahezu komplett der Einsteigerfreundlichkeit geopfert, weshalb Mario zwar gelegentlich im Level aufsteigt und kräftiger austeilt, sonst aber kaum noch etwas auf die Vergangenheit hindeutet - von der Präsentation einmal abgesehen. Detailarme Comic-Umgebungen, Minimal-Animationen, eine Soundunterstützung auf Sparflamme sowie die fehlende Sprachausgabe: Das alles versprüht gewiss jede Menge Retro-Charme, ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß - auch wenn sich Nintendo hier und da selbst auf die Schippe nimmt.

So bleibt "Super Paper Mario" vor allem ein interaktives Märchen für junge Konsolenzocker - reich an Gags und Abwechslung. Ältere Semester dürften sich trotz des Nostalgie-Faktors an der infantilen Story und deren farbenfroher Umsetzung jedoch stören.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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