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"Günther Jauch" zum Thema Nichtwähler: Märchen und Allgemeinplätze

Mit einer Sendung über das Nichtwählen ist Günther Jauch aus der Sommerpause zurückgekehrt - und musste dafür viel Kritik einstecken. Die Presseschau.

Exakt vier Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September hat sich Günther Jauch aus der Sommerpause zurückgemeldet - und gleich ein heikles Thema auf die Tagesordnung gesetzt. "Denkzettel statt Stimmzettel - wozu noch wählen?" war die Sendung betitelt und sollte Wahlbefürwortern wie Nichtwählern die Gelegenheit geben, ihre Positionen auszutauschen. Das ist dem Talker nicht gegklückt, so das Fazit der meisten Medien. Eine Übersicht:

"Tagesspiegel"

Jauchs "Runde mit Politikverdrossenen und Enttäuschten ließ den Stimmungen, Ressentiments und Kränkungen freien Lauf", klagt Joachim Huber auf "Tagesspiegel.de", der vor allem die Zusammensetzung der Gäste kritisiert: "Die Jauch-Runde kippt nolens volens zu den Nichtwählern, ihren Stimmungen, Ressentiments, Kränkungen."

"FAZ"

Frank Lübberding regte sich bei "faz.net" besonders über die Ressentiments der Nichtwähler auf. "In dem Gestus des kritischen Bewusstseins versteckt sich schon lange jenes kleinbürgerliche Gerede, das außer Allgemeinplätze über die 'Politik' nichts Substantielles beizutragen hat." Selbst das autoritäre Denken werde so zur Realsatire, schreibt Lübberding, und zitiert die bekennende Nichtwählerin Andrea Hanna Hünniger: "Wenn Frau Merkel oder der Bundespräsident nichts zu aktuellen Themen zu sagen haben, warum soll ich dann darüber nachdenken?"

"Handelsblatt"

Auch Christian Bartels fand auf "handelsblatt.com" Hünninger besonders peinlich: "Ihre Behauptung, der amtierende Bundespräsident (dessen Namen sie vergessen zu haben behauptete), habe sich weder zu den NSU-Morden, noch zur NSA-Spähaffäre geäußert, hätte allerdings eine Einordnung verdient gehabt." Das größte Manko sei aber die Abwesenheit eines Moderators gewesen, der die verschiedenen Positionen konstruktiv ins Gespräch hätte bringen können.

"Welt"

Tim Slagman beklagt sich auf "welt.de" vor allem über den Auftritt des Verteidigungsministers: Thomas de Maizière bestätige "manches Klischeebild", das über seinen Berufsstand kursiere. "Rhetorische Nebelkerzen schleuderte keiner so elegant in den Raum wie er." Sein Resümee der Sendung: "So verstärkte sich der Eindruck, dass es sich bei dem Ganzen auch um ein Kommunikationsproblem handelt. Die einen fühlen sich nicht angesprochen, die anderen verstehen nicht, wieso."

"Frankfurter Rundschau"

Das sieht Daland Segler auf "fr-online.de" ganz ähnlich: "Oder glaubt wirklich noch jemand an die Mär von der anstehenden 'Richtungsentscheidung', die Thomas de Maizière wieder auftischte (...). Man hätte sich als Anwalt derer, die eine Teilnahme an Wahlen für unabdingbar halten, überzeugendere Persönlichkeiten gewünscht." Sein Fazit: "Rederei ohne klare Ergebnisse ist schließlich auch ein Grund für den Verdruss über die Politiker."

Zusammengestellt von Carsten Heidböhmer