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"Mean Tweets" mit Kindern: "Tu allen einen Gefallen. Bring dich einfach um"

Katy Perry, Britney Spears und Obama können bei Jimmy Kimmels "Mean Tweets" über fiese Kommentare aus dem Netz herzlich lachen. Dass es Jugendlichen anders geht, zeigt ein Video gegen Cybermobbing.

Von Lisa-Marie Eckardt

Dieses Mädchen bekam die Nachricht: "Tu allen einen Gefallen. Bring dich einfach um."

Dieses Mädchen bekam die Nachricht: "Tu allen einen Gefallen. Bring dich einfach um."

In der US-Talkshow von Moderator Jimmy Kimmel lesen Prominente ziemlich gemeine Twitter-Nachrichten über sich selbst vor - und lachen darüber. Sogar US-Präsident Barack Obama hat in einer Folge der beliebten "Mean Tweets" mitgemacht.

Dass Cybermobbing für die Betroffenen aber häufig alles andere als witzig ist, zeigt nun ein Video, das die Kimmel-Serie nachstellt - mit Kindern. Unter dem Titel "Kids Read Mean Tweets" lesen Jugendliche Gemeinheiten über sich vor, mit denen sie im Internet gemobbt wurden. Dabei wird schnell klar: Hass-Tweets zu bekommen, ist alles andere als lustig.

Die Kinder sitzen wie die Prominenten in der Jimmy-Kimmel-Show vor einer roten Backsteinwand und lesen die Kurznachrichten von ihren Handys ab. "Leute, Erik ist nicht schwul. Er bevorzugt nur die Anwesenheit von Männern... in seinem Mund", liest ein Junge mit Kaputzenpulli und Wollmütze vor, der dazu nur den Kopf schütteln kann. Wie im Original sind zunächst im Hintergrund noch Lacher zu hören.

Wenn Mobbing zum Suizid aufruft

Doch die Vorlesenden wirken zunehmend bedrückter. Die Hass-Nachrichten werden immer persönlicher - zielen mal auf das Aussehen, mal auf die ethnische Herkunft ihrer Opfer. "Ist es rassistisch, wenn ich schwarze Menschen nicht mag, weil ich Sierra so sehr hasse?", liest ein schwarzes Mädchen mit Brille vor. Ein eigentlich unauffällig aussehender Junge mit blauem Sweatshirt: "Ethan, sind deine Eltern Bruder und Schwester? Weil dein Gesicht zurückgeblieben aussieht."

Als am Ende ein Mädchen im schwarzen Pulli mit brüchiger Stimmer vorliest, wie jemand sie zum Suizid auffordert, ist klar, wie gefährlich Mobbing im Internet ist: "Niemand mag dich. Tu allen einen Gefallen. Bring dich einfach um."

Cybermobbing ist kein Scherz

Das Video endet mit einer Erinnerung, das Thema ernst zu nehmen. Die Botschaft: "Cybermobbing ist kein Scherz."

Produziert wurde das Video von der gemeinnützigen kanadischen Organisation Canadian Safe School Network (CSSN). Die CSSN sorgt für Sicherheit an Schulen und setzt sich gegen Jugendgewalt ein. Über Jimmy Kimmels "Mean Tweets" kann man dort nicht lachen. "Diese Videos vermitteln die Botschaft, dass Cybermobbing in Ordnung sei - sogar witzig", sagte die Vorsitzende der Organisation, Stu Auty. "Aber erwachsene Prominente haben die Reife und das Selbstbewusstsein, um über diesen verletzenden Worten zu stehen. Kinder nicht."

"Kids read mean Tweets" wurde inzwischen rund 1,5 Millionen mal bei Youtube angesehen, teilte das Canadian Safe School Network auf seiner Website mit. Damit das Warnvideo noch mehr Menschen erreicht, sammelt die Organisation auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo Spenden. Das Netzwerk hofft, dass die Botschaft bei den Zuschauern auch ankommt: "Cybermobbing ist wirklich ein Seuche, die so viele junge Menschen betrifft."