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"Kindheit unter Drogen" in der ARD Annas unsicherer Weg zurück ins Leben


Nach außen hin wirkt Annas Leben perfekt. Doch ihre Mutter trinkt, ihr Vater ist gewalttätig - und Anna nimmt Drogen. Der ARD-Film "Kindheit unter Drogen" erzählt die Geschichte einer Suchtkarriere.

Mit neun Jahren trinkt Anna zum ersten Mal. Ihr wird schlecht, aber sie merkt auch, wie der Alkohol sie "leicht berieselt". Der Start einer Suchtkarriere, die der Film "Kindheit unter Drogen - Annas Weg ins Leben" eindrucksvoll beschreibt. Regisseurin Dorothee Kaden wirft gemeinsam mit der jungen Frau einen Blick zurück: Auf den schlagenden Vater, die alkoholkranke Mutter, die ahnungslose Schule, das hilflose Jugendamt. Ohne voyeuristisch zu sein, erzählt sie Annas Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Der Film des Hessischen Rundfunks läuft an diesem Montag in der ARD-Reihe "Die Story im Ersten" um 23.15 Uhr.

Kaden trifft Anna, als sie den Wendepunkt geschafft zu haben scheint. Doch kurz bevor der Film fertig ist, bricht die Hauptfigur den Kontakt ab. Unbemerkt von allen ist die damals 20-Jährige zurück in die Welt der Drogen abgedriftet. Vier Jahre danach, 2012, meldet sich Anna wieder bei der Autorin. Sie schaut auf den alten Film und kommentiert, wie es ihr damals gegangen ist. Kaden gibt ihr Raum und Respekt, gewährt ihr Zeit zum Erzählen.

Heute hat sie keinen Kontakt mehr zur Mutter, für die Dreharbeiten sucht sie das Gespräch und will Antworten auf ihre Fragen. Die Mutter räumt ein, dass sie keine Kraft gehabt habe, sich von dem prügelnden Vater zu trennen. Als Anna sich selbst verletzt und die Mutter Blut im Bett ihrer Tochter findet, glaubt sie die Geschichte mit dem Nasenbluten. Bei einer Scherbe in der Schultasche denkt sie an eine Waffe. Annas Drogensucht habe sie nicht wahrhaben wollen.

Ein unbemerktes Doppelleben

Nach außen hin scheint die Familie perfekt: Vater, Mutter und drei Kinder leben in einem Eigenheim in einem kleinen hessischen Ort. An manchen Tagen, wenn die Mutter nicht aufsteht, schmiert Anna die Brote für ihren Zwillingsbruder. Der Vater, der häufig nur am Wochenende zuhause ist, schlägt Anna. Die Tochter trinkt und schluckt Schmerzmittel, die Ärzte ihr anscheinend problemlos verschreiben. Auch in der Schule spricht sie niemand an, wenn sie teilnahmslos im Unterricht sitzt. Anna nimmt Ecstasy, verletzt sich selbst und führt ein Doppelleben.

Die Mutter des besten Schulfreundes wird schließlich aufmerksam und schaut genauer hin. Sie schreibt ans Jugendamt, dass Anna selbstmordgefährdet und autoaggressiv ist. Doch das Mädchen muss zurück in ihre Familie, es wird depressiv. Als Anna ihren Selbstmord angekündigt, wird sie zwangseingewiesen in die Psychiatrie. Nach einem halben Jahr wird sie entlassen, trifft ihre alten Freunde, nimmt harte Drogen. Die Situation mit dem Vater eskaliert, sie zeigt ihn an und gewinnt vor Gericht, doch die Sucht bleibt.

Nach einer Langzeittherapie ist das Filmteam von einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte überzeugt, doch Anna fällt zurück in die Drogenabhängigkeit. Als sie ganz unten ist, merkt sie, dass sie leben will und sucht wieder einen Therapieplatz. Demnächst beginnt sie eine Lehre in der Metallindustrie. Die Stimme aus dem Off sagt: "Wir glauben Anna wieder, Sicherheit gibt es nicht für ihren Weg."

kgi/DPA DPA

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