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"Little Britain Abroad": Zwei Briten im Abenteuerland

Sie sind die absoluten Kultfiguren in England: David Walliams und Matt Lucas sorgen mit ihrer TV-Comedy-Serie "Little Britain" für Rekord-Einschaltquoten. Nun gehen die schrulligen Charaktere aus der preisgekrönten BBC-Reihe auf Reisen - höchste Zeit, die englische Hochkultur, in der Welt zu verbreiten.

Von Julia Stanek

Wenn die Briten Urlaub machen, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Als sonnenhungrige Bleichgesichter kommen sie in bester Ferienlaune am Flughafen von Palma de Mallorca an, um sich die folgenden zehn Tage im Paradies so richtig schön von der griesgrämigen Reiseleiterin vermiesen zu lassen. Mit Verbrennungen zweiten Grades sitzen sie schon am nächsten Tag beim kontinentalen Frühstück, stürzen sich auf schwitzenden Käse und vertrocknete Früchte und quetschen sich anschließend für einen Tagesausflug in klimatisierte Reisebusse - willkommen im Abenteuerland!

Ja, man könnte wirklich Geschichten über die Inselbewohner auf Reisen schreiben - gute Idee, dachten sich David Walliams und Matt Lucas, die Väter der mehrfach preisgekrönten Sketch-Show "Little Britain", und machten sich an die Produktion des Abstechers "Little Britain Abroad". Seit 2003 ziehen die zwei Schauspieler, die früher für Sascha Baron Cohens "Ali G Show" Gags geschrieben haben, die alltägliche Exzentrik der Briten durch den Kakao und feiern mit ihrer Kultshow grandiose Erfolge: Zuletzt wurde das Special "Little Britain Abroad", das nun auch ins deutsche Fernsehen kommt, mit dem "International Emmy" in der Kategorie Comedy ausgezeichnet - eine wirkliche Ehre, gelten die Emmys doch als die bedeutendsten Fernsehpreise Amerikas. Für die deutsche Synchronversion liefern wieder Oliver Kalkofe und Oliver Welke den spleenigen Figuren ihre Stimmen. Dirk Bach und Hella von Sinnen haben Gastauftritte als Sprecher.

Politisch korrekt sind nur die anderen

Es sind in der Tat skurrile Charaktere, die sich den Rest der Welt mal aus der Nähe anschauen wollen: Da wäre die prollige Ghetto-Göre Vicky, die es in Thailand wegen Drogenschmuggelns in den Knast geschafft hat. Sie hat zwar das Ziel, so schnell wie möglich die Rückreise anzutreten, um das Westlife-Konzert in Bristol nicht zu verpassen, vermasselt sich aber mit ihrem kultig-schrillen "Nein! Aber ja! Aber Nein!"-Gekeife den Prozess.

Außerdem treffen wir auch wieder auf Marjorie Dawes. Das Schwergewicht ist für die Selbsthilfeinitiative "Fat Fighters" in dem "kleinen zurückgezogenen Land" Amerika unterwegs und will dicke Menschen zum Abnehmen motivieren. Doch auch sie landet dank ihres losen Mundwerks schließlich im Kittchen: Weil sie sich zu Beleidigungen und Rassendiskriminierung hinreißen lässt, wird sie von einer - natürlich politisch korrekten - fülligen Afro-Amerikanerin namens Judy gemaßregelt und verhaftet. Nein, die Briten haben es nicht leicht, wenn sie ihre gelobte Insel verlassen.

Von Behinderten, Schwulen und anderen Randgruppen

Auch die Kultfiguren Andy und Lou haben in "Little Britain Abroad" wieder großartige Auftritte. Gutmensch Lou überrascht den im Rollstuhl sitzenden Andy, der seinem Pfleger nur vorgaukelt, nicht laufen zu können, mit einer Reise ins Disneyland. Die beiden begeben sich also auf einen turbulenten Trip, der aber nicht in Orlando bei Mickey und Co. endet, sondern nach einem durch den dümmlichen Andy ausgelösten Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel.

Und damit keine Randgruppe ausgelassen wird, bekommen auch Lesben und Schwule ihr Fett weg. Dazu folgen wir dem schwabbeligen Daffyd und der sabbeligen Myfanwy auf die Homo-Insel Mykonos, wo Daffyd erleben muss, dass er - anders als in seinem walisischen Heimatdorf Llandewi Breffi - nicht die einzige "von Schwänzen schwärmende Schwergewichts-Schwulette" ist.

Weltmeister der Selbstironie

Nicht, dass man ähnliche Sketche mit den Deutschen und ihren Marotten nicht machen könnte... Wir könnten jetzt sagen: In Deutschland macht es bloß keiner. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit - wir können es einfach nicht. Die Briten sind die Meister der Selbstironie und der provozierender Satire - Walliams und Lucas führen uns diese Kunst mit ihren grotesk überzeichneten Figuren trefflich vor. Sicher, wer politische Inkorrektheit und derbe Sprache nicht erträgt, ist mit der bizarren Britcom schlecht bedient: Die Eröffnung einer Schwulenbar wird in "Little Britain Abroad" als "Spermaspritzspektakel" bezeichnet, Mussolini war "eine missverstandene Persönlichkeit" und korpulente Menschen sind "echte Monster", die sich "den Hintern nicht alleine abwischen können".

Was "Little Britain Abroad" so sehenswert macht, ist die Leichtigkeit, mit der Matt Lucas und David Walliams britische Stereotype aus verschiedenen Milieus karikieren. Eine Stimme aus dem Off hatte den Zuschauer gewarnt: "Oh Großbritannien, du bist das Beste, was mir je passiert ist, ich sag's ja viel zu selten, es ist gut, dass es dich gibt."

"Little Britain Abroad" läuft am 6. April um 21:00 Uhr auf Comedy Central