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Maischberger diskutiert über Putin Krawalltalk führt beinahe zum Eklat


Wie hältst du's mit Putin? Kaum ein Thema spaltet die Deutschen so wie diese Frage. Und brachte den Talk bei Maischberger mehrfach an den Rande des Eklats. Nur einer blieb cool.
Von Carsten Heidböhmer

Kaum ein Thema eignet sich so gut für eine kontroverse Debatte wie die Frage nach den Ursachen und der Schuld für den Krieg in der Ukraine. Denn schnell kommt man dabei auf die Rolle des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen. Und der spaltet die Nation wie kein Zweiter, vor allem wie kein deutscher Politiker. Hier die "Putin-Versteher", dort die Transatlantiker, die sich bei dieser Frage einfach nicht verständigen können. Insofern versprach die Talkshow "Menschen bei Maischberger" am Dienstagabend besonders interessant zu werden, lautete das Thema doch: "Zar Wladimir I. - Was will Putin wirklich?"

Dank einer cleveren Auswahl der Talkgäste übertraf die Show sogar alle Erwartungen. Mehrfach stand die Show am Rande des Eklats, Russlandexpertin Gabriele Krone-Schmalz war kurz davor, das Studio zu verlassen, nachdem sie sich mehrfach von dem Historiker Arnulf Baring und dem Grünen-Politiker Werner Schulz anfeinden lassen musste.

"Sie haben doch nicht die Wahrheit gepachtet"

Vor allem in die Frage, wer denn die Schuld am Krieg in der Ukraine trage, sorgte für Zunder. Für Schulz ist der Konflikt ein "russsicher Aggressionskrieg" - eine Sichtweise, die Krone-Schmalz nicht stehen lassen wollte: "Können Sie Ihren Intellekt insofern aktivieren, dass Sie die Historie bemühen", wies sie den Politiker hochnäsig zurecht, woraufhin dieser entgegnete: "Sie haben doch nicht die Wahrheit gepachtet!"

Schon zuvor hatte es zwischen beiden Scharmützel gegeben: "Was glauben Sie eigentlich, was Sie hier machen können?", fragte die bekannte Russlandexpertin. Schulz' lässiger Konter: "Ich widerspreche Ihnen."

"Die Kanzlerin ist von allen guten Geistern verlassen"

Deutlich aggressiver schlug Arnulf Baring auf die Journalistin ein, der immer wieder mit persönlichen Beleidigungen operierte: "Sie reden zu lange, das haben Sie noch nicht begriffen." Und: "Sie haben eine völlig perverse Verdrehung der Wirklichkeit." Dann kritisierte er ihre "schulmeisterliche Art, die mir auf die Nerven geht. Sie versuchen uns alle zu belehren, wir hätten keine Ahnung". Was Baring freilich nicht davon abhielt, kurz darauf Krone-Schmalz genau das zu unterstellen: "Sie haben keine Ahnung."

Sandra Maischberger hatte sichtlich Mühe, die Runde zusammenzuhalten und die Streithähne in den Griff zu kriegen. Einziger Trost für die frühere Moskau-Korrespondentin: Baring ging mit der gleichen Aggressivität auf Angela Merkel los: "Die Kanzlerin ist von allen guten Geistern verlassen", polterte er, "mit dieser Art von Hausmacher-Psychologie" hätte Deutschland den Kalten Krieg nie überstanden.

Die übrigen Gäste, darunter der russische Journalist Ivan Rodionov und die Ex-Piraten-Politikerin Marina Weisband, hatten schwer, sich gegen die Polterer Gehör zu verschaffen. Dabei hätten sie Interessantes zu sagen gehabt. Vor allem Tim Guldimann, ehemaliger OSZE-Sondergesandter für die Ukraine, behielt die Ruhe und brachte die Runde mit seinen differenzierten Ansichten tatsächlich weiter. Er schaffte es sogar, die Brücke zwischen "Putin-Verstehern" und Putin-Hassern zu schließen. Er warb intensiv für Verständnis: "Verständnis von - nicht Verständnis für" Putin. Seine Worte verhallten ungehört. Und so werden wir vermutlich noch viele solcher Krawall-Talks zu diesem Thema erleben.


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