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Vier Jahre Krieg in der Ukraine – die traurige neue Normalität?

Russische Fahrzeuge in der Ukraine am 24. Februar 2022
Russische Militärfahrzeuge in der Ukraine am 24. Februar 2022: Das „Z“ ist zu einem Symbol des Angriffskriegs geworden
© action press
Wird der Krieg zur neuen Normalität? Vetternwirtschaft zweiten Grades. Und: Stirbt das Heizungsgesetz? Alles hängt an einem Satz. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich erinnere mich noch recht genau an meine Wahrnehmung des Februars 2022. An die Bilder, die seit Monaten dokumentierten, wie Wladimir Putin seine Truppen an der russischen und der belarussischen Grenze zur Ukraine zusammenzog und immer weiter aufstockte. Daran, wie der französische Präsident Emmanuel Macron und der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz dem russischen Präsidenten nacheinander an dessen absurd langem Tisch im Kreml gegenübersaßen und versuchten, ihm einen Angriff auszureden. Vergebens.

Heute vor vier Jahren, am 24. Februar 2022, übertraten russische Soldaten an mehreren Stellen die ukrainische Grenze. Erstmals seit Jahrzehnten überfiel in Europa die Armee eines Landes einen anderen souveränen Staat. In den ersten Kriegstagen zeigten Satellitenbilder einen kilometerlangen russischen Militärkonvoi, der sich auf Kiew zubewegte. Angesichts der schieren zahlenmäßigen Überlegenheit schien es, Russland könnte die ukrainische Hauptstadt im Handstreich nehmen. Und auch Putin rechnete offenbar mit einem schnellen Sieg. Es kam anders. 

Wird der Krieg zur neuen Normalität?

Seit nunmehr vier Jahren verteidigt sich die Ukraine mit Unterstützung ihrer Verbündeten gegen die Angreifer. Aus dem anvisierten schnellen Eroberungsfeldzug ist auch für die anfangs noch so übermächtig erscheinenden Russen längst ein zermürbender Abnutzungskrieg geworden. Und ein Ende in Form von Frieden scheint trotz aller Bemühungen noch immer weit entfernt. Ist der Krieg also gewissermaßen zu einer traurigen neuen Normalität in unserer Nachbarschaft geworden, die resignierend hingenommen wird? Manchmal kommt es mir fast so vor. Auch das messbare Interesse an der Berichterstattung über den Krieg ist teilweise spürbar zurückgegangen.

Mir wird der Kopf immer dann zurechtgerückt, wenn ich meine ukrainische Nachbarin Daria im Hausflur treffe. Sie ist vor dem Krieg geflohen, ihre Eltern sind in Kiew geblieben. Wenn sie von ihren Besuchen dort berichtet, erzählt sie von nächtlichem Luftalarm und dem Geräusch von nahen Explosionen. Als in Hamburg im Oktober ein Sirenen-Fehlalarm ausgelöst wurde, bekam sie Angst. Sie fragte mich, wo die Luftschutzräume in der Stadt sind, und konnte es kaum glauben, als ich ihr sagte, dass es keine gibt. In Kiew machte sie vor einigen Monaten einen Erste-Hilfe-Kurs, bei dem es um die schnelle Versorgung von Kriegsverletzungen ging. Das vergangene Weihnachtsfest war das erste seit Kriegsausbruch, das sie in der Heimat mit ihren Eltern verbrachte. Sie ist stets froh, wenn sie wieder in Hamburg ist. In Sicherheit. Und in jedem Gespräch betont Daria, wie dankbar sie Deutschland ist. Es ist mir fast schon unangenehm. Nein, der Krieg ist nicht normal. 

Vetternwirtschaft zweiten Grades

Die AfD sieht sich im Superwahljahr 2026 starkem Gegenwind ausgesetzt, von außen, aber auch aus den eigenen Reihen. Die Kritik entzündet sich allerdings nicht an politischen Positionen, sondern an fragwürdigen Personalien von AfD-Politikern im Zusammenhang mit sogenannten Überkreuzanstellungen. 

Dabei wird nicht die eigene Verwandtschaft beschäftigt, sondern Partner oder Angehörige von Parteifreundinnen und Parteifreunden. Ein Beispiel ist die Frau von AfD-Fraktionsvize Markus Frohnmaier, die für einen anderen AfD-Bundestagsabgeordneten arbeitet. Die Personalien sind zwar rechtens, gelten Kritikern aber quasi als Vetternwirtschaft zweiten Grades. Laut Forsa-Umfrage für den stern ist eine Mehrheit der Deutschen für strengere Regeln in dem Bereich. 

Die Empörung über die AfD ist auch bei den anderen Parteien groß. Dabei wissen viele von denen gar nicht, wie es in ihren eigenen Landtagsfraktionen aussieht, wie mein Kollege Frederik Mittendorff feststellen musste. 

5-Minuten-Talk: Stirbt das Heizungsgesetz? Alles hängt an einem Satz

Der 5-Minuten-Talk – mein und hoffentlich auch Ihr liebstes morgendliches Politik-Update – wird heute ein Jahr alt. Herzlichen Glückwunsch! Zum Jubiläum beschäftigen sich die Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz mit einem Abschied: Die Koalition ringt um ein rasches Ende der Habeckschen Heizreform. 

Kein Gesetz belastete die Ampel-Koalition so sehr wie dieses. Im Kern geht es um einen entscheidenden Satz, so die Kollegen. Warum der hinter den Kulissen für viel Streit sorgte, was das alles mit der AfD zu tun hat und wie ein neues Gesetz aussehen könnte.

Und sonst? Weitere Schlagzeilen

Das passiert am Dienstag, dem 24. Februar 2026

  • Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach China
  • US-Präsident Trump hält Rede zur Lage der Nation (Dienstagabend Ortszeit)
  • Champions League: Bayer Leverkusen – Olympiakos Piräus (21 Uhr)

Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Mir persönlich bleibt die Menopause naturgemäß erspart. Ich erlebe sie neben meiner Partnerin quasi nur als Beifahrer. Und ich muss zugeben: Viel wusste ich vorher nicht über die Wechseljahre und darüber, was in dieser Zeit alles in Körper und Kopf passiert. Und das ist eine Menge.

Sind Frauen diesen Veränderungen ausgeliefert? Eine Expertin sagt: nein. Sie haben vieles selbst in der Hand, um die Menopause gesund zu durchlaufen. Geo-Kollegin Stefanie Maeck sprach mit der Professorin Birgit-Christiane Zyriax über die wirksamsten Hebel.

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Patrick Rösing

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